Trotz hoher Rücklagen Krankenkassen planen keine Beitragssenkungen

Die gesetzlichen Krankenkassen in Mitteldeutschland planen trotz hoher Überschüsse und Rücklagen keine weiteren Beitragssenkungen. Das ergab eine Umfrage von MDR AKTUELL. Die Kassen verweisen auf steigend Ausgaben und zusätzliche Leistungen. In der Vergangenheit haben einige Kassen ihre Beiträge bereits gesenkt.

von Johannes Angermann und Alexander Laboda, MDR AKTUELL

Gesetzlich Krankenversicherte in Mitteldeutschland können vorerst nicht mit weiteren finanziellen Entlastungen rechnen. Trotz hoher Überschüsse und Rücklagen in Milliardenhöhe planen die Kassen keine Beitragssenkungen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von MDR AKTUELL unter den großen Versicherern in Mitteldeutschland.

Mehrausgaben erwartet

Die Kassen begründen ihre Zurückhaltung mit steigenden Ausgaben. Die AOK Plus teilte MDR AKTUELL mit, sie rechne in den nächsten Monaten und Jahren mit erheblichen Mehrausgaben. Diese seien eine Folge der von der Bundesregierung beschlossenen oder geplanten Maßnahmen - etwa die höhere Vergütung für das Pflegepersonal oder die erweiterten Sprechzeiten von Ärzten.

Das Finanzpolster will die AOK Plus nach eigenen Angaben dafür verwenden, um den aktuellen Beitragssatz möglichst lange halten zu können. Die AOK Plus hat in Sachsen und Thüringen insgesamt 3,3 Millionen Versicherte.

Die AOK Sachsen-Anhalt rechnet bis 2022 mit Mehrausgaben von 276 Millionen Euro. Die tatsächlichen Auswirkungen der verabschiedeten Gesetze würden allerdings "erst nach und nach sichtbar". Auch die AOK Sachsen-Anhalt gibt an, ihre Rücklagen dazu zu verwenden, ihren aktuellen Beitragssatz "möglichst lange stabil zu halten".

Zusatzbeiträge teilweise abgesenkt

Einige Kassen erklärten zudem, sie hätten ihre Zusatzbeiträge bereits gesenkt. Die TK teilte mit, der Betrag sei zum Jahresbeginn um 0,2 Prozentpunkt auf 0,7 Prozent gesunken. Bei der IKK Classic steht eine Senkung um 0,2 Punkte zum 1. Mai 2019 bevor. Ihr Zusatzbeitrag liegt dann bei 1,0 Prozent. Die Senkung war aber schon im vergangenen Jahr angekündigt worden, bevor die Bilanz für 2018 vorlag.

Die AOK Plus und AOK Sachsen-Anhalt erklärten, ihre Zusatzbeiträge seien ohnehin niedriger als der Durchschnitt. Bei der AOK Plus sind es 0,6 Prozent, bei der AOK Sachsen-Anhalt 0,3 Prozent.

Zusatzbeiträge der angefragten Kassen
Krankenkasse Zusatzbeitrag
AOK Plus 0,6
AOK Sachsen-Anhalt 0,3
Barmer 1,1
DAK 1,5
IKK Classic 1,0
Techniker 0,7


Zwei Kassen versprachen, noch in diesem Jahr eine Beitragssenkung zu prüfen. Der Verwaltungsrat der AOK Sachsen-Anhalt will sich voraussichtlich im Sommer mit dem Thema befassen. Die TK will Ende 2019 über die Höhe des Beitragssatzes ab 2020 entscheiden.

Hunderte Euro Rücklagen pro Versichertem

Das Bundesgesundheitsministerium hatte vergangene Woche gemeldet, dass die gesetzlichen Krankenkassen 2018 erneut hohe Überschüsse erzielt hatten. Insgesamt nahmen die Kassen zwei Milliarden Euro mehr ein, als sie ausgaben. Die Rücklagen der Krankenkassen stiegen damit auf insgesamt rund 21 Milliarden Euro.

