Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof: Verdi fordert Erhalt von Filialen

Jede zweite Filiale will die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof schließen, darunter auch Häuser in Mitteldeutschland. Grund dafür ist die wirtschaftliche Schieflage des Konzerns. Dagegen fordert die Gewerkschaft Verdi den Erhalt aller mitteldeutschen Filialen. Fachbereichsleiter Lauenroth-Mago sagte MDR AKTUELL, die sieben Häuser in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen funktionierten und machten alle ihr Geschäft. Nun gibt es wieder Verhandlungen.

Die Warenhäuser Galeria Kaufhof und Karstadt stehen in Trier direkt nebeneinander. Gut ein Drittel der Warenhäuser von Galeria Karstadt Kaufhof ist nach Einschätzung der Sanierer nicht zu retten.
Seit 2019 treten die Warenhäuser Galeria Kaufhof und Karstadt unter gemeinsamem Namen auf. Nun plant die Kaufhauskette im Zuge von Sparmaßnahmen, Filialen zu schließen. Bildrechte: dpa

In Mitteldeutschland betreibt der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof noch sieben Häuser: in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Erfurt, Magdeburg, Halle und Dessau. Fragt man Jörg Lauenroth-Mago von der Gewerkschaft Verdi, welches am ehesten schließen könnte, lautet seine Antwort: keins.

Die sieben Häuser, die es hier gibt, funktionieren alle. Die machen alle ihr Geschäft. Ich habe jetzt keinen Einblick in die interne Kostenstruktur von Karstadt Kaufhof. Aber wenn man sich die Häuser hier bei uns anguckt, da gibt es keins, wo ich sagen würde: Da ist doch klar, dass kann die nächsten Jahrzehnte nicht weiter betrieben werden.

Jörg Lauenroth-Mago | Gewerkschaft Verdi

Vereinbarte Bestandsgarantie im Pleitefall ungültig

Das Unternehmen sieht das wahrscheinlich anders. Bundesweit will es bis zu 80 Häuser schließen. Anfragen zu seinen mitteldeutschen Standorten lässt es unbeantwortet. Eigentlich hatten Gewerkschaft und Management erst im Dezember eine Bestandsgarantie für alle Häuser vereinbart. Die ist zwar noch gültig, doch im Pleitefall hilft sie nicht mehr. Und so wird um jede Filiale gerungen. Ein Warenhaus könne sich durchaus noch lohnen, sagt Erik Maier von der Handelshochschule Leipzig.

Maier erklärt: "Ich glaube, prinzipiell hat das große Kaufhaus schon eine Chance. Allerdings nur an Standorten, wo sehr viel Frequenz und sehr viel Umsatz ist." Einerseits könne man sich das denken in Richtung Luxuskaufhaus. Andererseits als normales Kaufhaus an Standorten, die besonders groß seien, wo einfach viel Frequenz zu erwarten sei.

Den Häusern in den Großstädten gibt Maier eine Chance. Wo weniger als 100.000 Einwohner leben, ist er skeptisch. Für Kaufhof-Filialen sieht er bessere Chancen als für Karstadt, weil diese schon einmal pleite waren. Und dann spiele noch eine Rolle, ob das jeweilige Gebäude dem Konzern auch selbst gehört. Ein Mietvertrag sei schnell gekündigt. Und das sehe man ja jetzt auch gerade, dass die Insolvenzverwalter nachverhandelten bezüglich der Miete. Wenn die sinke, dann könne auch mit weniger Umsatz eine Filiale profitabel betrieben werden.

Kundenmagnet für Innenstädte

Dass möglichst viele Häuser überleben, hoffen auch viele Stadtplaner. Denn so ein Warenhaus sei wie ein Magnet, sagt Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Man müsse davon ausgehen, dass diese großen Kaufhäuser mit ihrem breiten Angebot vom Kochtopf bis zum Schmuck viele Kunden in die Innenstädte zögen.

Portz sagt: "Und dieser Kunde geht dann, nachdem er beim Kaufhof eingekauft hat, auch nochmal in das benachbarte Fachgeschäft. Das heißt, hier droht, dass diese Kunden insgesamt ausbleiben, wenn es denn tatsächlich zu diesen Schließungen kommt."

Rund 30.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Der Poker um die Filialen dauert vermutlich noch bis Monatsende. Am Verhandlungstisch sitzen Management, Lieferanten, Banken, Vermieter und die Gewerkschaft. Verdi geht es vor allem um die 30.000 Arbeitsplätze.

