Ein Schaufelradbagger SRs 2000 der MIBRAG steht bei frostigen Temperaturen im Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Pödelwitz (Sachsen) vor den Kühltürmen des Kraftwerks Lippendorf.
Beim Verbrennen von Braunkohle wird CO2 ausgestoßen. Bildrechte: dpa

Teure CO2-Zertifikate Braunkohle-Verstromung wird immer unrentabler

Die deutschen Braunkohlekraftwerke stoßen jährlich mehr als 300 Millionen Tonnen CO2 aus. Das ist schlecht für die Umwelt, erkannte die EU schon 2005 und führte den Emissionshandel ein. Seither müssen Kraftwerksbetreiber an der Leipziger Energiebörse CO2-Zertifikate erwerben. Für jede Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid zahlen sie. Doch die Zertifikate werden knapper – und die Preise dafür steigen. Lohnt es sich bald nicht mehr, ein Kohlekraftwerk zu betreiben?

von André Seifert, MDR AKTUELL

Ein Schaufelradbagger SRs 2000 der MIBRAG steht bei frostigen Temperaturen im Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Pödelwitz (Sachsen) vor den Kühltürmen des Kraftwerks Lippendorf.
Beim Verbrennen von Braunkohle wird CO2 ausgestoßen. Bildrechte: dpa

Das Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig arbeitet seit Monaten auf Sparflamme. Erst kürzlich war ein Block des Kraftwerks wochenlang komplett abgeschaltet. Ähnlich sieht es im Kraftwerk Schkopau aus: Dessen Auslastung in diesem Jahr liegt bislang bei 38 Prozent, zeigen Zahlen der Europäischen Strombörse. Auch in Boxberg, Schwarze Pumpe und Jänschwalde wird zurzeit deutlich weniger Braunkohle verbrannt als üblich. Ursache dafür sind die teuren CO2-Zertifikate:

Der CO2-Preis ist in den letzten zwölf Monaten um 300 Prozent gestiegen. Er hat sich vervierfacht. Das führt dazu, dass immer weniger CO2-Zertifikate in Anspruch genommen werden können.

Armin Eichholz, Mibrag-Geschäftsführer

Nicht nur den Braunkohlekonzern Mibrag verunsichern die hohen Preise. Auch "Eins" in Chemnitz ist davon betroffen. Der Energieversorger will sein Braunkohlekraftwerk im Norden der Stadt nun auf Gas umrüsten. Das ist emissionsärmer und damit rentabler, sagt deren Chef Roland Warner. Und mit Gas lasse sich verlässlicher planen: "Wenn wir so eine Investition tätigen, brauchen wir über 15 Jahre Planungssicherheit. Wir sind zu dem Schluss gekommen: Wir wollen neue Investitionen nicht mehr in der Braunkohle tätigen."

Zahl der CO2-Zertifikate verringert

Gehandelt werden CO2-Zertifikate an der Leipziger Energiebörse. Dort kostete ein solches Papier im September vor drei Jahren noch weniger als fünf Euro. Aktuell liegt der Preis bei rund 25 Euro. Beim Kraftwerk Lippendendorf (11,7 Millionen Tonnen CO2) macht das beispielsweise fast 300 Millionen Euro im Jahr.

Verantwortlich für den enormen Anstieg ist vor allem die EU, erklärt Professor Erik Gawel vom Umweltforschungszentrum in Leipzig. Noch vor Jahren sorgten viel zu viele Zertifikate für Dumpingpreise – nun aber nimmt die EU immer mehr Zertifikate vom Markt. "Dieser Mechanismus wird weitergehen", sagt Gawel. "Auch 2019 werden Zertifikate bewusst zurückgehalten, nicht in den Markt gegeben. Das verknappt die Zertifikate und dadurch gehen die Preise nach oben."

Braunkohle wird unrentabel

Von der Kohlekommission wurde der Kohleausstieg eigentlich für spätestens 2038 eingeplant. Erik Gawel vom Umweltforschungszentrum aber würde es nicht wundern, wenn die letzten Kohlemeiler schon 2030 vom Netz gehen. Einfach, weil es bei der derzeitigen Tendenz irgendwann unrentabel wird, ein Kraftwerk zu betreiben.

Bei etwa 50 Euro pro Tonne CO2 ist die Profitabilitäts-Grenze erreicht. Das wäre das wirtschaftliche Aus für die Kohleverstromung.

Prof. Erik Gawel, Umweltforschungszentrum Leipzig

Wie genau sich die Preise in Zukunft entwickeln, lasse sich schwer vorhersagen, so Gawel weiter. Dafür sei der Handel einfach zu komplex. Schon jetzt ist aber zu beobachten, dass Braunkohle als Energieträger immer unbeliebter wird – nicht nur beim Energieversorger "Eins" in Chemnitz, auch bei Kraftwerksbetreibern, zeigen Zahlen des Fraunhofer Instituts: Innerhalb eines Jahres sank demnach die Stromerzeugung mit Braunkohle um 28 Prozent, die Stromerzeugung mit Gas verdoppelte sich fast.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Oktober 2019 | 06:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2019, 05:00 Uhr

24 Kommentare

MDR-Team vor 2 Wochen

Lieber User, danke für Ihren Kommentar. Die Klimaerwärmung wird von Wissenschaftlern übereinstimmend als Fakt angesehen. Dazu kommt, dass die Geschwindigkeit der Erwärmung wohl beispiellos ist. Fakten dazu finden Sie unter anderem hier: https://www.mdr.de/wissen/klimazweifel-100.html
https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/so-eine-grosse-wirkung-hat-so-wenig-co2/
Für die Diskussion zu den Beiträgen würden wir uns wünschen, dass Aussagen mit Quellen belegt werden. Das garantiert eine Debatte auf der Grundlage von Fakten.
Danke und liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Strafrechts-Profit-eur vor 2 Wochen

Solarenergie- und Windkraftanlagen sind nur gebaut wurden, weil man sie extrem subventioniert hat.
Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte sich niemand solche Dinger angeschafft.

Strafrechts-Profit-eur vor 2 Wochen

Das hat alles mit einem angeblichen Erwärmungsklimawandel, der tatsächlich gar nicht stattfindet - schauen Sie mal auf die Heizkostenrechnung - absolut nichts zu tun.
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Dürren sind verursacht durch Waldrodung und massive Trockenlegung von Flächen zum Zweck der Bebauung und landwirtschaftlichen Nutzung
Das hat mit CO2 0,nichts zu tun.
Bei dieser Trockenlegung von Landschaft wurde der Umwelt massiv Böses Methan aus Sümpfen entzogen und zwar auf riesigen Flächen. Nach Klimaschwindler-Geschäftemacher-Logik müsste das erheblich zur Abkühlung führen. Und nun?
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Warme Luft steigt auf und transportiert die Wärme fort. Der Einfluss der Infrarotbanden angeblicher Treibhausgase, insbesondere 400 ppm CO2 ist dabei vergleichsweise völlig vernachlässigbar.
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Man hat Nahrungsmittelproduktion aufgegeben, um Biomasse oder Palmölplantagen zu betreiben. Das kritisieren die Klimaschwindler-Geschäftemacher nicht.
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Sollte man eigentlich alles wissen, wenn man meint, hier mitreden zu müssen.