Mit Leidenschaft für das Bergwerk Azubi unter Tage - Berufswahl mit Zukunft

Mit dem Kohleausstieg gehen Tausende Jobs verloren. Doch werden in Bergwerken auch Rohstoffe wie Kali und Erz abgebaut - und die Nachfrage danach steigt. Und daher wird weiter händeringend nach Azubis gesucht.

Azubis im Bergwerk 7 min
Bildrechte: MDR/Umschau

Umschau Di 08.09.2020 20:15Uhr 06:59 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Daniel Thiel, Amon Kobbe und Anton David haben sich für den Beruf des Bergbautechnologen entschieden. Drei Jahre dauert ihre Ausbildung beim Schachtbau Nordhausen. Das Unternehmen kümmert sich unter anderem darum, im Bergwerk Bleicherode in 500 Meter Tiefe die alten Kalischächte zu verfüllen, um Absenkungen zu verhindern. Das ist eine Tätigkeit mit viel Verantwortung - abseits von Aktenordnern und Dateiordnersammlungen in Computersystemen.

Bergbautechnologe/-in wird man in drei Jahren

"Am meisten Spaß macht mir das Arbeiten mit den großen Maschinen und die Freundschaft mit den anderen Kumpels untereinander finde ich sehr schön", beschreibt Amon Kobbe, was ihn an der Arbeit im Bergbau fasziniert. Aber klar ist allen auch, dass mit angepackt werden muss. "Dass man ein bisschen Manneskraft beweisen muss", nennt es Daniel Thiel. Und Anton David gefällt es darüber hinaus, dass er unter Tage auch viel selbstständig arbeiten kann. Die jungen Männer haben das erste Lehrjahr bereits hinter sich und wissen daher schon ziemlich gut, wovon sie reden.

Eingangsportal Bergwerk Bleicherode
Die drei Auszubildenden packen im Kalibergwerk Bleicherode mit an. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bedarf an Rohstoffen wächst

Die drei haben sich durchaus für einen Beruf mit Zukunft entschieden. Denn der Bedarf an Rohstoffen, von denen einige in beträchtlichen Mengen in mitteldeutschen Revieren schlummern, wächst weltweit. Die Preise steigen zudem stetig. Das bietet den drei jungen Männern eine dauerhafte Perspektive im heimischen Bergbau. Bergbautechnologen bringen sich ein als Experten für den Abbau und Vortrieb unter Tage. Hier gibt es zwei Fachrichtungen, zwischen denen sich der Auszubildende entscheiden kann: Tiefbautechnik und Tiefbohrtechnik.

Um die Schätze später im Team mit heben zu können, müssen Bergbautechnologen vor allem moderne Technik bedienen können, aber auch viele Fertigkeiten erlernen. So haben die drei Lehrlinge vom Schachtbau Nordhausen auch zahlreiche Stunden im Metallbau verbracht. Zusammen mit Azubis aus zehn anderen Berufen wurden sie darin geschult. Darunter waren auch Konstruktionsmechaniker, die im Schachtbau später wiederum Maschinenteile für die hauseigenen Bohrgeräte fertigen.

Ein Azubi führt Metallarbeiten aus
Die Ausbildung zum Bergbautechnologen umfasst auch den Teilbereich Metallbau. Bildrechte: MDR/Umschau

Azubi Amon Kobbe: "Die Bezahlung ist sehr gut"

Mit der Vergütung im Bergwerk ist Amon Kobbe zufrieden. Darüber hinaus schätzt er, dass er durch die Arbeit in anderen Städten und sogar Ländern auch Erfahrungen mit anderen Kulturen sammeln kann. "Die Bezahlung ist sehr gut, auch schon in der Ausbildung. Da wir hier von einer Montagefirma sind, sieht man auch sehr viel deutschlandweit - auch in anderen Ländern, wie in Kasachstan und in der Mongolei. Man nimmt sehr viel mit auf jeden Fall", freut sich der Auszubildende im dritten Lehrjahr.

Thomas Klepsch Grubenbetriebsführer Bleicherode
Grubenbetriebsführer Thomas Klepsch sieht den Nachwuchsmangel mit Sorge. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Demographischer Wandel sorgt für Fachkräftemangel

Und nicht nur der wachsende Bedarf an Rohstoffen sorgt für eine gesicherte Zukunft im Bergwerk - sondern auch der Umstand, dass es an Fachkräften fehlt. "Was den jungen Leuten jetzt in die Hand spielt, ist der demographische Faktor. Es gehen immer mehr ältere Menschen immer schneller in Rente und der Nachwuchs fehlt an allen Ecken und Kanten", betont Thomas Klepsch, der Grubenbetriebsführer vom Kalibergwerk Bleicherode. Dieses ist sogar Deutschlands ältestes Kalibergwerk. Und trotz seiner Schließung im Jahr 1990 gibt es hier also Arbeit für mehrere Jahrzehnte.

Bergbaustollen 2 min
Bildrechte: MDR Wissen

Auch eine Möglichkeit: Ausbildung zum/zur Berg- und Maschinenmann/-frau

Joshua Groß macht derzeit ein Praktikum bei der Bergsicherung Sachsen. Im Herbst wird er dort eine Lehre beginnen und Berg- und Maschinenmann werden. Nach einer zweijährigen Ausbildung will er dann mit helfen, dass die weit verzweigten Unterhöhlungen, die der Bergbau hinterlassen hat, stabilisiert und gesichert werden können. Bereits jetzt packt er mit an - im alten Wismut-Stollen in Schneeberg, das seit Jahrhunderten vom Bergbau geprägt ist.

Ein Praktikant beim Bergbau
Joshua Groß ist derzeit Praktikant bei der Bergsicherung Sachsen. Bildrechte: MDR/Umschau

Und er ist mit Leidenschaft dabei. "Faszinierend finde ich hier, wie weitläufig das alles ist. Das kann man sich als normaler Bürger gar nicht vorstellen, was unter einer Stadt alles los ist", erklärt der Praktikant. Zu seinem Arbeitsbereich gehören etwa flexen, Schienen verlegen und Materialtransport. "Das ist zwar eine körperlich anstrengende Arbeit, aber das macht mir nichts aus", betont Joshua Groß. Und auch er konnte als angehender Berg- und Maschinenmann zwischen zwei Fachrichtungen wählen - der Spezialisierung auf Vortrieb und Gewinnung einerseits und Transport und Instandhaltung andererseits.

Bergbau-Boom im Erzgebirge

In der Erzgebirgs-Region entstehen immer neue Stollen und Schächte. 60 Vorhaben auf Erkundung, Errichtung und Betrieb neuer Bergwerke im Bereich Erz und Spat wurden in den letzten 15 Jahren allein in Sachsen beantragt. Auch Joshua Groß wird sich also keine großen beruflichen Sorgen machen müssen, wenn er einmal Bergmann ist.

Wegen des Booms sieht er seine beruflichen Perspektiven auch gelassen. "Die Zukunft im Bergbau hier im Erzgebirge sehe ich ziemlich positiv", so Joshua Groß. "Auch was bei der Bergsicherung ansteht. Es wird immer mehr Altbergbau gefunden. Von den meisten Stollen gibt es auch gar keine Aufzeichnungen - man lässt sich quasi überraschen von dem was dort ist. Und ich denke, das wird noch ein paar Jahre so gehen".

Die Zukunft im Bergbau im Erzgebirge sehe ich ziemlich positiv. Auch weil es hier gerade einen Boom gibt.

Joshua Groß, Praktikant bei der Bergsicherung Sachsen

Auch interessant

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 08. September 2020 | 20:15 Uhr