Vorsichtsmaßnahmen Jäger und Zäune gegen die Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest rückt näher: In Polen nahe der deutschen Grenze sind infizierte Tiere entdeckt worden. Fachleute sind sich einig, dass die Seuche die Grenze nach Deutschland bald passieren wird. Behörden und Landwirte auch in Mitteldeutschland sind alarmiert. Doch was macht die Seuche so gefährlich? Ist sie aufzuhalten?

Auch wenn in Deutschland bislang noch keine Erkrankung gemeldet wurde, die Furcht vor der Schweinepest wächst. Zuletzt hatten sich Krankheitsfälle im Westen Polens gehäuft: Nahe der Grenze zu Sachsen und Brandenburg sind inzwischen mehr als 20 tote Wildschweine gefunden worden, bei denen die Seuche nachgewiesen wurde.  

Gewissheit, dass die Seuche kommt

Fachleute sind sich einig, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis das erste erkrankte Tier auch in Deutschland auftaucht. In den meisten Fällen führt die Erkrankung relativ schnell zum Tod. Eine Impfung gibt es nicht.

Für andere Tierarten und den Menschen ist das Virus ungefährlich. Allerdings gilt der Mensch als Überträger der Seuche. Zum Beispiel reicht schon ein Schuhabdruck aus der Nähe eines verendeten Tieres, um das Virus zu verbreiten oder Speisereste, die aus betroffenen Gebieten mitgebracht oder aus verseuchtem Fleisch hergestellt wurden und dann achtlos weggeworfen werden.

Erhöhte Wachsamkeit

Verantwortliche Behörden und Landwirte sind alarmiert. Der Deutsche Jagdverband hatte zuletzt auch Spaziergänger zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.

Es ist extrem wichtig, dass Landwirte, Forstwirte, Jäger und Spaziergänger verdächtige Kadaver sowie Tiere mit Blut an Hals oder Schnauze sofort melden.

Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband

Wird ein totes Tier entdeckt oder bei einem Wildunfall wird empfohlen, umgehend die Behörden beziehungsweise den zuständigen Jäger zu informieren und sich dem Tier nicht zu nähern.

Bauernverband: Exportstopp droht 

Die Vorbereitungen auf den Ausbruch der Seuche werden verstärkt, mit dem Ziel, die Ausbreitung der Seuche unter Wildschweinen einzudämmen und zu verhindern, dass der Erreger auf Hausschweine übertragen wird. Denn dann müsste der gesamte Bestand innerhalb einer Schutzzone vorsorglich getötet werden.

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes ist ab dem ersten Nachweis der Afrikanischen Schweinepest bei einem Wild- oder Hausschwein in Deutschland der Export in Länder außerhalb der EU nicht mehr möglich.  

Vorbereitungen in Mitteldeutschland

Sachsen plant vom 2. bis zum 5. Dezember eine Großübung, in der unterschiedliche Szenarien durchgespielt werden. Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums sollen an mehreren Orten unter anderem auch in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen das Suchen von Kadavern im Wald mit Drohnen und Wärmebildkameras und das Aufstellen von Abwehrzäunen geübt werden. Außerdem wird ein Seuchenausbruch in einem Bestand von Hausschweinen simuliert.

Sollte das Virus letztlich im Freistaat nachgewiesen werden, sind Sachsens Jäger angehalten, die Wildschweinpopulation rigoros zu begrenzen. Bereits in den beiden vergangenen Jagdjahren wurde mit 45.318 beziehungsweise 36.087 Abschüssen mehr Schwarzwild gejagt als zuvor.

Jagd- und Abschussprämien

Auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen würde die Jagd auf Wildschweine in den betroffenen Gebieten verstärkt werden. Das sieht ein sogenannter Afrikanischer Schweinepest-Rahmenplan vor, wie ein Sprecher des Umweltministeriums in einem MDR-Interview erklärte. Demnach basiert dieser Plan auf EU-Recht und gilt für alle Bundesländer.

Sachsen-Anhalt, Thüringen und einige sächsische Landkreise zahlen bereits jetzt Prämien je erlegten Schwarzkittel oder eine Pauschale für den Einsatz von Jagdhunden bei Drück- und Treibjagden auf Schwarzwild (Thüringen).  Für den Fund und die "Beprobung" toter Wildschweine bekommen Jäger in Sachsen und Sachsen-Anhalt Aufwandsentschädigungen.

Kilometerlange Schutzzäune

Auch im Landkreis Harz ist im November der Ernstfall geprobt worden. Dabei haben Technisches Hilfswerk (THW) und der Nationalpark Maßnahmen gegen eine mögliche Ausbreitung des Virus vorgestellt. Im Mittelpunkt stand dabei ein elektrischer Wildzaun, um infizierte Tiere abzugrenzen. Sachsen-Anhalt verfügt laut Umweltministerium über einen 25 Kilometer langen mobilen Wildschwein-Schutzzaun, den zehn Helfer aufbauen könnten. Ein zweiter Zaun soll folgen, um die Ausbreitung schnell zu stoppen.

Was wird in Polen gegen die Seuche unternommen?

Nach dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest in Polen suchen dort dem Veterinärdienst zufolge rund 100 Freiwillige und 150 Soldaten der Armee nach weiteren toten Wildschweinen. Um die erste Fundstelle wurde im Umkreis von fünf Kilometern ein Zaun gezogen. Ein weiterer solle nun um eine noch größere Sperrzone eingerichtet werden.

Vorbild Tschechien: Seuche abgeriegelt

Nach Ansicht des Experten des Deutschen Jagdverbandes, Reinwald, ist es "wahnsinnig schwer, den Erreger wieder loszuwerden, wenn er erst einmal eingeschleppt" sei. Es gebe nur eine Chance, wenn der Seuchenherd frühzeitig erkannt werde. Tschechien sei es als einzigem der in Europa betroffenen Länder gelungen, Ausbruchsherde hermetisch abzuriegeln und die Seuche wieder loszuwerden.

 

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 21. November 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2019, 09:29 Uhr