Wolfsburg: Unterbauten von Volkswagen werden im VW Werk von Schweißrobotern der Marke Fanuc bearbeitet.
Die Gemeinschaftsdiagnose ist eine Konjunkturprognose, die zweimal jährlich im Auftrag der Bundesregierung erstellt wird. Bildrechte: dpa

Hintergrund Kriterien für eine Konjunkturprognose

Zweimal im Jahr erstellen die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland die sogenannte Gemeinschaftsprognose im Auftrag der Bundesregierung - so wie jetzt in Halle. Dort sind 60 Wirtschaftsforscher zusammengekommen, um den weiteren Konjunkturverlauf zu prognostizieren. Oliver Holtemöller vom IWH erläutert, wie eine solche Prognose zustande kommt.

Wolfsburg: Unterbauten von Volkswagen werden im VW Werk von Schweißrobotern der Marke Fanuc bearbeitet.
Die Gemeinschaftsdiagnose ist eine Konjunkturprognose, die zweimal jährlich im Auftrag der Bundesregierung erstellt wird. Bildrechte: dpa

Die Erstellung einer Konjunkturprognose ist ein mehrstufiger Prozess. "Wir analysieren zunächst die aktuelle wirtschaftliche Lage, denn wirtschaftliche Daten liegen nur mit einer gewissen Verzögerung vor", sagt IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Zunächst Schätzungen aufgrund von Umfragedaten

Zunächst also schätzen die Institute die jeweils aktuelle Produktion. Dieser Schätzung werden Holtemöller zufolge statistische Indikatoren und Umfragedaten der jeweils aktuellen Produktion zugrunde gelegt. Demnach werden auch für das Folgequartal überwiegend statistische Modelle basierend auf sogenannten Frühindikatoren eingesetzt.

Später makroökonomischer Modelle Grundlage

Danach werden die Prognosen aufgrund makroökonomischer Modelle erstellt. "Technisch gesprochen sind das Gleichungssysteme, die die Zusammenhänge zwischen den relevanten wirtschaftlichen Variablen abbilden", sagt Holtemöller. Zunächst würden Annahmen zu relevanten Rahmenbedingungen getroffen, wie zum Beispiel der Ölpreis sowie die Finanz- und Geldpolitik. "Dann leiten wir mit Hilfe der Modelle ab, wie die wirtschaftliche Entwicklung bei angenommenen Rahmenbedingungen ablaufen könnte."

Während in der Öffentlichkeit meistens nur die sogenannte Punktprognose, also ein Einzelwert, im Vordergrund stehe, lieferten die Modelle sogenannte Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Damit sind dem Wirtschaftsforscher zufolge Intervalle gemeint, die mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit die tatsächliche zukünftige Entwicklung überlagern.

Die Modelle würden mit Hilfe von Daten aus der Vergangenheit geschätzt. "Wenn also Dinge passieren, die es so noch nicht gegeben hat, wie zum Beispiel der Brexit, dann sind die Modellergebnisse mit großer Vorsicht zu interpretieren". Dann zögen die Forscher neben der statistischen Evidenz auch theoretische Überlegungen heran.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 19. März 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2019, 06:31 Uhr