Dass auch in Filialen mit Zukunft Personal entlassen werden soll, versteht Lauenroth-Mago nicht: "Ich finde, das ergibt keinen Sinn. Denn ich gehe zu Karstadt oder Kaufhof, weil ich mir dort eine gute Beratung verspreche von Verkäuferinnen, die Zeit für mich haben. Sonst könnte ich auch irgendwo im Discounter einkaufen oder ich könnte online bestellen."

Einen Onlineshop betreibt Galeria Karstadt Kaufhof auch. Die Nutzerzahlen sind aber vergleichsweise bescheiden. Sollte das Unternehmen nicht aus den roten Zahlen kommen, fordert Verdi notfalls Hilfen vom Staat.

Mann mit Brille und erhobenem Zeigefinger 3 min
Bildrechte: MDR/Kristin Kielon

MDR AKTUELL Mi 14.11.2018 19:28Uhr 03:15 min

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juni 2020 | 05:00 Uhr

7 Kommentare

Strafrechts-Profit-eur vor 14 Wochen

Es ist Art. 14 Abs. 3, nicht Absatz 2
Rentenansprüche die bereits erworben waren wurden den Leuten weggenommen:
- aus erfolgreich abgeschlossenen Hochschulbesuch
- aus Militärdienstzeit
- die Anpassung der Renten mit den Löhnen.
Nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Diese Renten werden nicht aus Bundeszuschüssen finanziert, sondern aus eigenen Leistungen. Ein Hochschulbesuch ist eine Leistung die der Student unentgeltlich für die Gesellschaft erbringt. Genauso der Militärdienst.

Bundeszuschüsse wurden nur eingeführt, weil man die Rentenbeiträge für neu rechtswidrig der Rentenkasse aufgebürdete Leistungen nicht zahlen wollte.
Faktisch werden diese neuen Leistungen wie die Mütterrente, die aus Steuermitteln hätte bezahlt werden müssen, aus dem Bestehlen der anderen Rentner, aus Rentenkürzungen bezahlt.

Dass diese Praktiken so glatt bis heute durchgehen, ist systematischer Rechtsbeugung zu verdanken. Auch einfachrechtlich sind diese Rentenkürzungen rechtswidrig.

MDR-Team vor 14 Wochen

Hallo,
bitte bleiben Sie bei derartigen Vorwürfen konkret, benennen Sie Beispiele oder Belege.
Im Artikel 14 Absatz (2) ist zu lesen "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."
Uns ist an dieser Stelle der Zusammenhang zwischen der Rente und Eigentum nicht klar. Die Rente stellt kein sachliches Eigentum dar, inwieweit wird mit Rentenkürzungen gegen dieses GG verstoßen?
Artikel 1 Absatz (3) sagt: "Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht."
Welche Gesetze verstoßen unmittelbar gegen geltendes Recht?
Im Artikel 19 Absatz (2) ist folgendes zu lesen: "In keinem Falle darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden."
Auch an dieser Stelle fragen wir uns, welche GG durch die Rentenverkürzungen angetastet und nicht eingehalten werden.

Außerdem weisen wir darauf hin, dass es in den letzten Jahren regelmäßig Rentenerhöhungen gegeben hat.
Liebe Grüße

Strafrechts-Profit-eur vor 14 Wochen

Diese Gewerkschaft Ver.di habe ich verlassen, weil sie die Rentenkürzungen seit 1996 mitgetragen hat, obwohl diese mindestens gegen Artikel 14 Abs. 2, Artikel 1 Abs. 3 und Art. 19 Abs. 2 des GG verstoßen und somit rechtswidrig sind.
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Diese Gewerkschaft hat somit ihren Beitrag geleistet, dass den Leuten das Geld fehlt, bei überteuerten Läden wie Kaufhof einkaufen zu gehen.
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Und jetzt spielen die wieder falsch, indem sie sich als Vertreter der Geschädigten inszenieren.
Der Erfolg ist voraussehbar: Die Leute werden teilweise entlassen und dere Rest darf für den halben Lohn noch an der Abwrackung des Unternehmens mitwirken. Und ver.di wird sich für diesen Erfolg feiern.
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Vielleicht werden wieder welche gezwungen, ihre knappe Lebenszeit in Auffanggesellschaften zu vergeuden. Auch für diesen Tritt ins Gesicht wird sich ver.di als Wohltäter feiern lassen.