Zurich Versicherung Keine volle Erstattung der Anzahlung von Thomas-Cook-Kunden

Pauschalurlauber der zur deutschen Thomas Cook gehörenden Anbieter Neckermann, Öger Tours und Bucher Reise erhalten bereits gezahltes Geld für geplante Reisen wohl nicht voll zurück. Der Versicherung Zurich zufolge reicht die Gesamtversicherungssumme von 110 Millionen Euro nicht aus.

Neckermann-Mitarbeiterinnen stehen neben dem Büro von Condor und Thomas Cook im Flughafen Palma de Mallorca.
Neckermann-Mitarbeiterinnen in einem Büro im Flughafen Palma de Mallorca. Bildrechte: dpa

Pauschalurlauber der deutschen Thomas Cook können bei einer im Oktober geplanten Reise nicht mit voller Erstattung ihrer Anzahlung rechnen. Wie der Versicherer Zurich mitteilte, reicht die Gesamtversicherungssumme von 110 Millionen Euro nicht zur Begleichung aller Verbindlichkeiten aus. Einem Zurich-Sprecher zufolge ist die genaue Schadenssumme aber noch unklar und damit die Erstattungsquote.

Der insolvente Veranstalter Thomas Cook hatte alle Reisen bis 31. Oktober abgesagt, auch wenn sie schon angezahlt oder voll bezahlt waren. Zur Zahl der betroffenen Kunden wurden keine Angaben gemacht.

Nach Versicherungsangaben müssen zunächst Hotelrechnungen und Rückflüge für jene Pauschalurlauber bezahlt werden, die beim Insolvenzantrag schon unterwegs waren. Von den 140.000 betroffenen Urlaubern seien bis Montagabend alle bis auf 17.000 in die Heimat zurückgebracht worden. Bis Anfang kommender Woche solle die Rückholaktion weitgehend abgeschlossen sein.

Hunderttausende Reisen unklar

Ob Kunden, die ab dem 1. November gebucht haben, Geld verlieren, hängt davon ab, ob die Reisen durchgeführt werden - möglicherweise auch von einem anderen Veranstalter. Für den Zeitraum bis September 2020 hatten früheren Angaben zufolge etwa 660.000 Urlauber eine Reise bei dem Unternehmen gebucht.

DER Touristik will nur Condor retten

Unterdessen zeigt der Reisekonzern DER Touristik wenig Interesse an einer Übernahme der deutschen Thomas Cook. Zentraleuropa-Chef Ingo Burmester sagte: "Wir haben ein sehr gut aufgestelltes Portfolio an Marken und Produkten." Nur Volumen zu gewinnen, mache wenig Sinn.

Zugleich hat DER Touristik großes Interesse, dass der ebenfalls zum insolventen britischen Reisekonzern Thomas Cook gehörende Ferienflieger Condor weiter in der Luft bleibt. Burmester zufolge ist eine Komplettübernahme von Condor durch DER Touristik unwahrscheinlich, aber eine anteilige Beteiligung sei vorstellbar. Eigentlich wolle man eine "eigenständige, dauerhaft erfolgreiche Airline".

Condor ist sehr verlässlich und gerade im Moment bei Kunden sehr beliebt. Wir stellen aktuell steigende Buchungen für Sommer und Winter auf Condor-Flügen fest.

Europachef von DER Touristik, Ingo Burmester

Airline fliegt weiter

Condor ist ein Partner verschiedener Reiseveranstalter. Die Airline fliegt derzeit planmäßig. Sie hat im Gegensatz zu dem Reiseveranstalter keinen Insolvenzantrag gestellt, sondern ist in einem Schutzschirmverfahren. Damit soll verhindert werden, dass Geld an den insolventen britischen Mutterkonzern abfließt.

Die deutsche Thomas Cook, zu der unter anderem Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen gehören, war in den Sog der Pleite der britischen Mutter geraten. Neue Reisen werden vorerst nicht mehr verkauft.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Oktober 2019 | 13:30 Uhr

8 Kommentare

ElBuffo vor 39 Wochen

Ähm, es geht hier ausschließlich um den Schaden der deutschen Kunden von Thomas Cook. Die deutsche Regierung soll doch jetzt nicht auch noch für alle anderen Kunden haften? Und dann auch noch dafür, was Thomas Cook mit deren Geld gemacht hat?
Was sollte man den Hotels empfehlen? Nur noch direkt mit den Kunden Verträge abschließen? Und wenn dann jemand sein Hotel in Griechenland nicht bezahlt, dann ist der deutsche Staat in der Haftung? Das ist doch Unfug, wenn man mal ganz kurz ein kleines bißchen weiter denkt.
Dass Geschäftspartner pleite gehen, ist nun weiß Gott keine Seltenheit, sondern zählt zum allgemeinen (geschäfts)Risiko. Einfach mal von der eigenen Betroffenheit wegkommen und das Ganze nüchtern betrachten.

ElBuffo vor 39 Wochen

Darüber kann man gerne diskutieren. Es gibt eben nicht für alles eine Vollkaskoversicherung. Kann man haben wollen. Muss dann aber auch jemand bezahlen. Das würden dann hoffentlich die Kunden sein und nicht etwa in Form einer Zwangsabgabe alá Rundfunkbeitrag erfolgen nach dem Motto: Sie könnten ja in den Urlaub fahren, also zahlen sie.
Nee, dass ist kein Risiko, welches den einzelnen ruinieren kann. Aber es steht jedem frei sich auch dagegen zu versichern. genau wie man sich gegen runtergefallenes Handy oder Kofferdiebstahl versichern kann, das aber keine Zwnagsversicherungen mit Vollkasko sind. Warum also keine Zwangsvollkasko für Handys?
Und erst recht ist die deutsche Regierung nicht für Unternehmer im Ausland zuständig. Da wäre ja das Geld nicht morgen, sondern schon vorgestern alle.

Ralf Richter vor 39 Wochen

Um die Absicherung des "allgemeinen Lebensrisikos", wie Sie es nennen, geht es doch nicht.
Aber für Sie gern nochmal:
Zwischen der gesetzlich vorgeschriebenen Insolvenzausfallversicherung (gedeckelt auf 110 Mio. €) und dem erwarteten tatsächlichen Schadensbetrag wird eine Differenz (Fehlbetrag) zu erwarten sein. Die Deckelung auf vorgenannte Summe wurde bereits in der Vergangenheitdurch Fachverbände gegenüber der Bundesregierung kritisch angemerkt und Initiativen zur Beseitung dieses Mißstandes von dieser verlangt. Leider bislang ohne Ergebnis. Jetzt da der Fall der Fälle eingekehrt ist, fragte ich hier nach Positionierung der Bundesregierung zu dieser Causa vergleichend zur damaligen (eigentlich immer noch andauernden) "Bankenrettung", die unzig Mio. an Steuergeldnern kostete/kostet.