Im Seniorenhaus der Pflegegesellschaft am Schloss sitzt die angehende Altenpflegerin Frances Eckstein (r) mit einer Seniorin einer Wohngemeinschaft beim Spiel Mensch ärgere dich nicht.
In der Pflege sind zehntausende Stellen unbesetzt. Bildrechte: dpa

Pflegeberuf Warum so wenige Geflüchtete in der Pflege landen

Deutschland sucht verzweifelt Pfleger. Gesundheitsminister Jens Spahn wirbt deshalb sogar im Kosovo und in Mexiko um Fachkräfte. Andere setzen ihre Hoffnungen in anerkannte Geflüchtete, die in den letzten Jahren bereits nach Deutschland gekommen sind. Doch von denen sind verschwindend wenige in der Pflege gelandet. Woran liegt das?

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Im Seniorenhaus der Pflegegesellschaft am Schloss sitzt die angehende Altenpflegerin Frances Eckstein (r) mit einer Seniorin einer Wohngemeinschaft beim Spiel Mensch ärgere dich nicht.
In der Pflege sind zehntausende Stellen unbesetzt. Bildrechte: dpa

Bei der Bundesagentur für Arbeit haben sich 2018 rund 40.000 offene Stellen in der Alten- und Krankenpflege angestaut. Allein mit deutschen Fachkräften lässt sich dieses Loch nicht stopfen, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn. Der Bedarf sei so groß, dass Deutschland diesen ohne Fachkräfte aus dem Ausland nicht decken könne.

Wenige Geflüchtete landen im Pflegeberuf

Deshalb versucht mancher Pflegedienstleister, auch anerkannte Geflüchtete für den Beruf zu gewinnen. Allerdings kamen 2018 nur 1,8 Prozent der Pflegerinnen und Pfleger aus den typischen Asylherkunftsländern. So steht es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD.

Die Gründe dafür sind vielschichtig, erläutert Ehsan Vallizadeh vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Zum einem werde der Pflegeberuf überwiegend von Frauen ausgeübt und 87 Prozent der arbeitenden Personen aus den Asylherkunftsländern seien Männer: "Und das ist eine Erklärung, warum der Anteil insgesamt sehr gering ist."

Hohe Hürden für Berufseinstieg

Zum anderen reichten die Sprachkenntnisse und beruflichen Qualifikationen oft nicht aus. Vallizadeh erklärt, dass so etwas wie das deutsche Gesundheitssystem in vielen Herkunftsländern nicht so vorhanden ist und deshalb auch die beruflichen Erfahrungen in diesem Bereich fehlten.

In anderen Fällen dauert es Monate oder Jahre, bis die ausländischen Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden. Thomas Neumann, Sprecher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen, stellt bei manchen Trägern auch gewisse Berührungsängste fest. Prinzipiell sieht er in der Gruppe der Geflüchteten trotzdem eine Chance für die Pflege.

"Wenn die Hürden nicht so hoch sind, könnte man auch hier Menschen gewinnen, die gern im Pflegebereich arbeiten möchten. Und gerade im Assistenzbereich sind einige Stellen, wo erst mal auch Geringqualifizierte anfangen können." Neumann sieht darin Potenzial.

Pflegeberuf attraktiver machen

Arbeitsmarktforscher Vallizadeh wendet hingegen ein: Nicht jeder will und kann pflegen. "Es bringt nichts, gezielt eine Kampagne zu starten, um Geflüchtete in diese Engpass- oder Pflegeberufe einzuschleusen. Vielmehr geht es darum, das perfekte Match zu finden."

Das heißt ganz schlicht: Die Pflegeeinrichtung und der Bewerber müssen auch zusammen passen. Trotzdem sieht Vallizadeh für die Politik ein paar Aufgaben: Berufsabschlüsse schneller anzuerkennen, Weiterbildungen zu unterstützen und den Pflegeberuf generell aufzuwerten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2019, 05:00 Uhr

85 Kommentare

Atheist vor 6 Wochen

Natürlich sind das auch Menschen keine Frage, aber für unsere Politiker sind es scheinbar eine Art Übermenschen denen mal alles erlaubt was für uns verboten ist (Zweitfrauen, Schächten, ....) denen man alles sanktionslos genehmigt, die man explizit betreut und versorgt, die was ganz besonderes sind weil sie es mit der Gleichberechtigung nicht so genau nehmen...

MaP vor 6 Wochen

Was dieser Malteser-Migrationsbericht taugt und wie es mit dessen Wahrheitsgehalt aussieht, wurde bereits einmal lang und breit erörtert. Diesen Bericht jetzt als Beweis anzuführen ist mehr als lächerlich und eine Beleidigung für die Leser und Kommentatoren von MDR, da man offensichtlichtlich allen eine zumindest im Anfangsstadium befindliche Demenz unterstellt (früher hätte man Gedächtnisschwund gesagt).

Der Erfurter Bub vor 6 Wochen

Sie haben scheinbar keine Kinder oder sind Stadtmensch? Wer solche Aussagen tätigt kann geistig nicht im Jahr 2019 Leben.
Seid wann sind wir beim Du? Scheinbar haben Sie gefallen an meinen Kommentaren gefunden.
Nur mit Ihnen würde ich diese Reise machen. Sozusagen eine Sprach und Kulturreisse. Bei unserer Rückkehr werden Sie dann ehrenamtlich im Flüchlingsheim helfen, garantiert.