Der Sonder-ICE überquert das 236,5 Meter lange Markersbacher Viadukt.
Das "Advanced Train Lab" ist das Forschungslabor der Bahn auf Gleisen. Bildrechte: dpa

Forschungs-Campus in Annaberg-Buchholz Erzgebirge wird Versuchsgebiet für neue Bahntechnologie

"WIR! - Wandel durch Innovation in der Region" – so heißt ein Förderprogramm des Bundesforschungsministeriums. Damit soll gezielt moderne Technik in eher abgelegene Gegenden gebracht werden. Wer das Geld bekommt, wurde nun entschieden. Einige der Gewinner sitzen in Annaberg-Buchholz. Dort soll ein moderner Campus für die Forschung neuer Bahntechnologien entstehen.

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Der Sonder-ICE überquert das 236,5 Meter lange Markersbacher Viadukt.
Das "Advanced Train Lab" ist das Forschungslabor der Bahn auf Gleisen. Bildrechte: dpa

Die Idee ist schon öfter belächelt worden: Mitten im eher abgelegenen Erzgebirge soll eine der modernsten Eisenbahn-Forschungsstätten Europas entstehen. Über 100 Unternehmen, zwei Universitäten und die Stadt Annaberg-Buchholz haben sich dafür zu einem Interessenverbund zusammengeschlossen.

Neue Eisenbahntechnik aus dem Erzgebirge

Sören Claus ist der technische Leiter des Eisenbahn-Campus. Er hat seit vielen Monaten für die Fördermittel gekämpft. Nun wird es ab April bis zu 15 Millionen Euro geben. Die genaue Summe steht allerdings noch nicht fest. "Wir freuen uns und sind unheimlich glücklich, dass wir uns mit unserem Konzept durchsetzen konnten", sagt Claus.

Ein Mann sitzt in einem ICE und lächelt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/Michael Voß

Wir freuen uns auf die Herausforderungen, die wir jetzt mit unseren Partnern meistern werden.

Sören Claus, technischer Leiter des Bahn-Forschungs-Campus

Zu diesen Partnern gehört die Deutsche Bahn. Deren Experte für digitale Stellwerkstechnik, Bernd Elsweiler, setzt große Hoffnung auf den Standort. "Wir haben den Anspruch, auch als Leitmarkt in Europa zu dienen und hier die neue Technik zu entwickeln, die wir als Deutsche Bahn einsetzen, aber auch für andere Bahnen in Europa zur Verfügung stellen wollen." Annaberg-Buchholz bietet sich für den Forschungs-Campus an, denn hier gibt es eine 25 Kilometer lange Eisenbahnstrecke der Erzgebirgsbahn, die derzeit nicht für den Linienbetrieb genutzt wird.

Sparen durch moderne Technik

Ein Mann im Anzug sitzt in einem ICE am Fenster und lächelt in die Kamera.
Bernd Elsweiler will durch seine Forschung "mehr Kapazität auf der gleichen Infrastruktur" schaffen. Bildrechte: MDR/Michael Voß

Die Tochter der Deutschen Bahn AG war bereits oft Partner bei Versuchen, die auf in Betrieb befindlichen Strecken nicht durchgeführt werden können, erzählt Bend Elsweiler. So habe man zwei Züge sowie das Stellwerk über das bahninterne Mobilfunknetz miteinander verbunden und die Abstände zwischen diesen Zügen extrem verkleinert. "Mit anderen Worten: Mehr Kapazität auf der gleichen Infrastruktur." So könne die Bahn mehr Verbindungen anbieten, ohne neue Strecken bauen zu müssen.

Auf Dauer wolle das Unternehmen auch auf zwei Drittel der Infrastruktur – wie beispielsweise Signale – verzichten, um die Störungsanfälligkeit zu senken.

Ein Bahnhof als Campus

All das soll nun im Erzgebirge ausprobiert werden. Dafür gibt es dort seit über einem Jahr Europas modernstes Stellwerk, welches die Bahn schon als Vorleistung für den Forschungs-Campus gebaut hat. Nun muss noch Platz für die Wissenschaftler und Firmen geschaffen werden, erklärt der technische Leiter Sören Claus. "Geplant ist derzeit, diese Campus-Funktionalität am unteren Bahnhof in Annaberg-Buchholz unterzubringen – mit den beteiligten Professuren der Technischen Universität Chemnitz, der Technischen Universität Dresden und weiterer Partner."

Direkt neben dem Campus wird es eine neue Wagenhalle geben, in der Versuchszüge abgestellt, aber auch umgebaut werden können. Für die Fahrgäste entstehen im Bahnhof Informationsmöglichkeiten, um die neuen Entwicklungen direkt mitverfolgen zu können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. März 2019 | 12:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 12:48 Uhr

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5 Kommentare

22.03.2019 10:26 Repetitio est mater studiorum 5

Mein Gottchen,
was für ein sprachlicher Bombast:

So oft war ja noch nie der lateinische Begriff C A M P U S
zu lesen.

Geht es nicht auch eine Nummer kleiner und deutscher?

22.03.2019 09:06 wwdd 4

Mir fällt dazu nur eins ein: Sie wollen nach den Sternen greifen und sind zu blöd eine Stehleiter aufzustellen.

22.03.2019 06:29 Zander 3

Pfister, die Anlage in Wegberg kann nur Fahrzeuge bezüglich Antrieb und Laufverhalten testen. Hier in Annerberg geht es um die Infrastruktur, konkret der Leit- und Sicherungstechnik, Fahrzeuge werden nicht getestet.

21.03.2019 17:47 Klaus Pfister 2

Unnoetig;... SIEMENS Mobility hat schon eins in Wegberg-Wilkenrath, NRW!

Wahnsinning ein ICE auf dem Markersbacher Viadukt?

21.03.2019 15:07 Mane 1

Jetzt wird die Bahn wieder neu erfunden.Ob diese Leute wissen,was Annaberg-Buchholz einmal für die Eisenbahn war? Das war echt Eisenbahn,wo es spass gemacht hat zu arbeiten.