Sromleitungen im Gegenlich der Sonne sind auf einem Feld.
Bildrechte: imago/Manngold

Stromtrasse Südostlink Der Weg durch Sachsen-Anhalt

Ausstieg aus der Braunkohle und Abschalten der Kernkraftwerke: Die Energiewende ist ein Mammutprojekt. Damit der Strom weiter fließt, braucht es Stromautobahnen, die die Windenergie vom Norden in den Süden bringen. Zum Beispiel den sogenannten Südostlink. Der geht durch Sachsen-Anhalt und durch Thüringen. In Thüringen will man die Trasse am liebsten verhindern. In Sachsen-Anhalt steht man dem Projekt nicht ganz so ablehnend gegenüber. Die Stromstraße soll zum Beispiel bei Wanzleben verlaufen.

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Sromleitungen im Gegenlich der Sonne sind auf einem Feld.
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Jürgen Claus ist Landwirt in der Börde südwestlich von Magdeburg. Hier gibt es den besten Boden in Deutschland. Er ist besonders fruchtbar. Claus erzählt: "Ja, wir sind ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb. Wir bauen Kartoffel, Weizen, Raps, Zuckerrüben an und das ist unser Hauptbusiness."

Für die Energiewende müssen auch die Landwirte einen Beitrag leisten, das sei klar, sagt Claus. Damit teilt er die Ansicht des Bürgermeisters von Wanzleben, Thomas Kluge: "Wenn man im Zeitalter der Energiewende lebt, dann muss man auch dafür sorgen, dass der Strom an alle Ecken kommt. Und so ist es die Aufgabe, dass man die Trasse von Nord nach Süd baut. Und dass da unser Bereich von betroffen ist, das ist nun mal so."

Landwirte sorgen sich um ihre Böden

Gesetzlich ist festgelegt, dass die Kabel unter der Erde verlaufen sollen. Gegen die üblichen Freileitungen spricht eine Reihe von Gründen erklärt Axel Happe vom Netzbetreiber 50Hertz, der die Trasse plant: "Gründe sind zum einen der Vogelschutz. Was eine Freileitung stark nachteilig gegenüber einem vergleichbaren Erdkabel macht, aber auch vorhandene vorgegebene Siedlungsabstände bei Gleichstromfreileitungen."

Für viele Landwirte in der Börde ist das keine gute Nachricht. Sie machen sich Sorgen um ihren Boden. Ist der, wenn er einmal ausgebaggert und dann wieder aufgeschüttet wurde, noch genauso fruchtbar wie vorher? Das macht Jürgen Claus Sorgen: "Das Schlimmste wäre halt, dass wir, da wo die Leitung unterirdisch ist, dass wir da andere Wachstumsverhältnisse haben, dass wir das nicht mehr richtig steuern können mit den Pflanzen, dass wir mehr Krankheiten haben, wie auch immer."

Andererseits wären neue Masten auch problematisch. An denen komme er dann mit seinen großen Beregnungsfahrzeugen nicht vorbei, sagt Claus. Beides also keine rosigen Aussichten für den Landwirt.

Entschädigungen wegen Bauarbeiten noch in Verhandlung

Am Ende brauche es deswegen unbedingt eine Entschädigung, sagt Claus: "Aber mein Problem ist, dass auch die permanenten Schäden, die auch Jahre später zu sehen sind, auch im letzten Jahr bei der Trockenheit konnte man das auch sehen, wie auf solchen Leitungen, die es ja schon durchaus gibt in der Erde – zwar nicht in der gleichen Form wie hier geplant, aber dennoch ähnlich – dass es da zu sehr starken Wachstumsdepressionen gekommen ist über diesen Leitungen. Und deswegen ist es halt auch wichtig, dass eine Entschädigung nicht nur einmal vorab bezahlt wird, sondern jährlich gemacht wird."

Bisher, so erklärt 50Hertz soll der Eigentümer des Feldes 30 Prozent des Verkehrswertes bekommen. Für den Pächter ist der Ersatz des Ernteausfalles durch die Bauarbeiten und eine Entschädigung für die kommenden zwei Jahre geplant. Das alles sei aber noch Verhandlungssache, heißt es weiter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Mai 2019 | 06:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

20.05.2019 21:29 Wolfgang Kleindienst 4

Die Energiewende ist ökologische, ökonomische und sozialpolitisch gescheitert. Wenn man einen Teich trocken legen will, darf man nicht die Frösche fragen. Die Kosten einer Erdverkabelung sind das vier bis achtfache höher wie bei einer Freileitung. Diese Kosten werden wie die Entschädigung der Landwirte in Form von Netzentgelten von uns Stromkunden bezahlt. Hier diskutieren Firmen und Landwirte nicht darüber wer es bezahlt, sondern darüber wie hoch die Zeche ist.

20.05.2019 09:25 Thüringer 3

Was gibt es denn so alles in Thüringen. Mal überlegen. Leitet nicht die K&S Ihre Lauge in Thüringen, in die Werra und unter die Erde? Werden nicht, oder wurden, Giftmüll von Merkels Freunden (Franzosen) unter die Erde gebracht? Für die Franzosen legt man sich eben ins Zeug. Z.B. Leuna Werke. Windanlagen fast überall wo man Hinsieht. Da gibt es Bundesländer die lassen das nicht zu, wegen Verschandelung. Stromtrasse auf kosten der Bevölkerung, obwohl die selber nichts davon haben? Ist es nur noch eine Frage der Zeit, dass Thüringen, in den Salzbergwerken, Endlager von Atommüll wird? In Deutschland will man die Atomanlagen abschaffen, aber wo soll denn von den EU Freunden deren Atommüll hin, nach Thüringen? Warten wir`s ab was uns nach den EU Wahlen, von der EU auf uns zu kommt?

20.05.2019 09:20 Gerd Müller 2

Thüringen braucht doch nur Durchleitungsgebühren zu erheben, genau wie die Ukraine.
Wir werden reich ohne etwas zu leisten.
So bekommt der Bürger die EEG Umlagen zurück und der Westen kann mit dem Strom machen was er will.
Es ist unser Thüringen, was mit der Trasse zerstört wird.
2 Milliarden jährlich, das ist das mindeste, was der Westen zahlen sollte.

20.05.2019 08:34 Mane 1

Natürlich werden auch die Bauern ausgequetscht wie eine Zitrone,das haben Sie den Schüler, Studenten und den Loppys zu verdanken.