Marktplatz in Pirna.
Auch an historisch anmutenden Orten - wie hier in Pirnas Innenstadt - wollen Einwohner und Firmen schnelles Internet. Bildrechte: imago/Westend61

Langsames Surfen Breitbandausbau in Sachsen geht voran

Noch mal kurz was im Internet nachgucken: klingt einfacher als mancherorts möglich. Denn es gibt sie auch in Sachsen noch: Orte, an denen Internetnutzer warten, dass die Seite lädt. Freistaat und Bund hatten für einen zügigen Breitbandausbau Millionen von Euro in Aussicht gestellt. Doch die Kommunen geben das Geld nur zögerlich aus. Läuft also etwas schief oder warum dauert es so lange?

von Astrid Wulf, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

Marktplatz in Pirna.
Auch an historisch anmutenden Orten - wie hier in Pirnas Innenstadt - wollen Einwohner und Firmen schnelles Internet. Bildrechte: imago/Westend61

Romantische Gassen, historische Gebäude, kurze Wege in die Sächsische Schweiz. Wer ins ostsächsische Pirna reist oder hier lebt, möchte aber trotz historischen Flairs schnelles Internet nutzen. Besonders am Stadtrand können Nutzer bisher nur langsam surfen.

Unterversorgte Gebiete sollen allerdings bald Geschichte sein. Klaus-Peter Hanke, der Oberbürgermeister von Pirna, ist froh, dass Bund und Land die Kosten für den Breitbandausbau übernehmen. Gefördert wird da, wo kein Telekommunikationsunternehmen investieren will. Mit den zugesicherten zehn Millionen Euro ist nun die Stadt am Zug, zu handeln.

Aufwendige Ausschreibungen und Firmen-Engpässe

Der Stadtchef hofft, 2020 mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Aber davor seien einige Hürden zu überwinden: der Ausbau und der Betrieb des Breitbandnetzes müssten europaweit ausgeschrieben werden. Die Stadt bereite dieses aufwendige Verfahren gerade vor. Außerdem müssten Bauunternehmen gefunden werden. Nicht nur in Pirna, erklärt Staatssekretär Stefan Brangs, der Beauftragte der Landesregierung für Digitales.

Das größte Problem ist im Moment: wir brauchen auch Tiefbaufirmen, die das Ganze umsetzen. Das heißt, die Tiefbaukapazitäten sind an ihren Grenzen angelangt.

Landesbeauftragter für Digitales, Stefan Brangs

Mitte 2018 waren laut Breitbandatlas 70,8 Prozent Sachsens mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde versorgt. Etwa zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Brangs zufolge hat sich der Freistaat im bundesweiten Vergleich deutlich verbessert. Kein anderes Bundesland habe so viel wie jetzt an Zubau realisiert.

700 Millionen Euro stehen bereit - werden bisher aber kaum abgerufen

Für alle Städte und Gemeinden gebe es inzwischen Projekte und das Land helfe bei der Koordination des Ausbaus. Über die 700 Millionen Euro im Breitbandfonds hinaus stehen weitere Landesgelder zu Verfügung. Ziel ist zum Beispiel, dass die Landkreise gemeinsam agieren. André Jacob, Geschäftsführer des sächsischen Landkreistags lobt die Landesregierung:

Der Freistaat hat die Rahmenbedingungen deutlich verbessert. Dafür sind wir dankbar. Das, was versprochen worden ist, wurde gehalten.

André Jacob, Geschäftsführer des sächsischen Landkreistags

An die Bürger appelliert Jacob, Verständnis und Geduld zu haben. Es seien viele Schritte zu gehen. Dass bisher kaum Gelder tatsächlich geflossen sind, liege daran, dass diese erst abgerechnet werden können, wenn Rechnungen für Bauarbeiten vorliegen.

Linke: Anschluss trotzdem verpasst

Auch die Linksfraktion im sächsischen Landtag erkennt auf Nachfrage an, dass die Landesregierung aktuell das Maximale rausgeholt habe - nachdem viel zu spät gehandelt worden sei. Gleichzeitig kritisiert die Oppositionspartei, dass für schon jetzt absehbare, zukünftige Entwicklungen nicht ausreichend getan werde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. April 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 05:00 Uhr

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10 Kommentare

09.04.2019 15:20 Klarheit 10

"Breitbandatlas des Bundes" ,
ach der gute Atlas der Verfügbarkeit ist leider Schrott - nach diesen müßte ich mind. 6MBit haben in der Gemeinde zu100% (bei Anbindung DSL sind es schon nur noch 68% mit 1Mbit) ..... leider liegen bei mir nur 0,5 MBit an ..... und ich habe viel versucht in den letzten 15 Jahren .... ich habe im Verein Telekom-Techniker ......
Wie war Merkels großmaulige Ansage " 50 Mbit/s für alle - ab dem Jahr 2018 " ..... und in Berlin sollten schon 2012 am BER Flugzeuge abheben ...... wenn viel "gebaut" wird bedeutet dies noch lange nichts werter Mediator , maximal das man 20 Jahre verschlafen hat wegen Unfähigkeit !

09.04.2019 12:10 Dorfbewohner 9

“Mediator an Dorfbewohner(6) 8

Statt mit mir Wortklauberei zu betreiben schauen sie sich doch einfach einmal den Breitbandatlas des Bundes an. Dort können sie für ihre Region bis auf die Ebene jeder Gemeine nachschauen, wie viel Prozent der Haushalte mit welcher Geschwindigkeit angebunden sind.

