Reint Gropp Wirtschaftsforscher für bedingungsloses Grundeinkommen

Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen könne viel Bürokratie abgeschafft werden und die Menschen würden sogar mehr arbeiten, sagt Reint Gropp. Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle sagte MDR AKTUELL, entscheidend sei das Wort "bedingungslos".

IWH-Chef Reint Gropp
Reint Gropp ist Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle und Professor in Magdeburg. Bildrechte: dpa

Der Wirtschaftsforscher Reint Gropp hat sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen ausgesprochen. Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle sagte im Podcast von MDR AKTUELL, die Idee werde oft missverstanden. Entscheidend sei das Wort "bedingungslos". Jeder müsse das Grundeinkommen erhalten, egal wie reich oder arm er sei.

Reint Gropp sagt: "Wenn wir ein bedingungsloses Grundeinkommen von meinetwegen 1.000 Euro einführen, bräuchten wir keine Sozialleistungen mehr. Wir bräuchten keine Arbeitslosenversicherung mehr, wir bräuchten kein Hartz IV mehr. Weil jeder ein Mindestauskommen hat."

Die Abschaffung der Bürokratie wäre ein großer Gewinn. Wenn das Grundeinkommen an bestimmte Bedingungen wie Einkommensgrenzen geknüpft wäre, würde es hingegen wenig bringen. Dann wäre es am Ende nur eine weitere Sozialleistung.

Bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar

Der renommierte Ökonom hält die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens auch für bezahlbar. Voraussetzung sei allerdings eine Art Bierdeckel-Steuer, wo auf jeden Euro ein fester Satz von ca. 35 Prozent abgeführt werde. "Man würde das Steuersystem sehr stark reformieren müssen, die ganzen Abschreibungen und Steuervergünstigungen müsste man abschaffen. Dann käme das ungefähr hin."

Gropp widerspricht auch dem Argument, dass bei einem bedingungslosen Grundeinkommen viele Menschen nicht mehr arbeiten würden.

Ich glaube tatsächlich, dass die Leute mehr arbeiten würden als jetzt.

Reint Gropp Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für VWL in Magdeburg

"Man hat etwas zu tun, man trifft seine Leute. Arbeit ist ja nicht nur etwas Schreckliches." Entscheidend sei, dass der Druck wegfiele, eine bestimmte Arbeit anzunehmen. Die Menschen bekämen die Möglichkeit und auch die Freiheit, so viel zu arbeiten, wie sie wollten.

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Mehr Integration auf dem Arbeitsmarkt

Arbeit würde dadurch sehr viel flexibler. Zudem würden bestimmte Gruppen in den Arbeitsmarkt integriert, die derzeit wenig Möglichkeiten hätten. Frauen zum Beispiel bräuchten flexible Arbeitszeiten, für sie wäre es einfacher.

Nach Ansicht des Wirtschaftsprofessors könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen auch zu höheren Löhnen führen. Die Arbeitnehmer hätten keinen ökonomischen Druck mehr, jeden beliebigen und schlecht bezahlten Job anzunehmen. Sie könnten höhere Löhne einfordern und würden sie möglicherweise auch bekommen. Denn die Arbeit müsse ja schließlich gemacht werden, so Gropp.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Oktober 2020 | 05:00 Uhr

13 Kommentare

helge fitz vor 3 Wochen

Ich war, bin und werde immer dafür sein.
Endlich keine Angst mehr vor dem kapitalistisch- neoliberalen Wirtschaftssystem und folgender Diskriminierung mehr haben ✌🙏

Anni22 vor 3 Wochen

Eine schöne Illusion, die NIE wahr werden wird. Denn irgendwer muss die (ungeliebten) Jobs ja machen. Na vielleicht irgendwann, wenn die KI soweit ist, dann können wir 24 Stunden Spaß haben. Es sei denn, die KI entledigt sich unser ;-)!

THOMAS H vor 3 Wochen

Alle die gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen sind, möchte ich bitten, das sie die Augen schließen und sich dann vorstellen, was passiert, wenn für eine Woche ALLE EHRENAMTLICHEN TÄTIGKEITEN (wo sich auch ALG-II-Empfänger einbringen) und ALLE UNBEZAHLTEN ÜBERSTUNDEN NICHT MEHR DURCHGEFÜHRT WERDEN DÜRFEN.
Es würde in vielen Bereichen, alles zusammenbrechen, da niemand diese Arbeit verrichten würde und es würde aufzeigen, wie viele Menschen, auch ohne Bezahlung arbeiten.
Das BGE würde vieles vereinfachen und Geld ist genügend vorhanden.