LKW im Geiseltal
Einer von vielen Zementlastern, die täglich durch das Geiseltal rollen. Bildrechte: MDR/Ronny Arnold

Zementwerk Karsdorf Warum rollen so viele Zementlaster durch das Geiseltal?

Unsere Straßen sind voller Lkws, weil immer mehr Produkte transportiert werden müssen. Supermärkte, Autohäuser, Baustoffhändler – alle wollen schnell und günstig beliefert werden. Doch vieles könne man doch auch auf der Schiene transportieren, um Straßen und vor allem Anwohner zu entlasten, findet unser Hörer Andreas Tomisch aus Mücheln im Geiseltal. Er fragt sich, warum für das nahegelegene Zementwerk in Karsdorf trotzdem der Lkw-Verkehr genutzt wird.

von Ronny Arnold, MDR AKTUELL

LKW im Geiseltal
Einer von vielen Zementlastern, die täglich durch das Geiseltal rollen. Bildrechte: MDR/Ronny Arnold

"Warum darf sich der Lkw-Verkehr für das Zementwerk Karsdorf durch das Geiseltal wälzen?", fragt Hörer Andreas Tomisch. "Obwohl Ausbaustrecken vorhanden sind, die allerdings bemautet sind, und ein Güterbahnhof im Zementwerk vorhanden ist, der allerdings seit über 15 Jahren nicht mehr genutzt wird. Wieso ist das möglich?"

300 Lkw am Tag

Im Tagebau Karsdorf bei Querfurt wird seit Jahrzehnten Zement abgebaut. Das Werk am Ortsrand der 1.500-Seelen-Gemeinde zählt zu den größten Anlagen in Mitteleuropa. Etwa 300 Lkws rollen hier täglich Tag und Nacht vom Hof, die meisten Richtung A38.

Unser Besuch im Geiseltal zeigt: Einige Lkws nutzen dabei tatsächlich die kleineren Landstraßen direkt durch Mücheln, obwohl es ausgebaute Bundesstraßen außerhalb der Ortschaften gibt. Alles rechtens, heißt es auf Nachfrage von MDR AKTUELL schriftlich aus dem Verkehrsministerium Sachsen-Anhalt:

Zementwerk Karsdorf
Das Zementwerk in Karsdorf. Bildrechte: MDR/Ronny Arnold

"Eine Rechtsgrundlage, um mit einem Lkw-Verkehrsverbot in den fließenden Verkehr einzugreifen, besteht hier nicht. Gründe der Sicherheit und Ordnung, zur Verhütung außerordentlicher Schäden an der Straße, zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm und Abgasen oder eine besondere Gefahrenlage liegen hier nicht vor." Weiter heißt es, dass die Verkehrsbelastung im Geiseltal seit über zehn Jahren sogar rückläufig sei. Der Schwerverkehrsanteil liege mit etwa sechs Prozent unter dem für Landstraßen durchschnittlichen Wert von zehn Prozent.

Von der Straße auf die Schiene

Hörer Andreas Tomisch reicht das nicht aus – der gesamte Güterverkehr müsse endlich konsequent auf die Schiene verlagert werden. Durchaus eine gute Idee, meint auch Berthold Perschall, der Leiter des Karsdorfer Zementwerks: "Wir sind interessiert daran, Frachten auf die Schiene zu bringen. Um den Weg gehen zu können, brauchen wir Investitionen in der nahen Infrastruktur, an der Gleisanlage, die unmittelbar am Werk vorbeiführt."

Man brauche den Willen der Kunden zu investieren, ergänzt Perschall, so dass die Endladepunkte auch bahnfähig seien. "Und wir brauchen zuletzt natürlich auch auf unserem Werksgelände Investitionen". Das alles kostet, interne Gespräche dazu liefen aber. Auch mit dem Verkehrsministerium sei sich über eine Förderung der Infrastruktur ausgetauscht worden. Mehr ist bis heute allerdings nicht passiert.

Hilft das Klima-Paket?

Hoffnung macht Werksleiter Perschall nun die Ankündigung der Bundesregierung, mit dem neuen Klimapaket Milliarden in den Schienenausbau stecken zu wollen. Eine Investition in die Zukunft, die den Lkw-Verkehr zumindest in ein paar Jahren reduzieren könnte. Und aktuell? Sieht der Werksleiter kaum Möglichkeiten, Einfluss auf die Fahrtstrecke des Kunden zu nehmen: "Der entscheidet selbstständig, welche Routen er nimmt."

Der Kunde versuche natürlich, auf dem kürzesten Weg das Produkt zum Endabnehmer zu bringen – und auf dem kostengünstigsten, eben bestenfalls ohne Mautgebühren, fügt Perschall an. Das Werk selbst hat keine Lkw-Flotte.

Bürgermeister präferiert die Schiene

Perspektivisch müsse mehr Zement auf die Schiene, sagt auch Olaf Schumann, der Bürgermeister von Karsdorf. "25 Prozent gehen immer noch durch den Ort durch und für uns als Gemeinde wäre es wünschenswert, wenn die Möglichkeit bestünde, einen Teil von der Straße auf die Schiene zu verlegen."

Schumann zufolge wäre das nicht nur eine sinnvolle Entlastung für den Straßenverkehr und die Bürger, sondern auch für das Klima. Bis es so weit ist, werden aber wohl noch einige Zementlaster durch das Geiseltal gerollt sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 05:00 Uhr

4 Kommentare

Schimmi vor 1 Wochen

Das kommt mir bekannt vor. Wir haben am Stadtrand von Berlin auch ein Zementwerk. Aber nicht nur das, auch Müllumladestation und Müllverbrennung. Der technische Leiter sagte mal, dass das Umladen von der vorhandenen Schiene zur Verbrennung zu aufwendig sei.
Demnächst soll auch noch eine Deponie dazukommen, damit ist weiterer Schwerlastverkehr auf Bundes- und Landesstraßen vorprogrammiert, auch am Wochenende. Die Verkehrswende sieht anders aus.

kennemich vor 1 Wochen

In das Werk wurden wir auch mal für ein oder mehrere Tgae zum arbeiten geschickt, oh war das ein Zementstaub/Dreck damals.

Ob das heute noch so ist?

kennemich vor 1 Wochen

Wenn das natürlich so stimmen könnte, da ist wohl was für die Unternehmen größer?

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