Praktikantin Aya Smirees und Ausbilder Lutz Döffel
Geflüchtete sind allein schon aufgrund der Sprachhürden schwieriger ins Berufsleben zu integrieren. Bildrechte: imago/Ulli Winkler

Arbeitsmarkt Klappt die Integration von Geflüchteten?

Mehr als 300.000 Geflüchtete haben einen Job in Deutschland, fast 30.000 machen eine Ausbildung. Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass 180.000 Geflüchtete arbeitslos und weitere 460.000 arbeitssuchend gemeldet sind. So die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Doch Zahlen alleine sagen nicht, wie gut es mit der Integration klappt. Denn auch auf Seiten der Betriebsräte müssen die richtigen Bedingungen dafür geschaffen sein. Wie steht es da?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Praktikantin Aya Smirees und Ausbilder Lutz Döffel
Geflüchtete sind allein schon aufgrund der Sprachhürden schwieriger ins Berufsleben zu integrieren. Bildrechte: imago/Ulli Winkler

Khaled Sarhan ist angekommen. Der junge Syrer hat in Leipzig eine Wohnung bezogen und eine Ausbildung beim Siemens Schaltanlagenbau begonnen. Fragt man ihn, was er so lernt, klingt er kaum anders als deutsche Azubis. "Verdrahtungstechnik, Berechnung im Gleichstromkreis, letzte Woche hatten wir auch Präsentationstechnik und Projektmanagement. Das ist für mich ein bisschen schwierig. Viel Theorie. Ich mag lieber mit den Händen arbeiten."

Positives Beispiel aus Leipzig

Flüchtling Khaled Sarhan vorm Siemenswerk
Auszubildender Khaled Sarhan Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Insgesamt bildet das Leipziger Siemenswerk drei Geflüchtete aus, nachdem es bereits 18 Praktikanten zum Mindestlohn beschäftigt hat. Das klappt gut, auch dank des Betriebsrats. Er hat Patenschaften vermittelt, begleitet die Geflüchteten zu Behörden.

Vorbehalte habe es kaum gegeben, sagt Betriebsratschef Michael Hellriegel und begründet das auch mit einer besonderen Geschichte: "Es hat eine Rolle gespielt, dass wir schon mal in den Abgrund geblickt haben. 2013 sollte das Werk nach Portugal verlagert werden. Ich denke, viele Kolleginnen und Kollegen wissen, wie schnell etwas beendet sein kann. Insofern wird das ein Stück weit dazu beigetragen haben, dass es eine gewisse Offenheit gibt. Dass es Akzeptanz gibt und man sich solidarisch verhält."

Auch Betriebsräte haben Vorurteile

Doch nicht überall klappt Integration so gut. Für Betriebsräte bedeuten Geflüchtete mehr Arbeit. Die Neuen müssen aufwendig angelernt werden, kennen ihre Rechte noch weniger als die Deutschen. Manchmal taucht die Frage nach Gebetspausen auf.

Der Jenaer Sozialforscher Klaus Dörre forscht zur Integrationsleistung von Betriebsräten. Er sagt, es gebe schlechte Beispiele wie das eines Thüringer Unternehmens, das Syrer in Leiharbeit beschäftige. "Sie sind ja von vornherein eine besondere Klasse von Beschäftigten. Da sehen wir große Ressentiments, selbst auf Seiten gewerkschaftlich organisierter Betriebsräte. Da herrscht der Gedanke: Die müssen sich anpassen und wir müssen sie eingewöhnen, damit sie nicht das machen, was sie immer machen – Zitat: Stehlen und Vergewaltigen." Rechtsradikale Gesinnung gebe es überall, sagt Dörre. Und die Betriebsräte seien ein Spiegel der Gesellschaft.