Auch die von MDR AKTUELL angefragten Kassen machten im vergangenen Jahr allesamt Gewinn und stockten ihre Reserven weiter auf. Den höchsten Überschuss erzielte mit 452 Millionen Euro die bundesweit tätige TK. Den niedrigsten Erlös nannte die Barmer Ersatzkasse mit sechs Millionen Euro. Es handelt sich um vorläufige Ergebnisse.

Die Finanzreserven der Kassen machen mehrere Hundert Euro je Versichertem aus. Die AOK Plus beispielsweise verfügt über eine Rücklage von 487 Euro pro Versichertem. Das entspricht 1,5 Monatsausgaben. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestreserve von 0,25 Monatsausgaben.

Krankenkasse Überschuss 2018 (vorläufige Ergebnisse) Betriebsmittel und Rücklagen je Versicherten
AOK Plus 97 Millionen Euro 487 Euro
AOK Sachsen-Anhalt 38 Millionen 1.130 Euro
Barmer 6 Millionen Euro 133 Euro (Ende 2017)
DAK 40,5 Millionen Euro 107 Euro
IKK Classic 65 Millionen Euro 325 Euro
Techniker 452 Millionen Euro 340 Euro (Ende  2017)

Investitionen in digitale Angebote

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert die Kassen immer wieder auf, die Beitragszahler an der guten wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben zu lassen. Erst vergangene Woche sagte der CDU-Politiker, Beitragsgelder seien keine Sparanlagen. Sie seien dafür da, die Versorgung besser zu machen.

Alle von MDR AKTUELL befragten Kassen versichern, ihr Angebot erweitert und die Versorgung der Patienten verbessert zu haben. Ein Schwerpunkt ist der Ausbau digitaler Angebote. Die TK etwa verweist auf ihre elektronische Gesundheitsakte "TK Safe" und eine App, die mittels künstlicher Intelligenz Symptome deutet und den Patienten im Anschluss mit dem passenden Facharzt verbindet. Die Barmer erklärte, sie biete als erste Krankenkasse eine App an, die an Zahnarzt-Vorsorgetermine erinnere und Besuche digital erfasse. Das mache das alte Bonusheft überflüssig. Die IKK Classic wirbt für sich mit der elektronischen Gesundheitsakte "Vivy" sowie mit digitalen Ernährungs- und Diätprogrammen.

Darüber hinaus verweisen die Kassen auf die Förderung ergänzender Vorsorgeuntersuchungen und Prophylaxe-Behandlungen sowie zusätzlicher Impfungen. Einzelne Kassen gewährend zudem Zuschüsse für Osteopathie-Behandlungen oder homöopathische Arzneimittel.

Reservenabbau gesetzlich vorgeschrieben

Fest steht, dass die gesetzlichen Krankenkassen einen Teil ihrer finanziellen Reserven in den kommenden Jahren abbauen müssen. Laut Versichertenentlastungsgesetz darf die Finanzreserve künftig den Umfang einer Monatsausgabe nicht überschreiten. Kassen, die dagegen verstoßen, dürfen keinen Zusatzbeitrag mehr erheben. Überschüssige Beitragseinnahmen müssen die Kassen ab 2020 binnen drei Jahren abbauen – entweder durch zusätzliche Ausgaben oder finanzielle Entlastungen der Beitragszahler.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. März 2019 | 07:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 10:30 Uhr

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15 Kommentare

14.03.2019 16:49 Mane 15

Spahn hat doch keine Ahnung.Woher auch ?Haben doch Ihre Berater,die,alles schreiben!

