Eine Regionalbahn steht auf der Schiene. Mehrere Bäume liegen umgeknickt über der Gleise: Eine Regionalbahn musste am Dienstag aufgrund von Unwetterschäden eine Vollbremsung einleiten und einen Zwangsstopp einlegen. Auf der Strecke zwischen Hildburghausen und Hessberg waren mehrere Bäume auf die Gleise gestürzt. Zu dieser Zeit war ein Gewitter über die Region gezogen. Der Zug erwischte einige Äste, große Schäden blieben jedoch aus, verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr beseitigte die Baumsperren, nach ca. einer Stunde konnte der Zug seine Fahrt nach Neuhaus am Rennweg fortsetzen.
Fällt bei einem Sturm ein Baum auf das Gleis, muss der Zug stoppen. Während des Orkantiefs "Friederike" war der Fahrplan teilweise komplett eingestellt. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann

Zugausfälle Neuer Aktionsplan soll Chaos bei der Bahn verhindern

Bäume stürzen auf Gleise oder Oberleitungen, Züge fallen aus: Das Orkantief Friederike hat in der vergangenen Woche erneut für Chaos im Bahnbetrieb gesorgt. Die Deutsche Bahn hat dafür heftige Kritik geerntet, z.B. von GdL-Chef Claus Weselsky. Nun hat die Bahn hat reagiert und einen sogenannten "Aktionsplan Vegetation" vorgestellt.

von André Seifert, MDR AKTUELL

Eine Regionalbahn steht auf der Schiene. Mehrere Bäume liegen umgeknickt über der Gleise: Eine Regionalbahn musste am Dienstag aufgrund von Unwetterschäden eine Vollbremsung einleiten und einen Zwangsstopp einlegen. Auf der Strecke zwischen Hildburghausen und Hessberg waren mehrere Bäume auf die Gleise gestürzt. Zu dieser Zeit war ein Gewitter über die Region gezogen. Der Zug erwischte einige Äste, große Schäden blieben jedoch aus, verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr beseitigte die Baumsperren, nach ca. einer Stunde konnte der Zug seine Fahrt nach Neuhaus am Rennweg fortsetzen.
Fällt bei einem Sturm ein Baum auf das Gleis, muss der Zug stoppen. Während des Orkantiefs "Friederike" war der Fahrplan teilweise komplett eingestellt. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann

Bei Grünen und Umweltschützern kommt der „Aktionsplan Vegetation“ der Deutschen Bahn grundsätzlich gut an. 125 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren, 150 neue Mitarbeiter - all das plant die Bahn.

Aktionsplan kommt bisher relativ gut an

Wacklige Bäume oder Äste entlang der Strecken sollen verschwinden.

Prof. Felix Ekardt bei einem Vortrag.
Felix Ekardt, BUND Sachsen Bildrechte: Prof. Felix Ekardt

Bäume zu fällen ist aus Umwelt-, Klima und Naturschutzsicht immer schlecht. Es ist aber auch ungünstig, wenn Züge nicht vernünftig fahren können, weil die Leute dann ins Auto steigen.

Felix Ekardt Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Sachsen

Auch Matthias Gastel, der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, unterstützt die Maßnahmen der Bahn.

Ich halte eine weitergehende Baumpflege für notwendig. Allein im Oktober 2017 sind über 6.000 Züge ausgefallen. Und es geht ja jedesmal um Bäume auf dem Gleis.

Matthias Gastel Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen

Sechs Meter Abstand zwischen Gleisen und Bäumen

Schon seit Jahrzehnten gelten bei der Bahn bestimmte Regelungen: Kein Baum darf näher als sechs Meter an Gleisen stehen.

Spezielle Forstarbeiter des Unternehmens kontrollieren das ein Mal im Jahr. Ihre Aufgabe ist es, Bäume zu beseitigen, die in dieser so genannten Rückschnittszone heranwachsen. In Zukunft, so sehen es die neuen Pläne der Bahn vor, sollen auch hinter der Sechs-Meter-Zone wacklige Bäume verschwinden. Soweit die Theorie.

