Ein ICE der Bahn verlässt in Köln den Hauptbahnhof.
Dieser ICE ist nicht ausgefallen. Bildrechte: Dehli News

Fehlendes Personal Zugausfälle: Bahn sucht neue Mitarbeiter

Im ersten Quartel 2019 sind rund 900 Fernverkehrsfahrten ausgefallen. Ähnliche Zahlen wie im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund für die Ausfälle ist dem Fahrgastverband "Pro Bahn" zufolge der Personalmangel. Deswegen will die Bahn demnächst 22.000 neue Mitarbeiter einstellen.

von Birgit Raddatz, MDR AKTUELL

Ein ICE der Bahn verlässt in Köln den Hauptbahnhof.
Dieser ICE ist nicht ausgefallen. Bildrechte: Dehli News

300.000 ICE- und IC-Fahrten hat es 2018 gegeben. 3.500 davon sind ausgefallen. Das relativiere, dass im ersten Quartal 2019 fast 900 ICE und IC ausgefallen seien, heißt es vonseiten der Bahn. Man erwarte, dass die Jahresquote der Ausfälle wieder bei rund einem Prozent liegen werde, so wie im vergangenen Jahr.

FDP will Anzahl betroffener Bahnkunden erfahren

Das sieht Torsten Herbst, FDP-Bundestagsabgeordneter für Sachsen, anders. 900 ausgefallene Züge in einem Quartal seien trotzdem ein Ärgernis, denn in jedem Zug säßen mehrere hundert Reisende. "Und man sieht das ja auch bei der Kundenzufriedenheit, dass ausgefallene Züge und Verspätungen bei den Mängeln, die die Kunden reklamieren, an erster Stelle stehen", erklärt Herbst.

Ihn ärgert, dass die Ausfälle nicht in die offizielle Verspätungsstatistik der Bahn miteinfließen:

Torsten Herbst
Torsten Herbst (FDP) Bildrechte: dpa

Ich finde, wir brauchen absolute Transparenz. Für mich ist auch entscheidend, wie viele Reisende betroffen sind. Denn es macht ja einen Unterschied, ob ein Zug, der mit 50 Leuten besetzt ist, nicht ankommt oder ob es ein ICE ist, in dem 600 Leute sitzen.

Torsten Herbst FDP-Fraktion im Bundestag

Deshalb sieht der FDP-Abgeordnete das Problem der Ausfälle auch eher im Fern- als im Nahverkehr.

Bahn: Zahl der Ausfälle konstant

Die Bahn argumentiert, die Zahl gestrichener Züge sei konstant, es gebe keine Häufung von Komplettausfällen. Im vergangenen Jahr fielen rund ein Prozent der Fernverkehrszüge aus. Im Regionalverkehr waren es 1,8 Prozent. Diese Zahlen schwanken mitunter, gehen aber auch nicht signifikant zurück.

Personalmangel ist Hauptgrund für Ausfälle

Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich, aber eines zeichnet sich laut dem Sprecher des Fahrgastverbands "Pro-Bahn", Karl-Peter Naumann in den letzten Jahren ab:

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband "Pro Bahn"
Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband "Pro Bahn" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Hauptgrund ist ein Lokführermangel, den wir in der gesamten Republik haben, aber auch verstärkt in Mitteldeutschland beobachten. Es kommt auch vor, dass Fahrzeuge einen technischen Defekt erleiden - das können wir als Fahrgäste noch eher verstehen. Aber dass man nicht genügend Personal hat, dürfte eigentlich nicht vorkommen.

Karl-Peter Naumann Fahrgastverband "Pro Bahn"

Bahn sucht 22.000 neue Mitarbeiter

Weil es aber doch immer wieder vorkommt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Überstunden einen Freizeitausgleich nehmen, die Bahnbelegschaft älter als der Bundesdurchschnitt ist und viele in Rente gehen oder der Bahn die Lokführer und Fahrdienstleiter fehlen, will die Bahn 22.000 neue Mitarbeiter einstellen.

Wie viele davon schon eingestellt wurden, will die FDP in einer erneuten Kleinen Anfrage von der Bundesregierung wissen. Die Anfrage muss noch beantwortet werden. Und es wird wohl auch nicht die letzte Anfrage zum Thema Bahnverkehr bleiben. Denn Torsten herbst fällt lediglich ein triftiger Grund für Zugausfälle ein: Schnee und Eis.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juni 2019 | 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

25.06.2019 10:10 Ureinwohner 3

Zugausfälle: Bahn sucht neue Mitarbeiter.Sicherlich auch sachkundiges Leitungspersonal. Es gab sogar schon mal Zeiten, da war der Chef der DR selbst ein Eisenbahner.
Da hat dann aber auch alles geklappt.

25.06.2019 09:14 Auefan 2

Immer wieder beeindruckend unser Land. Wir brauchen mehr Gender Studierende die dann alle Fragen unserer Zeit lösen. Vorschlag ... eine Arbeitsgruppe von 20 Personen die sich zwei Jahre damit beschäftigt wie man eine divers Zugführer*in gewinnt. Beim Maut Projekt sollen Arbeitskräfte frei werden ... sorry, meine Vorschlag ist womöglich zu konstruktiv. Wobei ca. 1,8% Ausfälle ... imo im Rahmen.

25.06.2019 08:32 Pattel 1

Bei dieser Verkehrpolitik und der eklatanten miesen Peronalplanung musste es so kommen,mehr gibt es nicht dazu zusagen.

Ein ehemaliger Deutsche Reichsbahn Mitarbeiter später Mitarbeiter DBAG.sagt euch das