Ansonsten fahren sie einfach mal mit offenen Augen durch die gegend und achten sie auf die großen Kabeltrommeln mit Glasfaserleitungen die in der Gegend herumstehen…”

So, so, “Wortklauberei”?

Ihr “Breitbandatlas des Bundes” weist für meinen Ort eine “Breitbandverfügbarkeit von 0 bis 10%” aus und da ist das schon die Angabe für alle 5 Ortsteile! Die am weitesten von der Hauptverteilung weg liegen, werden demzufolge alle bei 0% liegen!

Übrigens brauche ich auch keine Angst zu haben, über “große Kabeltrommeln mit Glasfaserleitungen” zu stolpern. Hier sieht man im Umkreis von zig km nicht eine einzige stehen!

09.04.2019 09:10 Mediator an Dorfbewohner(6) 8

Statt mit mir Wortklauberei zu betreiben schauen sie sich doch einfach einmal den Breitbandatlas des Bundes an. Dort können sie für ihre Region bis auf die Ebene jeder Gemeine nachschauen, wie viel Prozent der Haushalte mit welcher Geschwindigkeit angebunden sind.

Ansonsten fahren sie einfach mal mit offenen Augen durch die gegend und achten sie auf die großen Kabeltrommeln mit Glasfaserleitungen die in der Gegend herumstehen.

@Jan(7) Na dann benennen sie doch mal ihre Gemeinde. Dann kann man ja nachsehen, ob ihre Aussage zutrifft. Wer mit 2 MBit angebunden ist, der muss schon ziemlich weit weg von der nächsten Vermittlungsstelle wohnen.

08.04.2019 23:16 Jan 7

Mit Geduld ist das so ne Sache, gefühlt wird man immer nur vertröstet "nächstes Jahr geht's los, ja nächstes Jahr packen wir das"
Wir haben hier seit 15 Jahren 2 MBit ohne Aussicht auf baldige Besserung. Dabei wird bei uns seit ca. 1 Jahr ne neue Kläranlage gebaut wo ständig die Straße offen ist, aber naja 2025 wenn's gut geht.

08.04.2019 22:27 Dorfbewohner 6


“Mediator an Dorfbewohner (4) 5

...- es wird überall intensiv gebaut…”

Nun werter Mediator, warum ich interveniere?
Weil z.B. auch der Duden “überall” definiert,ich zitiere:

“...Bedeutungsübersicht

1. an jeder Stelle, an allen Orten; in jedem Bereich
2. bei jeder Gelegenheit…”

Und ist das so hierzulande, Breitbandausbau "überall"?

08.04.2019 18:56 Mediator an Dorfbewohner (4) 5

Was hat es bitte mit Propaganda zu tun, wenn ich feststelle:

- es wird überall intensiv gebaut
- die limitierenden Faktoren beim Breitbandausbau sind weder Geld noch Glasfaserkabel sondern die Firmen die deren Verlegung planen und durchführen.

Planung und Durchführung sind jedoch nicht Aufgaben des Bundes, sondern hier sind andere Player in der Verantwortung. Das sind im wesentlichen die Telekommunikationsanbieter sowie die Länder und Kommunen, die an der Planung und evtl. an der Bezuschussung beteiligt sind.

Oft muss lediglich der Ort durch Glasfaser angebunden sein und dann geht es ganz schnell von 6 MBit auf 100 MBit / s.

Meine Eltern wohnen 15 km von der Kreisstadt entfernt und haben satte 100 MBit an VDSL anliegen.

08.04.2019 15:34 Dorfbewohner 4

“Mediator 3

Der Breitbandausbau ist leider komplizierter als man sich das vorstellt... Die Telekom heuert inzwischen aus ganz Europa Kräfte an um die Kabel zu verbuddeln und anzuschließen…
Da überall gebaut wird..”

Voranstellen muss ich allerdings, dass ich nicht von Sachsen schreibe, sondern in Thüringen zu Hause bin aber bei dem Spruch, “Da überall gebaut wird”, muss ich ganz einfach ein Hallo sagen.

Diese Art, der Propaganda kommt mir vor wie früher mal das ND(Zentralorgan er...Sie wissen schon) vor 4 Jahrzehnten. Dort schrieb man auch mal, dass die “Grüne Welle” Thüringen fast überrollt, nur weil mal Anfang Mai ein paar “Dezitonnen grüne Gurken” dem Handel zur Verfügung gestellt wurde!

Mediator, ich wohne Luftlinie ca. 4km von der Kreisstadt entfernt und schon seit eh und je ist das ‘Handliche’ nur zum Anschauen geeignet!

08.04.2019 09:29 Mediator 3

Der Breitbandausbau ist leider komplizierter als man sich das vorstellt. Der Freistaat hat inzwischen einiges unternommen um die Rahmenbedingungen zu verbessern und er unterstützt auch die Gemeinden.

Woran es aber fehlt ist tatsächlich die Kapazität für den Ausbau. Die Telekom heuert inzwischen aus ganz Europa Kräfte an um die Kabel zu verbuddeln und anzuschließen. Wieder ein schönes Beispiel, wo ohne Arbeitnehmerfreizügigkeit nichts gehen würde. Da überall gebaut wird sind darüberhinaus auch Planungskapazitäten knapp.

08.04.2019 08:35 Klarheit 2

----"....An die Bürger appelliert Jacob, Verständnis und Geduld zu haben. ...."-----,

die Wahl rückt näher und alles mögliche wird jetzt als "Erfolgsmeldung" lanciert....... und Ausreden natürlich gleich mit warum es doch nicht klappt.........

08.04.2019 08:09 Halligalli 1

In einem anderen Medium habe ich gelesen , es fehlen überall Tiefbau Kapazitäten?