Menschen schauen durch ein Fenster
Der Generation Z ist Arbeit auch wichtig. Doch nicht mehr an erster Stelle. Freunde und Freizeit zählen mehr. Bildrechte: imago images / Westend61

Millennials Arbeit wird immer weniger wichtig

Studien bestätigen regelmäßig: Die Leidenschaft der 18- bis 37-Jährigen gilt weniger dem Arbeitsplatz als ihrer Freizeit, ihrer Familie und ihren Freunden. Das hat auch Auswirkungen auf die mitteldeutsche Arbeitswelt.

von André Seifert, MDR AKTUELL

Menschen schauen durch ein Fenster
Der Generation Z ist Arbeit auch wichtig. Doch nicht mehr an erster Stelle. Freunde und Freizeit zählen mehr. Bildrechte: imago images / Westend61

Stellen Sie sich vor, die Chefin oder der Chef ruft Sie an und bittet Sie um ein paar Überstunden am Wochenende. Was machen Sie? Stürzen Sie sich mit Elan in die Arbeit? Eine neue Studie des dänischen Peakon-Institus zeigt, dass Ihre Antwort auch von Ihrem Alter abhängt. Die Studie hat 18- bis 37-Jahre alte Arbeitnehmer befragt. Das Fazit: Je jünger der Arbeitnehmer, desto weniger Motivation steckt in ihm.

Junge wollen weniger arbeiten

Diese Veränderung in der Arbeitswelt hat auch Mitteldeutschland längst erreicht, sagt Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig. "Da müssen sich unsere Arbeitgeber drauf einstellen." Die sich verändernde Einstellung zum Beruf werde die Arbeitswelt über längere Zeit verändern.

Andere Erhebungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Junge Berufstätige lassen sich pro Jahr doppelt so oft krankschreiben wie alte, zeigen Zahlen der Barmer Sachsen. Die Wunscharbeitszeit junger Arbeitnehmer sinkt seit Jahren: Frauen bis 25 wollen am liebsten nur noch 28 Stunden pro Woche arbeiten, Männer nur noch 34 Stunden, hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung herausgefunden.

Andere Prioritätensetzung

Sind die Jungen faul? Nein, sagt der Arbeits- und Generationenforscher Christian Scholz. Er spricht vor allem bei den seit 1995 Geborenen von einer Generation, die andere Prioritäten setze – der Generation Z. Bei ihnen sei schon die Herangehensweise anders.

Sie hätten den Stress und die unerfüllten Berufswünsche in dem Arbeitsleben älterer Generationen mitbekommen, so Scholz. "Und deswegen gehen die in eine Logik, die sagt, es gibt Beruf und es gibt Privat und versuchen das klar voneinander zu trennen." Doch auch die etwas älteren bis 37-Jährigen würden den Job anders angehen: Sie würden sich häufiger für unfair entlohnt halten und sähen weniger Sinn in ihrer Arbeit, zeigte die dänische Peakon-Studie.

Herausforderung für die Arbeitswelt

Das stelle die Arbeitgeber vor neue Herausforderungen, erklärt Hofmann - und habe bereits konkrete Auswirkungen, zum Beispiel auf die Arbeitszeit. Arbeitgeber müssten jüngeren Menschen also mehr Angebote machen. "Darauf müssen wir uns angesichts der Demografie und des Fachkräftemangels einstellen. Und das ist eine schwierige Aufgabe", so Hofmann.

Doch geht die Einstellung der jüngeren Arbeitnehmer nicht auf Kosten der älteren, weil die dann mehr arbeiten müssen? Arbeitsforscher Christian Scholz meint, die Alten könnten durchaus von den Jungen lernen. Denn wer dem Chef oder der Chefin "Nein" sage und am Wochenende keine Überstunden mache, der komme am Montag auch ausgeruht und entspannt auf Arbeit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2019, 05:08 Uhr

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48 Kommentare

13.06.2019 11:19 Ludwig 48

Na das wird ja spannend werden mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Steht zu befürchten, dass bei der beschriebenen Arbeitseinstellung der jungen Generation die Investoren zukünftig eher einen großen Bogen um Deutschland machen werden, solange in anderen Teilen der Welt die Menschen damit werben, wie fleißig, gebildet und hochmotiviert sie für die Arbeit sind. Da werden diese arbeitswilligeren Menschen dann auch stärker ihre Beteiligung an den geschaffenen Werten einfordern. Für die Generation in Deutschland bleibt dann halt weniger übrig im Verteilungskampf. Manche werden erben von den von ihnen verhöhnten Alten. Andere, die kein wohlhabendes Elternhaus haben, werden halt bescheidener leben müssen.

13.06.2019 08:22 Chris 47

Ein weiteres Beispiel dafür, dass der seit der Kaiserzeit eingetrichterte und betriebene vorauseilende Gehorsam sein Ende findet... Bravo... genießt das Leben!!!

