Folgen der Corona-Krise Neue Wertschätzung für regionale Lebensmittel

Einen positiven Effekt hat Corona auf dem Land: die Wertschätzung für die lokale Produktion von Lebensmitteln steigt, wie einige Bauern gerade erleben. Doch es zeichnet sich ein anderes Problem für die Landwirtschaft ab.

Regionale Lebensmittel – einen Trend dahin gibt es schon seit Längerem. Doch nun, in Zeiten der Corona-Pandemie, gewinnt dieses Thema noch einmal eine viel höhere Bedeutung. Für die Landwirte hat das positive Auswirkungen. Aber sie stehen durch die Krise und deren Folgen auch vor neuen Problemen, um die Versorgung der Bevölkerung langfristig abzusichern.

"Auf jeden Fall merken wir es, dass jetzt alle ein bisschen Panik haben", sagt Landwirt Mathias Dippe. An seinem Kartoffel-Drive-In in Wulferstedt in der Magdeburger Börde stehen die Autos Schlange. Viele wollen vorsorgen.

Ansturm auf Kartoffeln

Ein Mann und eine Frau
Martin Dippe packt den Kunden die Kartoffeln in den Kofferraum. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Als vernünftiger Mensch macht man das", sagt ein Kunde. Im Landkreis Börde sind bislang kaum Corona-Fälle bekannt. Doch wie es in den nächsten Wochen weitergehen soll, das ist – wie überall – völlig unklar. Deshalb gehen viele Menschen auf Nummer sicher. Die ganze Familie Dippe fasst mit an, um den Ansturm zu bewältigen. Ein Sack voll Kartoffeln nach dem anderen wird in die Kofferräume gepackt.

"Sie rufen an und fragen, ob sie eine Vollmacht vom Nachbarn mitbringen müssten, um mehr Kartoffeln kaufen zu können", erklärt Christine Dippe. "Ich sage: 'Nein, so weit wie bei Klopapier und Milch ist es bei uns noch nicht.'"

Der familiäre Landwirtschaftsbetrieb verkauft derzeit die Ernte aus dem vergangenen Herbst. Noch sind die Kartoffel-Speicher voll und "ich hoffe, dass es bis zur Ernte Mitte Juni reicht", erklärt Martin Dippe, der zusammen mit seinen beiden Brüdern den Hof bald von den Eltern übernehmen will.

Verzögerungen bei Lieferungen aus dem Ausland

750 Hektar Land bewirtschaftet der Familienhof Dippe. Kartoffeln, Weizen, Zwiebeln, Spinat – ein typischer Ackerbaubetrieb. Doch es zeichnen sich Probleme ab. Die Landwirte sind auf den globalen Warenverkehr angewiesen – und dort gibt es Verzögerungen. Nur: Wetter und Jahreszeiten warten nicht auf Verspätungen in der Lieferkette.

"Es kommen natürlich viele Produkte aus dem Ausland", sagt Martin Dippe. Aktuell warte er auf Spinat-Saatgut aus Dänemark. "Es ist nicht gekommen, weil es angeblich Probleme an der Grenze gibt." Das bedeutet, wenn der Bauer Pech hat, könne er in diesem Jahr keinen Spinat anbauen.

Bangen um Pflanzenschutzmittel aus China

Ein Landwirt besprüht mit einer Feldspritze ein Feld.
Die Bauern müssen im Frühjahr düngen und Pflanzenschutzmittel ausbringen. Bildrechte: dpa

Die Landwirte vertrauen auf die pünktlichen Lieferungen aus dem Ausland. Die Grenzen sind zwar weiter für den Warenverkehr geöffnet, doch Familie Dippe macht sich vor allem Sorgen um die Warenströme aus Übersee. Denn jetzt im Frühjahr stehen auf dem Hof viele Arbeiten an – neben dem Säen auch Düngen und Pflanzenschutzmittel ausbringen.

"Im Bereich Pflanzenschutz kommen viele Wirkstoff-Komponenten aus China", erklärt Martin Dippe. Der Bauer vermutet, dass viele nicht pünktlich ankommen werden. "Das würde bedeuten, dass die neue Ernte, die dafür sorgt, dass die Theken und Regale wieder für den Verbraucher voll werden, nicht mehr so in der Art und Weise hingestellt werden kann." Diese Ertragseinbußen würden auch dazu führen, dass die Sicherheit der Nahrungsmittelkette nicht mehr gewährleistet werden könne.

Landwirte stellen Forderung auf

Traktoren auf dem Weg zu einem Protest
Seit Monaten protestieren die Landwirte gegen die geplanten Verschärfungen in Sachen Umweltschutz. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Solche Probleme hat Dirk Meinberg aus Nordhausen nicht. Der Bio-Bauer ist auch regionaler Versorger und  produziert alles selbst. Das Viehfutter wächst auf dem eigenen Acker, den Dünger gibt sein Vieh – chemische Pflanzenschutzmittel braucht er nicht. Gerade in Zeiten wie diesen zeige sich, wie wertvoll regionale Versorgung sei, sagt der Landwirt. "Wir produzieren ja etwas Elementares, was für den Menschen lebenswichtig ist, auch in der Krise." Auf Essen könne nicht verzichtet werden. "Das macht allen bewusst, wie wichtig unsere Landwirtschaft hier vor Ort ist, egal ob Bio oder Konventionell."

Die Krise rückt also offenbar das Wesentlich wieder in das Bewusstsein. Doch der Bio-Bauer warnt auch: "Es wird bestimmt Einschränkungen geben, aber es wird keiner verhungern", sagt Meinsberg. Denn die Landwirtschaft sei sicherlich in der Lage, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und damit auch ihrer Aufgabe gerecht zu werden.

Doch damit das ganz sicher ist, hofft Landwirt Dippe nun, dass die von der Politik geplanten Verschärfungen in Sachen Umweltschutz, gegen die sich die Landwirte seit Monaten wehren, nun erst einmal ausgesetzt werden: "Damit die Ladentheken im September, Oktober und danach wieder voll sind, ist es ganz wichtig, dass wir die Arbeiten jetzt machen und keine weiteren Reglementierungen bekommen."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 25. März 2020 | 20:15 Uhr