Herbstgutachten Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose

Handelskonflikte, ein möglicher ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU und eine mögliche Schuldenkrise in Italien - in den vergangenen Monaten sind die Konjunkturrisiken gewachsen. Die führenden Wirtschaftsforscher im Land senken deshalb nun ihre Konjunkturprognose.

Die führenden Wirtschaftsforscher haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland deutlich gesenkt. In ihrem Herbstgutachten gehen sich für 2018 von einem Wachstum von 1,7 Prozent aus. Im Frühjahrsgutachten hatten sie noch 2,2 Prozent erwartet. Die Bundesregierung rechnete im Oktober mit einem Wachstum von 2,0 Prozent.

Auch für das kommende Jahr senkten die Wirtschaftsforscher ihre Prognose. Sie gehen nun einem Wachstum von 1,9 Prozent aus, im Frühjahr hatten sie noch 2,0 prognostiziert.

Herbstgutachten Das Herbstgutachten ist eine Gemeinschaftsarbeit vom RWI in Essen, vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, vom Ifo Institut in München, vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH).

Immer mehr Probleme, Fachkräfte zu finden

Eine Ursache für den Dämpfer ist den Forschern zufolge Arbeitskräftemangel. Roland Döhrn, Konjunkturchef des RWI - Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, sagte, die Nachfrage aus dem Ausland sei schwächer geworden, gleichzeitig hätten Unternehmen offenbar zunehmend Probleme, genügend Arbeitskräfte für ihre Produktion zu finden.

Unsicherheit international gewachsen

Doch sie verwiesen auch auf wachsende internationale Unsicherheit und die Risiken, die sich weltweit ergeben, "insbesondere durch die zunehmende Zahl von Handelskonflikten, auf europäischer Ebene durch die Möglichkeit eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der EU und einer möglichen Schuldenkrise in Italien".

Lage in Ostdeutschland

In Ostdeutschland prognostiziert das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) für 2018 einen Anstieg des ostdeutschen Bruttoinlandsprodukts um 1,5 Prozent. 2019 dürfte dieser Anstieg bei 1,7 Prozent liegen. In Ostdeutschland sei Fachkräftemangel trotz höherer Arbeitslosigkeit noch größer als im Westen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. September 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2018, 10:57 Uhr

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15 Kommentare

29.09.2018 18:04 Fragender Rentner 15

@Klaus zu 8

Wo denn bei euch, in welchem Unternehmen arbeitst du?

Ja die ersten kamen nach 1961.

28.09.2018 05:21 Klaus 14

@ { 27.09.2018 20:31 nasowasaberauch }
Die Frage stellt sich doch eher umgekehrt. Wie schafft man es bei der aktuellen Arbeitsmarktlage arbeitslos zu bleiben? Der Arbeitgeber kann Leute einstellen, er kann aber niemanden zwingen arbeiten zu wollen.
Wenn Firmen Leute ausbilden, die erst noch deutsch lernen müssen, dann liegt es doch daran, dass keine Alternativen verfügbar sind.
Wir haben mit unseren ausländischen Mitbürgern jedenfalls keine Probleme. Die helfen uns sehr gut die Konjunktur oben zu halten. Wo sollen die sprudelnden Steuerquellen auch herkommen?

27.09.2018 22:01 Erik 13

Ich hasse es, daß jede Meldung bei den Kommentatoren nur auf ein Thema verkürzt wird.

Zum eigentlichen Thema: der Fachkräftemangel hängt m. E. in erster Linie mit der mittlerweile existierenden Abi-Pflicht zusammen, man könnte es auch Bildungs-Inflation nennen. Vor 20 Jahren war ein Haupt- oder Realschulabschluß noch etwas völlig normales, und danach konnte man eine Ausbildung auch in einer Bank beginnen. Heute aber wissen die Ausbilder aus leidlicher Erfahrung, daß die meisten Kandidaten ohne Abitur nichts taugen, und andererseits wurde den Abiturienten eingeredet, etwas zu studieren.

Wir haben eine Generation von Jugendlichen, die einfache Orchideenfächer studieren, obwohl sie intellektuell fürs Handwerk geeignet wären. Man sollte in den Schulen mehr verbreiten, daß Handwerk intellektuell anspruchsvoller und im Feierabend auch befriedigender ist als ein billiges Zeitgeist-Studium. Wo man dann auch kaum eine Anstellung im studierten Fach finden wird.

