Coronavirus Homeoffice: Anstrengend, aber nachhaltig

Seit Sonntag wird Deutschland aus dem Homeoffice regiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel musste sich nach Kontakt mit einem Corona-Infizierten in ihr Zuhause zurückziehen. Damit arbeitet sie nun wie Millionen Deutsche vom heimischen Schreibtisch aus. Die einen tun es, weil sie wie die Kanzlerin Kontakt zu Erkrankten hatten, die anderen, weil sie wegen geschlossener Schulen und Kitas noch die Kinder betreuen müssen. Und wiederum andere arbeiten aus reiner Vorsicht Zuhause.

Computer-Nutzer 2012 in einer Wohnung, Internetverbindung über W-Lan-Router
Wenn die ganze Familie das WLAN nutzt, kann es mit dem Home-Office schwierig werden. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Die Kindergärten sind zu, die Kollegen will man nicht anstecken und so sitzt auch André Jontza derzeit im Homeoffice. Normalerweise leitet er ein Team in den Büros der Leipziger Marketingagentur Projecter.

Jetzt muss er sich jeden Morgen mit seiner Freundin abstimmen: Wer darf arbeiten? Und wo sind eigentlich die Ohrstöpsel gegen den Kinderlärm? "Ich habe mir jetzt tatsächlich ein Homeoffice ins Gästebad gebaut", erzählt Jontza. "Weil das der einzige Raum in der Wohnung ist, wo das halbwegs möglich ist, wo ich auch ruhig arbeiten kann."

Wir schwanken derzeit immer noch zwischen dem Gefühl von Rabeneltern und dem Gefühl von: man kann seine Arbeit nicht richtig gut machen.

André Jontza, Teamleiter Marketingagentur Projecter

Es habe sich nicht ad hoc eingepegelt. Der Projecter-Teamleiter glaubt, dass das noch ein bisschen brauche. Vielen Familien geht es ähnlich. Nach einer Schätzung des Digitalverbandes Bitkom arbeiten inzwischen 15 Millionen Deutsche von zu Hause aus.

WLAN auf dem Land zu langsam für Homeoffice

Die Erfahrungen sind durchwachsen. Vor allem im ländlichen Raum räche sich jetzt der zögerliche Ausbau des schnellen Internets, sagt Marco Langhof, Vorsitzender im Verband der IT- und Multimediaindustrie Sachsen-Anhalt:

Die Infrastrukturen erweisen sich im Zweifel tatsächlich als Nadelöhr.

Marco Langhof, Vorsitzender IT- und Multimediaindustrie-Verband Sachsen-Anhalt

Wenn Mitarbeiter ins Homeoffice gehen, passiere es durchaus, dass die Festnetzanbindungen zu Hause überhaupt nicht funktionieren, sagt Langhof. In solchen Situationen habe man mobile Lösungen mitgeben müssen.

Erhöhter Datenverkehr bei Familien problematisch

Mitunter haben Firmen auch nicht ausreichend Software-Rechte erworben, damit sich Mitarbeiter von Außen einwählen können. Doch wo die Leitung anliege und die Software da sei, funktioniere es besser als gedacht, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer beim Digitalverband Bitkom.

Den zusätzlichen Datenverkehr der Zuhause-Arbeiter könne das bestehende Netz gut bewältigen. "Wir messen derzeit in den Netzen einen Anstieg um etwa zehn Prozent. Und das verkraften die Netze", meint Rohleder.

Aber wenn die Kinder zu Hause seien, Online-Games spielten oder auch mal vormittags einen Film streamten, merkten manche, dass ihr WLAN nicht ausreichend ausgelegt sei, sagt Bitkom-Geschäftsführer Rohleder.

Damit alle flüssig arbeiten können, haben manche Videodienste ihre Qualität reduziert. Den größten Datenverkehr gibt es in Deutschland aber nach wie vor nicht während der Arbeitszeiten, sondern abends, nach 19 Uhr, wenn wirklich viele Menschen Filme gucken.

Mehr Videokonferenzen auch nach Corona erwartet

Das Arbeiten von zu Hause werde sich noch einspielen, sagt IT-Experte Langhof. Und es werde in Zukunft nichts Ungewöhnliches mehr sein: "Wir gehen davon aus, dass die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel viel selbstverständlicher wird. Und dass die Leute das gelernt haben werden und hinterher nicht wieder verlernen werden."

Das heiße: weniger Dienstreisen. Da ist Langhof sich ganz sicher. Es werde viel mehr Videokonferenzen und Telefonkonferenzen, viel mehr Zusammenarbeit auf digitalem Wege geben.

Auch André Jontza ist überzeugt, dass das Homeoffice auch nach der Corona-Krise eine Bedeutung behält. Wenn die Kinder wieder in die Kita dürften, sei der heimische Schreibtisch schließlich ein Hort der Ruhe. Ganz verlagern, sagt Jontza, werde sich die Arbeit aber nicht. Denn am meisten fehle ihm der Plausch mit Kollegen auf dem Flur.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. März 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

sieg55-steff54 vor 34 Wochen

Homeoffice gibt es nicht erst seit Corona, unsere Mutter hat schon vor Jahrzehnten
von zu Hause für ihren Betrieb gearbeitet. Das hatte auch einen positiven Effekt für uns Kinder- wir brauchten damals keine Psychiater und Sozialarbeiter. Man kannte das hochtrabende "Homeoffice"nicht-es hieß verständlich Heimarbeit .

Peter W. vor 35 Wochen

"WLAN auf dem Land zu langsam" - das ist, gelinde gesagt, technischer Blödsinn. Wenn, dann sind die verfügbaren Internetanschlüsse zu langsam, die in 99% der Fälle auf dem Telefon- oder Kabelanschluss basieren. WLAN ist auf dem Land im Schnitt sogar schneller als in der Stadt, weil es weniger benachbarte WLANs gibt, die stören.

August vor 35 Wochen

Leider ist die Karte des Breitbandausbaues ähnlich wie die des Coronavirus wärend die Ballungsräume zufriedenstellend versorgt sind ist der Ländliche Raum oft noch ein weisser Fleck. Alles wurde saniert Straßen Gehwege Wasser Abwasserleitungen Strom nur die Leerohre für die Glasfaser fehlen. Viele Orte haben dank der jahrelangen Vorbereitung der Telekom Glasfaser bis am Verteiler. Nur die letzte Distanz zum Haus dort herscht offenbar Interessenkonflikt und da macht jede Gemeinde ihr Ding ein eigenes Glasfasernetz, ein Goldesel offenbar als Betreiber zu aggieren.
Fertigstellung demnähst nun nach Corona sicherlich noch ein parr Jahre mehr weil Gelder ''umgeschichtet'' werden müssen verständlicherweise.