Eine Frau nimmt aus kleinen Regalfächern Artikel und packt sie in ein Paket. Vor ihr ein Computer, der ihr anzeigt, was in den jeweiligen Karton gehört.
Baut Amazon in Osterweddingen ein großes Logistik-Zentrum? Der Onlinehändler will die Investition offiziell nicht bestätigen. Bildrechte: MDR

Onlinehandel Geheimnis um Stellenabbau bei Amazon

Die Zahlen des Onlinehändlers Amazon sind beeindruckend. Vergangenes Jahr erzielte der Konzern 10 Milliarden US-Dollar Gewinn, er hat inzwischen mehr als 300 Millionen Kunden. Weltweit arbeiten für Amazon mehr Menschen als Halle und Magdeburg zusammen Einwohner haben. Im Logistikzentrum Leipzig geht die Zahl der Mitarbeiter allerdings zurück. Währenddessen werden in Osterweddingen demnächst vermutlich 2.000 gesucht. Amazon baut auf, baut ab – und macht daraus ein großes Geheimnis.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Eine Frau nimmt aus kleinen Regalfächern Artikel und packt sie in ein Paket. Vor ihr ein Computer, der ihr anzeigt, was in den jeweiligen Karton gehört.
Baut Amazon in Osterweddingen ein großes Logistik-Zentrum? Der Onlinehändler will die Investition offiziell nicht bestätigen. Bildrechte: MDR

Jörg Methner, Bürgermeister von Sülzetal, macht kein Geheimnis daraus, wer da im Ortsteil Osterweddingen unweit von Magdeburg ein großes Logistik-Zentrum baut: Amazon.

Er freue sich, dass es viele Arbeitsplätze geben werde. Das sei das A und O, wie er sagt.

Wenn man hört: 500 pro Schicht. Früh, Spät, Nacht – das sind 1.500. Und dann ich sage mal - zu Schwerpunktzeiten im Dezember - dann rechnet man mit bis zu 2.000. Das ist schon immens. Also für unsere Region Magdeburg, Börde ist das sehr, sehr gut.

Jörg Methner, Bürgermeister von Sülzetal

Verunsicherung bei Amazon in Leipzig

Trotz Methners Begeisterung bestätigt Amazon die Investition nicht. Die Pressestelle bedauert, man könne dazu offiziell leider nichts sagen. Das wirkt seltsam, immerhin liegen Bauanträge vor, drehen sich längst Kräne. Vor allem in Leipzig sorgt die Geheimniskrämerei für Verunsicherung. Denn dort baut Amazon Stellen ab, sagt Thomas Schneider von der Gewerkschaft Verdi.

Orte der besondere Sorte: Amazon-Logistikzentrum Leipzig
2017 hatte Amazon in Leipzig noch 2.000 Stammbeschäftigte. Bildrechte: MDR JUMP

Für Verdi sei es "nicht nachvollziehbar, dass Amazon als Unternehmen, was sich immer als so sozial darstellt, hier nicht mit offenen Karten spielt und sagt: Ja, wir machen in Osterweddingen einen neuen Standort auf. Und die Beschäftigten, die wir hier in Leipzig reduzieren, denen geben wir die Möglichkeit, in Osterweddingen an einem neuen Standort tätig zu sein", meint Schneider.

Vor zwei Jahren hatte Amazon in Leipzig noch 2.000 Stammbeschäftigte. Diese Zahl nannte das Unternehmen stets selbst. Inzwischen sind laut Verdi nur noch knapp 1.600 übrig. Bei einer Betriebsversammlung habe Amazon mitgeteilt, auf 1.500 zu reduzieren.

Dazu äußert sich Amazon. Den Begriff Stellenabbau findet Sprecher Stephan Eichenseher schief. Es habe in Leipzig stets nur 1.500 unbefristet Festangestellte gegeben. Weitere Stammbeschäftigte seien befristet angestellt gewesen. Diese Verträge habe man nicht verlängert.

Wir stellen uns überhaupt nicht schmaler auf, sondern im Gegenteil. Wir haben letztes Jahr erst fünf Millionen investiert in ein neues Hochregal-Lager. Da sind wir immer noch dabei, das fertig zu bauen.

Stephan Eichenseher, Sprecher von Amazon

Das hieße, so Eichenseher, der Standort werde sich weiter entwickeln.

Der Kampf um gute Arbeit geht weiter

Am Standort Leipzig des US-Versandhändlers Amazon streiken Gewerkschaftsmitglieder. Seit Jahren ringt die Gewerkschaft um einen Tarifvertrag bei Amazon
Amazon-Mitarbeiter haben den Verdacht, in Leipzig werde umgebaut, weil Teile der Belegschaft regelmäßig streiken. Bildrechte: dpa

In Leipzig sollen vermehrt große Waren gelagert werden, sagt Eichenseher weiter. Dafür benötige man weniger Leute. Trotzdem haben Mitarbeiter den Verdacht, in Leipzig werde umgebaut, weil Teile der Belegschaft regelmäßig mit Streiks Schlagzeilen machten. Amazon bestreitet, dass diese irgendwelche Auswirkungen hatten.

Verdi meint, der Kampf um gute Arbeit gehe so oder so weiter, denn die Gewerkschaft helfe bei Betriebsratswahlen und helfe den Kollegen, um einen Tarifvertrag zu kämpfen. Der Gewerkschaftler Thomas Schneider kündigt bereits an:

Ich kann Ihnen und ich kann auch Amazon versichern, wir werden auch die Kollegen, die in Osterweddingen arbeiten werden, unterstützen und ihnen helfen.

Thomas Schneider, Verdi

Dafür müsste Amazon die Investition dort allerdings erst einmal bestätigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. April 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 07:00 Uhr