Jede Baumfällung muss genehmigt werden

In der Praxis kommt es dabei allerdings sehr oft zu Problemen, sagte eine Bahnsprecherin MDR Aktuell. Denn das Unternehmen müsse sich für jeden Baum, denn es beseitigen will, eine Genehmigung der örtlichen Umweltbehörden einholen.

Hinzu komme: Sollte der Baum auch noch auf einem fremden Grundstück stehen, müsse sich die Bahn mit dem Eigentümer einig werden.

Eine unmögliche Situation, findet Matthias Gastel von den Grünen. Die Sicherheit an Straßen sei anders geregelt als an Bahnlinien. Das bedeute, dass die Baulastträger von Straßen Bäume, die ein Sicherheitsrisiko darstellen, fällen dürfen – unabhängig von der Eigentumsfrage. Bei der Bahn stelle sich das anders dar. Es müsse immer ein Antrag gestellt werden.

Als Politiker muss man sich dann fragen: Sind solche rechtlichen Regularien nachvollziehbar?

Matthias Gastel Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen

Reichen sechs Meter Abstand?

Gastel geht sogar noch einen Schritt weiter: Er fordert die so genannte Rückschnittzone noch zu vergrößern. Sechs Meter seien nicht genug. Dieser Meinung ist auch der Fahrgastverband Pro Bahn.

Unser Vorschlag ist eine v-förmige Lücke bei den Gleisen: Neben den Gleisen sollen Sträucher und Büsche wachsen – erst ab einer Entfernung von etwa acht Metern Bäume.

Karl-Peter Naumann Fahrgastverband Pro Bahn

Grüne fordern Konzept für Bepflanzung

Selbst Umweltschützer vom Bund für Umwelt und Naturschutz unterstützen den Vorschlag, denn in Sträuchern und Büschen an Waldesrändern könne sich eine große Artenvielfalt entwickeln, sagte ein BUND-Mitarbeiter aus Sachsen MDR Aktuell.

Die Grünen fordern nun von der Bahn, ein Zukunftskonzept zur Bepflanzung am Gleisrand vorzulegen, damit wacklige Bäume zuverlässig verschwinden können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Januar 2018 | 06:06 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2018, 10:23 Uhr

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2 Kommentare

23.01.2018 12:23 Bahnfahrer 2

Ein schönes Beispiel für die jahrelang vernachlässigte Infrastruktur ist der Abschnitt zwischen Tharandt und Klingenberg-Colmnitz der zuletzt tagelang wegen umgestürzter Bäume und beschädigter Oberleitungen gesperrt bzw. nur eingleisig befahrbar war. Hier stehen 30m hohe Fichten teilweise bis an die Fahrleitungsmasten heran und der nächste Sturm (und damit wieder eine tagelange Sperrung des Abschnittes) kommt bestimmt. Einfach nur noch ein Trauerspiel, man wird als Pendler bei diesen Verhältnissen regelrecht ins Auto gezwungen. Zufall oder Absicht?

23.01.2018 10:26 Thomas 1

Die Bildunterschrift ist wieder ein Beispiel für erstklassig recherchierten Journalismus! Erstens wurde nicht der "Fahrplan" eingestellt, sondern der Betrieb. Zweitens wurde er nun teilweise oder komplett eingestellt? Meines Wissens stellte lediglich der Fernverkehr seinen Betrieb komplett ein und ansonsten geschah das zwangsläufig auf den Strecken, auf denen durch die Schäden nicht mehr gefahren werden konnte. DB Regio und DB Cargo sind je nach Region noch gefahren, wenn auch später und mit Ausfällen. Die Situation der privaten EVU wurde in den Medien nicht sonderlich betrachtet.

Fakt ist neben der müßigen Diskussion um Abstände und Schnittformen, dass es bei den Vorgängern der DB AG sogar noch Brandschutzstreifen entlang der Strecken gab und da Bäume noch weiter weg standen als jetzt.