12.06.2019 22:38 Howard 46

Zum einen bewundere ich die Gelassenheit meiner jungen Angestellten, zum anderen macht es mich manchmal rasend. Dennoch denke ich, dass ein bewusster Umgang mit der begrenzten Lebenszeit uns weiter bringt. Leider gehöre ich zu einer Generation, denen die Arbeit zum Lebensinhalt geworden ist. Meine Arbeit bzw. mein Unternehmen ist im Prinzip mein Hobby. Das dies zu einem vorzeitigen Ableben führen kann ist mir durchaus bewusst. Grundsätzlich sind meine jungen Angestellten aber flexibler in der Einteilung ihrer Arbeitszeit. Dies ist auch für mich als Arbeitgeber ggf. Gewöhnungsbedürftig. Da gibt es auch mal nach 20.00Uhr Anrufe. Dafür erreiche ich aber vor 09.00Uhr selten die jungen Leute. Ihr Arbeitspensum schaffen aber die meisten. Schwarze Schafe gibt es natürlich auch bei uns.

12.06.2019 22:28 Baldur von Ascanien 45

Ein schönes Willkommen zurück in die Runde, lieber Peter.
Ich sehe sie beschäftigen sich jetzt auch mit anderen Themen jenseits der SPD? Und wie ich sehe haben sie auch schon eine neue Klientel ausgemacht, für die sie schreiten. Ein Freund der Jugend, ich finde das voll cool. Auch ein Begriff wurde sogleich von ihnen für Kritik eingeführt, bravo! Junge-Leute- Bashing.., toll! Der Rentner, welcher sich jahrzehntelang den Buckel krumm gemacht hat zu maßregeln, wow, sie haben es echt drauf.
Aber für diesen Satz "Die sorgen mittels ihrer Rentenbeiträge Monat für Monat dafür, dass Ihre Rente pünktlich überwie(S)[den] wird und Jahr für Jahr steigt."
werden sie sicher mehr als nur geschätzt werden. Schön das sie wieder da sind, auch wenn die SPD im Sinkflug der Geschichte ist.

12.06.2019 21:47 Peter 44

@42: Seit Greta und Rezo wissen wir, was alles möglich ist.
Also bitte, wiegen Sie sich mal nicht in Sicherheit. Die jungen Leute sind aufgewacht.

12.06.2019 21:18 K.Sacher 43

Herausforderungen Arbeitswelt?
Welche Herausforderungen? Die künftigen Arbeitneh-mer werden doch ganz sanft in ihr eigenes Aus gekickt. Um der künstlichen Intelligenz den Weg zu ebnen werden die schulischen Anforderungen ständig nach unten geschraubt, Motivation & eigene Anstrengungen sind für viele junge Menschen ein unerklärbares Fremdwort. Mit Recht? Wer braucht in Zukunft noch die Massen von Arbeitnehmern, die mit ihrer eigenen Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen und wer will die Arbeitslosen in Zukunft alimentieren? Die KI braucht keine soziale Absicherung.

12.06.2019 21:08 Auf der Sonnenseite des Lebens 42

@Peter 40

Stellen Sie sich bitte vor, ein jugendlicher Youtouber verliert die Geduld und ruft demnächst dazu auf, wegen des Junge-Leute-Bashings keine Rentenbeiträge mehr zu zahlen."

ist zwar ganz lustig was sie schreiben, aber beim Arbeitnehmer wird das gleich abgezogen und muss nicht bezahlt werden.

12.06.2019 20:58 Peter 41

@36: Noch was, mein lieber Rentner: Ich habe da auch einen Spruch: Die Kuh, die man melken will, sollte man nicht schlachten.

12.06.2019 20:47 Peter 40

@36 Rentner: Ich würde etwas höflicher mit den jungen Leuten umgehen.
Bitte bedenken Sie: Die sorgen mittels ihrer Rentenbeiträge Monat für Monat dafür, dass Ihre Rente pünktlich überwieden wird und Jahr für Jahr steigt.
Stellen Sie sich bitte vor, ein jugendlicher Youtouber verliert die Geduld und ruft demnächst dazu auf, wegen des Junge-Leute-Bashings keine Rentenbeiträge mehr zu zahlen.
Na ja, die Rentenversicherung hat noch eine Reserve von etwas mehr als einer Monatsausgabe.

12.06.2019 20:42 aus Sachsen und denkt 39

@Atze: Schämen nicht, aber mir ist es nicht recht, mit dieser Bezeichnung auf meine Funktion reduziert und also nicht durch meine Existenz wahrgenommen zu werden. Der Mensch an sich hat qua Existenz Würde und Wert und nicht erst durch seine Funktion. Sonst hätte ja jemand, der nicht arbeiten kann, z. B. aufgrund einer Behinderung oder weil er erst 2 Jahre alt ist, keine Würde und keinen Wert. Und das ist zum Glück als falsch erkannt worden.

Die Generation Z lässt sich nicht vom Kapital verheizen. Was nicht heißt, dass ihnen Arbeit keine Freude machen kann. Kein leicht zu handelndes Material für die Chefs. Ach, ich freu mich drüber.

@konstanze: mit genau so einer Begründung haben die Nazis massenweise Schulen plattgemacht. Können Sie in jeder Bibliothek in den damaligen Tageszeitungen nachlesen. Sie haben auch gerade gelabert (Ihre Wortwahl). Hätten Sie mal ein Brot in der Zeit gebacken ...