Trotzdem betont der Wissenschaftler, er habe sich diverse Firmen angesehen. Unterm Strich seien Betriebsräte hilfreich, oft funktioniere die Integration besser als erwartet. "Im Arbeitsprozess gibt es eben nicht nur Konkurrenz, sondern auch die Notwendigkeit zusammenzuarbeiten. Sonst funktioniert das Ganze nicht. Da steckt auch eine Chance drin, Weltsichten zu korrigieren. Das gilt für Geflüchtete und Migranten auch, die natürlich dazulernen müssen."

Wie steht es mit Gebetspausen?

Betriebsrat Michael Hellriegel
Betriebsrat Michael Hellriegel Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Bleibt die Frage nach den Gebetspausen. Muss ein Betriebsrat diese für Muslime einfordern? Michael Hellriegel hat sich dagegen entschieden: "Ich hatte den Eindruck, dass die meisten von denen so stark muslimisch im Glauben sind, wie die meisten von uns im christlichen Glauben verankert sind."

Für seine drei Azubis ist Hellriegel optimistisch. Schaffen sie ihre Ausbildung, dürfte Siemens sie übernehmen. Vorausgesetzt die Behörden spielen mit. Einem Afghanen im Betrieb wurde bereits mehrfach mit Abschiebung gedroht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. November 2018 | 06:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 07:44 Uhr

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54 Kommentare

16.11.2018 08:20 Ekkehard Kohfeld 54

@ Pinocchio 49 Ich feiere überhaut nichts.##Doch sie freuen sich das von da Fachkräfte kommen die wir denen weg nehmen,steht im nach volgenden Teil ihres Kommentares doch auch wieder##
Es wurde behauptet, zu uns wären nur Ungelernte gekommen. Und ich habe das anhand der syrischen Ärzte widerlegt.##Sie haben gar nichts widerlegt weil niemand behauptet hat das da gar keine Fachkräfte kommen
##Nicht mehr, aber auch nicht weniger.##Und welche Syrischen Ärzte meinen sie?Kennen sie die persönlich?

"Flüchtlinge und Arbeit - Syrische Ärzte scheitern an deutscher ...
Ausländische Ärzte scheitern häufig bei Zulassungsprüfungen | MDR.DE"

Und die werden im eigenen Land gebraucht oder etwa nicht???

16.11.2018 08:16 Gaihadres 53

@Nr.51: Assistenzärzte im Krankenhaus erhalten - sofern Sie nach den Tarifen TV-Ärzte/VKA in der Fassung des Änderungstarifvertrages Nr. 6 vom 19. Oktober 2016 bezahlt werden ein Grundgehalt zwischen 4.402 bis 5.658 Brutto in Vollzeit - je nach Erfahrungsstufe. Darauf kommen dann noch je nach Einsatz und Klinikbereich durchschnittlich noch 20% on-Top an Zuschlägen diverser Art. Ich weis nicht wo Ihre Schwiegertochter im Krankenhaus tätig ist bzw. was sie da beruflich macht - Ihre Aussage kann ich so nicht unterschreiben. Inzwischen sind übrigens etwa 30% aller Assistenzärzte Osteuropäer und etwa 2 bis 4% sind Assistenzärzte sind aus Staaten wie etwa Syrien. Das nur einmal zur Faktenlage in unserem Krankenhaus.

16.11.2018 05:55 Wo geht es hin? 52

@Peter - Zitat von Ihnen: "Es wurde behauptet, zu uns wären nur Ungelernte gekommen. Und ich habe das anhand der syrischen Ärzte widerlegt." Zitat Ende. Wenn wir diese Zahl (vorausgesetzt, die stimmt überhaupt) in das Gesamtverhältnis der zu uns "geflüchteten" Syrer setzen, dann kann man wohl mit Fug und Recht von dem berühmten Einzelfall sprechen. Somit haben Sie überhaupt nichts widerlegt, sondern versucht, mit der Verallgemeinerung von Einzelfällen Ihre unhaltbare Theorie zu stützen.