13.03.2019 21:11 Peter 14

@12: Machen wir wieder mal Stimmung mit falschen Infos?
Tatsache ist
1. Bisher hat jede Krankenkasse die Mindesthöhe der Rücklage in ihrer Satzung selbst festgelegt. Gesetzlich vorgeschrieben ist lediglich die Mindestrücklage.
2. Die Bundesregierung hat dies nunmehr geändert. Ab 2020 gilt das im Beitrag beschriebene neue Gesetz, welches den Ermessensspielräume der Krankenkassen bei Beitragssenkungen strikter regelt.
Also, mein Lieber, im Moment handeln die Kassen durchaus gesetzeskonform. Ihr Hinweis auf vermeindlichen Rechtsbruch ist da doch eher alternative Stimmungsmache. Meinen Sie nicht auch?

13.03.2019 20:47 Peter 13

@11: Tja Rentner, der Unterschied zwischen Krankenkasse und Pflegeversicherung ist Ihnen schon bekannt.
Und noch was: Ein Mensch in Ihrem Alter kann nicht ausschließen, in Bälde pflegebedürftig zu sein. Die Beitragserhöhung soll der zunehmenden Anzahl der Pflegebedürftigen Rechnung tragen. Sie soll aber auch die Leistungen der Pflegenden honorieren. All das dürfte wohl im Interesse eines betagten Rentners sein. Und Sie sollten bitte bedenken, dass die Masse der Beiträge von Menschen gezahlt werden, welche noch ganz weit weg von der Pflegebedürftigkeit sind.

13.03.2019 20:20 Wo geht es hin? 12

Die Beitragssenkung ist zwar vom Gesetzgeber zwingend vorgeschrieben - aber wen interessieren in diesem Land hier eigentlich noch Gesetze? Aber wehe, du zahlst deinen Strafzettel wegen einer Parksünde nicht...

13.03.2019 17:00 Fragender Rentner 11

@Peter zu 5

Du schreibst etwas von entlastung, die uns wohl wieviel gebracht hat?

Ja bei mir war die Entlastung und die Belastung super, es waren ca. 0,70 Cent pro Monat mehr. :-(((

13.03.2019 15:41 Ossi 65 10

Die Krankenkassen sollten in Anbetracht der großen Gewinne mal darüber Nachdenken diese blöden grünen Rezepte zum selber Zahlen Abzuschaffen, denn jedes 2. Rezept was ich bekomme ist so ein Grünes. Trotz Zuzahlungsbefreiung für Chronisch Kranke, habe ich oft im Monat zusätzliche Kosten für Medikamente in Höhe von 30-50 Euro, Geld was mir niemand Ersetzt, und das ist schon Hart als Hartz 4 Empfänger, denn das Geld fehlt ja woanders.

13.03.2019 13:46 Sr.Raul 9

Da könnte man ja einst zum Standard gehörende Vorsorgeuntersuchungen wieder ohne Zuzahlung in das Programm aufnehmen. So'n Mist, Wecker klingelt und nach guter kapitalistischer Manier werden Gewinne freilich privatisiert und Verluste sozialisiert. Währe ja wohl auch noch schöner, wenn nicht.

13.03.2019 12:47 pkeszler 8

@Pfingstrose: "Bei diesen vielen Mitessern die seit 2015 noch dazu gekommen sind und bis jetzt nichts in die Kassen eingezahlt haben , ist doch klar das keine Senkung der zusatzbeträge erfolgt"
Sie meinen bestimmt die Migranten? Aber Sie scheuen sich, das an der richtigen Stelle zu schreiben.
Schreiben Sie doch lieber mal, was Sie konkret von ihrer Krankenkasse bekommen und was nicht.

13.03.2019 10:54 Mane 7

2bis3 stimmt vollkommen.Hatte einen Artikel geschrieben wurde gestrichen.Mir braucht dieser Staat nichts sagen.Alles fürs Ausland und Ausländer.Dafür steht die Regierung.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
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Ihre MDR.de-Redaktion]

13.03.2019 10:51 Fragender Rentner 6

Warum sollen die Versicherten wohl eine Beitragssenkung bekommen, die dürfen sich lieber über bessere Zuzahlungen bei den Medikamenten freuen.