27.09.2018 20:46 Klaus 12

@ { 27.09.2018 18:32 Arbeitende Rentnerin }
Besorgtenpolitik machen manche Politiker, von Bürger hatte ich nichts geschrieben.
Bei uns sieht es jedenfalls ganz anders aus, da arbeiten schon seit über 50 Jahren Ausländer. Auch Flüchtlinge werden gerne eingestellt, sofern es die Politik erlaubt. Die Wirtschaft hat bei uns damit kein Problem.
Wenn ich mich aber richtig erinnere, bastelt die AfD noch an einem Rentenkonzept. Vielleicht dauert das deswegen solange, weil man gemerkt hat, dass das ohne neue Arbeitskräfte nicht geht. Wie soll man das jetzt den Wählern erklären? Die Zahl der Rentner wird in den nächsten Jahren stark zunehmen, da kommen wir ohne Wirtschaftswachstum nicht gut aus.
Bei sinkender Konjunktur wird das auf jeden Fall deutlich schwieriger.

27.09.2018 20:31 nasowasaberauch 11

In D arbeiten eine Menge Menschen aus Osteuropa und sie tragen zu Wachstum und Wohlstand bei. Die Kehrseite sind die ungebildeten Migranten aus Nahost und Afrika, die sich in den Sozialsystemen einrichten. Die Industrie jammert wegen fehlenden Fachkräften bei einem Pool von 2 Mio Arbeitslosen.
Die Anstrengungen in der angepassten Aus- und Weiterbildung müsste mehr von der Industrie erfolgen, eine Weiterbildung vom Arbeitsamt ist lohnend für die Bildungsträger, aber wenig hilfreich für den Arbeitsmarkt.

27.09.2018 19:01 Kritischer Bürger 10

@forsa 3: +.. Merkwürdigerweise nehmen Handwerksbetriebe die Flüchtlinge und Migranten mit Kusshand. Und da sind sie dann auch Fachkräfte.
Oder mal anders gefragt. Wo sind denn dann die vielen "hochqualifizierten" Deutschen die der Arbeitsmarkt braucht?...+
Die arbeiten in den Bereichen dieses Landes D wo man mehr verdient als hier im Bereich wo mancher kleiner oder privater Unternehmer gut genug ist zum Ausbilden, aber nicht zum Halten der Fachkräfte! Denn Ausbildung bedeutet allein für sich genommen (GELD)AUSGABEN!

27.09.2018 18:32 Arbeitende Rentnerin 9

Klaus, ich weiß nicht, was Sie mit Ihrer dusslichen "Besorgtenpolitik" immer haben, als wenn der Staat die Bürger fragen würde, wen er abschiebt, ist ohnehin selten genug. Ich kenne jedenfalls keinen Unternehmer, der einen von Merkels Gästen angestellt hat, wäre nicht schlecht, ist aber nicht, im Übrigen kenne ich viele, wo ein Familienmitglied seit Jahren pendelt, weil es hier keine Arbeit gibt, nur wenige Berufsgruppen, wie Altenpfleger werden seit kurzem gesucht, nachdem jahrelang auch diese Leute in den Westen getrieben wurden, habe aber leider noch nirgends von einem syrischen Pfleger gehört, scheint doch was schiefzulaufen. Dass wir uns richtig verstehen, ich hätte da nichts dagegen, wenn die Leute in Pflegeheimen helfen würden, in drei Jahren hätte man mal deutsch lernen und eine Helferausbildung machen können, hat aber keiner, leider

27.09.2018 18:13 Klaus 8

@ { 27.09.2018 17:03 Arbeitende Rentnerin }
Bei uns arbeiten sehr viele Ausländer. Wenn wir die nicht hätten, wäre schon lange Schluss mit Wachstum.

27.09.2018 18:06 Klaus 7

@ { 27.09.2018 17:30 Ralf Richter }
Ich meinte die ca. 2 Millionen deutschen Einzelfälle, die einfach keinen Job finden können.

27.09.2018 17:30 Ralf Richter 6

@4 Forsa:
"Merkwürdigerweise nehmen Handwerksbetriebe die Flüchtlinge und Migranten mit Kusshand."
Meinten Sie etwas die von Funk und Presse überbewerteten, dafür aber immer und immer wieder angeführten Einzelfälle?