Prof. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts
ifo-Präsident Prof. Clemens Fuest Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Batterieproduktion in der Lausitz Verärgerung über Äußerung von ifo-Chef Fuest

Die Spremberger Bürgermeisterin und die Wirtschaftsminister von Sachsen und Brandenburg reagieren mit Unverständnis auf ifo-Präsident Fuest. Er sieht in der Lausitz keine Kompetenzen für eine Batterieproduktion.

Prof. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts
ifo-Präsident Prof. Clemens Fuest Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die politisch Verantwortlichen in der Lausitz, in Dresden und Potsdam reagieren verärgert auf eine Einschätzung des ifo-Präsidenten Prof. Clemens Fuest zu Batterieherstellung in der Lausitz. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte gesagt, dass eine Batteriezellen-Produktion für Elektroautos in dieser Region nicht erfolgreich sein könne. "Es gibt in der Lausitz heute keine Kompetenz im Bereich Batterien und Mobilität. Eine Batteriefabrik könnte erfolgreich sein, wenn sie in Wolfsburg, in Stuttgart oder in München ist, wo wir schon Expertise haben. Diese gibt es in der Lausitz nicht", hatte Fuest gegenüber dem MDR-Magazin "Umschau" gesagt.

Bürgermeisterin Herntier: "Geradezu verantwortungslos"

Christine Herntier
Christine Herntier, Bürgermeisterin von Spremberg Bildrechte: dpa

Die Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) findet Fuests Äußerung "geradezu verantwortungslos." Sie verweist gegenüber der "Umschau" auf die Cluster-Strategie von 58 Bürgermeistern des Bündnisses "Lausitzrunde". Darin geht es unter anderem um Anknüpfungspunkte für ein Cluster "Mobilität". Herntier räumt zugleich Defizite ein: "Kompetenzen sind nicht einfach so da. Sie müssen erarbeitet werden." So sei es unter anderem nicht gelungen, die notwendige Kompetenz im Bereich Batterieforschung zu entwickeln. "Das Hickhack um die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg war hier mit Sicherheit nicht hilfreich", schätzt sie ein. Trotzdem ist sie der Auffassung, dass die Ansiedlung einer Fabrik zur Fertigung von Batteriezellen – verbunden mit der Schaffung von nennenswerten hochqualifizierten und damit auch gut bezahlten Industriearbeitsplätzen – "nicht nur möglich ist, sondern dass das unbedingt erfolgen muss."

Dulig: "Das ist unseriös"

Martin Dulig
Martin Dulig, Sachsens Wirtschaftsminister Bildrechte: dpa

"Ich ärgere mich sehr darüber. Aus München eine Ferndiagnose zu geben, ohne Kenntnis der Situation vor Ort, das ist unseriös", sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) dem Nachrichtenradio MDR-Aktuell. "Gerade wir in der Lausitz haben eine Kompetenz. Ich denke beispielsweise an Kamenz, wo wir eine Batteriezellenproduktion schon hatten und jetzt wieder haben." Zudem erwähnt er Forschungsinstitute und Automobilindustrie. "Sachsen ist eindeutig mit dem Thema Elektromobilität verbunden. BMW baut den i3 und den i8 in Sachsen. Volkswagen stellt seine gesamte Elektromobilitätspalette in Zukunft in Sachsen her. Da sieht man doch, dass wir eine hohe Kompetenz neben unseren Forschungseinrichtungen haben, die sowieso zu dem Thema forschen."

Steinbach: "In der Lausitz gibt es Kompetenz"

Jörg Steinbach (SPD), designierter Wirtschaftsminister von Brandenburg, spricht bei der Pressekonferenz zur Bekanntgabe des Nachfolgers für das Amt des Wirtschaftsministers.
Jörg Steinbach, Brandenburgs Wirtschaftsminister Bildrechte: dpa

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hat sich ebenfalls geäußert. Er hält die Region für gut geeignet zur Fertigung von Batteriezellen. "In der Lausitz gibt es sowohl die Kompetenz als auch interessante Ansiedlungsstandorte für die Batteriezellenproduktion", sagte Steinbach. Brandenburg habe dem Bundeswirtschaftsminister mehrere geeignete Standorte für die Ansiedlung einer Batteriefabrik benannt. Außerdem betreibe das Chemieunternehmen BASF in Schwarzheide Forschungsvorhaben zur Fertigung von Batteriekomponenten, die international beispielgebend seien.

Wettbewerb um Zellforschung: Münster statt Dresden

Das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS in Dresden wollte sich nicht zur Aussage von Ifo-Präsidenten Prof. Clemens Fuest äußern. Die Forschungseinrichtung hatte sich für die Zellforschungsfabrik beworben, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 500 Millionen Euro fördern will. Den Zuschlag bekam Münster.

Daimler-Tochter: Batterieproduktion in der Lausitz

Ein Mitarbeiter der Deutschen ACCUmotive arbeitet an einer Zelle für eine Smart III-Batterie.
In Kamenz in Ostsachsen werden Batterien seit 2012 produziert. Bildrechte: dpa

Die Deutsche ACCUmotive GmbH & Co. KG in Kamenz hat bislang auf eine Anfrage des MDR-Magazins Umschau nicht reagiert. Die hundertprozentige Tochter der Daimler AG produziert seit 2012 Lithium-Ionen-Batterien in Ostsachsen. Dort sind nach Firmenangaben 1.600 Mitarbeiter beschäftigt. In den vergangenen Jahren hat Daimler 500 Millionen Euro in den Batterieproduktion in Kamenz investiert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 09. Juli 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2019, 11:23 Uhr