Mietkrise Immobilienkonzern Deutsche Wohnen will Mieten deckeln

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen will für die nächsten fünf Jahre seine Mieten deckeln. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit für seine Mietpolitik harsche Kritik in Berlin geerntet. Dort würden Zehntausende Menschen den Konzern gern enteignen.

Aufschrift Deutsche Wohnen auf einem Wohnhaus
Aufschrift Deutsche Wohnen auf einem Wohnhaus Bildrechte: Elisabeth Enders/MIAMedia

Einer der größten privaten Vermieter in Deutschland will mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung Mieterhöhungen begrenzen.

Konzern will Nettokaltmiete deckeln

Das in Berlin ansässige Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen erklärte am Sonnabend, ab 1. Juli würden künftige Mieterhöhungen so begrenzt, dass ein Haushalt maximal 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete aufwenden müsse. Das soll auch dann gelten, wenn der Mietspiegel weitere Erhöhungen zulassen würde, heißt es in der Erklärung. Ferner soll jede vierte neu zu vermietende Wohnung an Mieter mit Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein vergeben werden.

Gutteil der Wohnungen in Berlin

Ein Abrissbagger trägt Betonteile des Bürohauses des ehemaligen VEB Energiebau Dresden ab
Der Konzern baut derzeit in Dresden ein Wohnquartier mit bis zu 535 Wohnungen. Bildrechte: dpa

Die freiwillige Selbstverpflichtung soll laut Konzern bundesweit für die nächsten fünf Jahre gelten. Deutsche Wohnen ist das zweitgrößte Immobilienunternehmen in Deutschland. 70 Prozent ihrer gut 163.000 Wohnungen befinden sich in Berlin. In der Hauptstadt will der rot-rot-grüne Senat in naher Zukunft eine Mietdeckelung einführen. Damit sollen die Mieten in Berlin fünf Jahre lang nicht steigen und überhöhte Mieten auf Antrag gesenkt werden können. Das soll dauerhaft bezahlbaren Wohnraum sichern.

Bürgerinitiative gegen Konzern

Aktivisten der Initiative ''Deutsche Wohnen & Co enteignen'' übergeben 77.001 Unterschriften zur Anstrebung eines Volksbegehrens an einen Sachbearbeiter der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport.
Aktivisten übergeben ihre gesammelten Unterschriften an die Berliner Senatsverwaltung Bildrechte: dpa

In Mitteldeutschland besitzt Deutsche Wohnen nach eigenen Angaben rund 14.000 Wohnungen. In Berlin steht der börsennotierte Konzern besonders in der Kritik. Dort hat die Bürgerinitiative "Deutsche Wohnen und Co enteignen" gut 77.000 Unterschriften gesammelt. Nun wird geprüft, ob die Unterschriften gültig sind und ein Volksbegehren eingeleitet wird. Am Ende könnte ein Volksentscheid stehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2019, 19:13 Uhr

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9 Kommentare

23.06.2019 12:44 Max W. - "Unsere Werte" eben 9

Das ist bekannt: Angst kann auch ein wirkungsvolles politisches Stimulans sein...

Hier ist es natürlich die Angst vor gesetzlicher Regelung, die diesen Konzern Süßholz raspeln lässt. Das bestätigt nur, dass das Problem existiert und von der Bundesregierung teils fahrlässig, teils durch Lobbyisten herbeigeführt worden ist. Und dass eine genaue Überprüfung genau diese politische Verantwortung für das Desaster zutage treten lassen wird.

Jeder Tag, den diese GroKo weiteren Schaden anrichten kann, ist einer zuviel.

23.06.2019 10:03 part 8

Vonovia hat auch letztlich nach den Protestbewegungen einige Mieterhöhungen zurück genommen, wobei die Möglichkeit besteht etwas später erneut Mieterhöhungen einzufordern, nur diesmal etwas höher wie bisher. Überarbeitet werden sollte die Vergleichsmiete nach dem Mietspiegel, da dieser sich nur an Neuvermietungen und Vermietungen der letzten 4 Jahre orientiert, jedoch nicht an den Altbestandsmieten, die einen Großteil ausmachen. Der Mietspiegel der Städte und Gemeinden wurde also zu Gunsten von Miethaien erschaffen und bedarf dringend einer Anpassung an die Realität.

22.06.2019 20:20 RG 7

@2 @3: Bei einem Einzug wird doch sowieso das Gehalt des zukünftigen Mieters - in der Regel über Gehaltsnachweise - dem Vermieter mitgeteilt.

Ich halte es in der Praxis einfach nur für sehr komisch umzusetzen. Entweder müssen die Mieter nun nach der Unterschrift unter dem Mietvertrag ihr Gehalt offenlegen und dann wird ggfs. die Miete nach unten gesetzt oder die Deutsche Wohnen sucht sich einfach im Bewerberprozess denjenigen mit dem meisten Gehalt aus.

Bei Mieterhöhungen wiederrum macht es Sinn. Die Deutsche Wohnen erhöht dann einfach auf x-Euro. Kann der Mieter dann nun nachweisen, dass die NKM über 30% seines Nettoeinkommens liegt, so würde die Deutsche Wohnen nach eigener Aussage die Miete wieder nach unten korrigieren. Das fände ich fair.

22.06.2019 20:05 Andreas 6

Ich habe 800 Euro. Das sind dann ja nur noch 240 Euro. Super

22.06.2019 20:03 Fragender Rentner 5

Wow, es soll auf 30% des Einkommens begrenz werden?

Also jetzt wollen wir sofort wissen was jeder Mieter/in für Einkommen hat und dann wollen wir davon die ca. 30% !!! :-(((

Jetzt möchten wir die Guten sein.

22.06.2019 19:53 Schulze an Schmidt 3 4

Wo ist das Problem? Das müssen Sie doch sowieso machen. Ich verlange von meinen Mietinteressenten Ausweiskopie, Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vom Vorvermieter, Schufa und Einkommensnachweis. Ich bin doch nicht verrückt und gehe solch ein Risiko ein. Haben Sie etwa noch keine Wohnung gemietet? Immer noch Hotel Mama?

22.06.2019 19:11 D. Schmidt 3

Wie soll denn das in der Praxis umgesetzt werden?
Das wird ja nur funktionieren, wenn sich die Mieter "nackt" machen und ihre Gehaltsabrechnungen, Steuerbescheide usw. dem Vermieter übergeben.

22.06.2019 18:48 D.B. 2

Was hat das mit Mieten Deckeln zu tun?
Richtig heißt dass doch "Mieten anpassen"!

Was geht den Vermieter mein Gehalt an, welches ich nicht mal meinem Kollegen nennen darf?

Übrigens, wenn ich dieses Projekt anwende, ist es möglich enorme Mietsteigerungen zu erreichen.

22.06.2019 17:52 Schulze 1

Die Überschrift ist mißverständlich. Was die Deutsche Wohnen hier vorschlägt, ist NICHT das, was man gemeinhin unter Miete deckeln versteht, und es ist etwas völlig anderes als der Senat gerade als Mietendeckelung beschlossen hat. Das ist kein "Deckeln" der Miete sondern ein Anpassen ans jeweilige Einkommen. Wer höheres Einkommen hat, zahlt dann auch hohe Quadratmeterpreise.