15.11.2018 20:10 Wo geht es hin? 51

@Peter - Zitat von Ihnen: " Ein Krankenhausarzt hat 5.000 € + X brutto im Monat." Zitat Ende. Aha. Zählen Assistenzärzte auch dazu? Sicherlich. Und wissen Sie, was die verdienen? Da sollten Sie aber mal ganz schnell Ihr Plus X in ein dickes Minus verwandeln, dann kommen wir der Sache erheblich näher. Meine Schwiegertochter arbeitet in einem Krankenhaus. Und wissen Sie, WER da im Regelfall höchstens als Assistenzarzt arbeit? 3 x dürfen Sie raten...Und wissen Sie auch, woran es liegt, dass diese Leute selbst bei einer höheren Qualifikation nicht richtig vorwärts kommen? Richtig: wenn ich die als Patient schon nicht verstehe, was soll da erst das Kollegium machen, wenn es mal um Leben und Tod geht? PS: Sie und Unternehmer und dann auch noch "langfristig denken"? Irgendwie beisst sich das hier mit Ihren Kommentaren...

15.11.2018 18:26 gerd 50

Die junge Dame auf dem Titelbild guckt ziemlich befremdlich auf die Feile (zu ihrer Ehrenrettung) meine Tochter hätte genauso geschaut mit Nagelfeilen kennen die sich besser aus.Natürlich ist das gut wenn diese jungen Leute etwas lernen und Geld verdienen Hauptsache weg von der Strasse .

15.11.2018 17:43 Peter 49

@44 gerd: Ich feiere überhaut nichts.
Es wurde behauptet, zu uns wären nur Ungelernte gekommen. Und ich habe das anhand der syrischen Ärzte widerlegt.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

15.11.2018 17:40 Peter 48

@42 Rico: Auch die Ärzte aus Syrien sind wie die vielen anderen Flüchtlinge von dort nicht von Deutschland abgezogen worden.
Sie sind vor dem Krieg geflohen und wir in Deutschland haben sie hilfsbereit aufgenommen.
Und die Ärzte haben bei uns die Chance erhalten, in Krankenhäusern Deutsche wie ihre Landsleute zu heilen, gutes Geld zu verdienen. Sie zahlen aber auch Sozialversicherungsbeiträge und Steuern.

15.11.2018 17:34 Ekkehard Kohfeld 47

@ CDU Wählerin 46 Sehr gute Sache! So stelle ich mir solidarische Hilfe zur Selbsthilfe vor. Auch wenn Sprache etwas holprig - viele deutsche Jugendliche sprechen schlechter zu verstehendes Deutsch und mit Englisch klappt es immer!
Begrüßenswert sind auch soziale familiäre Kontakte und helfen bei Eingliederung.##Ach ja haben sie eigentlich den ganzen Beitrag gelesen und auch verstanden?
Hier mal ein ganz wichtiger Satz.

"Insgesamt bildet das Leipziger Siemenswerk drei Geflüchtete aus, nachdem es bereits 18 Praktikanten zum Mindestlohn beschäftigt hat."##
Man lese "drei Geflüchtete" und "18 Praktikanten zum Mindestlohn"
Was bitte ist daran gut???Die geringe Anzahl oder der Mindestlohn?

15.11.2018 16:54 CDU Wählerin 46

Sehr gute Sache! So stelle ich mir solidarische Hilfe zur Selbsthilfe vor. Auch wenn Sprache etwas holprig - viele deutsche Jugendliche sprechen schlechter zu verstehendes Deutsch und mit Englisch klappt es immer!
Begrüßenswert sind auch soziale familiäre Kontakte und helfen bei Eingliederung.

15.11.2018 16:27 jochen 45

Ich finde es immer wieder belustigend, wie sich einige "gute deutsche" abmühen, Merkels Gästen etwas vernünftiges beizubringen. Und das, obwohl sie, die Gäste, nach Beendigung des Krieges wieder in ihr Land zurückkehren müssen.
Das ist so geregelt, wird leider zur Zeit von der Politik, gegen die Regeln immer noch ignoriert.