Braunkohletagebau
Das mitteldeutsche Braunkohlerevier im Leipziger Umland wird der Kohleausstieg treffen. Bildrechte: Karsten Möbius

Braunkohleausstieg Kohle anders verwenden statt verbrennen?

Der Kohleausstieg wird wahrscheinlich dazu führen, dass mitteldeutsche Tagebaue stillgelegt werden. Dabei wird ein Teil der dort geförderten Braunkohle in der Pharma-Industrie und in der chemischen Industrie verwendet, wodurch keine CO2-Belastung entsteht. Könnte man die Kohle dafür nicht weiter fördern?

von Karsten Möbius, MDR AKTUELL

Braunkohletagebau
Das mitteldeutsche Braunkohlerevier im Leipziger Umland wird der Kohleausstieg treffen. Bildrechte: Karsten Möbius

Die Stilllegung von Braunkohletagebauen ist beim geplanten Braunkohleausstieg gar nicht speziell formuliert. Beim Braunkohleausstieg geht es vor allem um die Stilllegung von Kraftwerken, die bis 2038 vom Netz gehen sollen.

 Aber das eine hänge mit dem anderen zusammen, sagt Maik Simon, Sprecher der Mitteldeutschen Braunkohle AG (Mibrag): "Die Besonderheit an der Braunkohle ist, dass die Laufzeit der Tagebaue an die Laufzeit der Kraftwerke geknüpft ist."

Die gesamten 18 Millionen Tonnen Braunkohle, die die Mibrag pro Jahr fördert, gehen in Kraftwerke, aus denen Strom oder Wärme kommt. Wenn diese Kraftwerke schließen, gibt es für die Braunkohle der Mibrag keine Verwendung mehr.

Ein Beispiel für alternative Kohleverwendung

Braunkohle wird fast ausschließlich zur Energiegewinnung in Kraftwerken genutzt. Die in Chemie und Pharmazie verwendete Aktivkohle wird in der Regel aus Steinkohle (die aus China kommt), aus Kokosnussschalen oder hochwertiger Holzkohle gewonnen. Für eine chemische Verwendung von Kohle gebe es im mitteldeutschen Revier nur ein Beispiel, so Simon: Die Romonta GmbH. Dort wird aus Kohle Rohmontanwachs gewonnen.

Früher standen im Mansfelder Land, in der Nähe von Halle, Palmen. Heute lässt sich dort das Wachs, das die Palmenblätter vor Austrocknung schützte, aus der Braunkohle herausziehen. Da das Wachs aus dem Bergbau kommt, nennt man es auch Montanwachs.

Eine Frau und ein Mann vor einer Treppe
Rena Eichhardt (l.) und Uwe Stieberitz, beide Vorstand der Romonta GmbH Bildrechte: Karsten Möbius

Rena Eichhardt aus dem Romonta-Vorstand beschreibt, was aus diesem Wachs gemacht wird: Das Spektrum reiche von der Asphaltindustrie bis hin zur Kosmetik und Pflegemittelindustrie. "Es gibt also breitgefächerte Verwendungsmöglichkeiten für unser Produkt. Wir exportieren das in über 40 Länder der Welt."

Dazu betreibt die Romonta GmbH einen eigenen Tagebau und unter anderem ein eigenes Kraftwerk, in dem das verbrannt wird und ins Stromnetz geht, was nach der Wachsgewinnung übrig bleibt.

Verschiedene Gegenstände auf einem Glastisch
Rohmontanwachs in verschiedenen Formen und Anwendungen Bildrechte: Karsten Möbius

Und da steckt das Problem, erklärt Romonta-Vorstand Uwe Stieberitz, auch wenn man eigentlich Wachs aus Braunkohle gewinnt. Denn selbst wenn der Strom ein Nebenprodukt sei: Ohne Kohleverbrennung gehe es nicht. "Eine andere technologische Möglichkeit haben wir zurzeit nicht." Bis 2038 müssten sich deshalb bestenfalls andere Anwendungen für die Kohle finden.

Forschungsprojekte zur weiteren Nutzung von Kohle

Es gibt in Mitteldeutschland Forschungsprojekte dazu, ob Braunkohle künftig auch anders genutzt werden kann. Das wohl bekannteste ist Carbontrans, ein Projekt verschiedener Partner, unter anderem Leuna und dem Fraunhoferinstitut in Halle.

Christian Growitsch, der stellvertretende Institutsleiter, erklärt die Idee des Projekts: Kohlenstoffe aus Abfällen sollen für eine chemische Nutzung weiterverwendet werden. "Dabei kann auch die heimische Braunkohle eine Rolle spielen. Insbesondere dann, wenn wir, um die chemischen Prozesse zu unterstützen, die Braunkohle über einige Jahre einsetzen."

Egal, welche Verwendungsmöglichkeiten sich der Braunkohle jenseits der Verbrennung eröffnen: Maik Simon von der Mibrag geht davon aus, dass die Mengen, die dafür gebraucht werden, viel geringer sein werden als heute. Und er hat Zweifel, ob es sich dafür lohnen wird, weiter Tagebaue zu betreiben. Denn so ein Tagebau habe hohe Fixkosten. Final könne das heute aber niemand einschätzen. "Da muss man sehen, wo die Reise hingeht."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

26.06.2019 11:56 part 1

Die jetzige Verwendung von Braunkohle zur Verstromung ist jedenfalls der totale Irsinn, während Gaskraftwerke stillgelegt sind oder nicht ausgelastet fahren. Allein die beiden Kraftwerke von RWE in NRW produzieren 10 % der CO²- Emissionen in diesem Land. Dabei hat Braunkohle als Brennstoff einen sehr geringen Wirkungsgrad, der genau in der Mitte zwischen Torf und Steinkohle liegt.

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