Ein neuer Brennstoffzellenbus.
Brennstoffzellenbusse benötigen bislang noch eine Zwischenbatterie. Chemnitzer Firmen arbeiten, daran, die Batterie und damit viele Rohstoffe einzusparen. Bildrechte: dpa

Nahverkehr Firma aus Chemnitz entwickelt umweltfreundliche Busse

Eine Chemnitzer Firma will den Nahverkehr umweltfreundlicher machen – mit einem Brennstoffzellenbus, der gänzlich ohne lithium- und kobalthaltige Batterien als Zwischenspeicher auskommt. In England sollen schon bald Doppelstockbusse mit der neuen Technik aus Sachsen fahren.

von Annegret Faber, MDR AKTUELL

Ein neuer Brennstoffzellenbus.
Brennstoffzellenbusse benötigen bislang noch eine Zwischenbatterie. Chemnitzer Firmen arbeiten, daran, die Batterie und damit viele Rohstoffe einzusparen. Bildrechte: dpa

Chemnitz rüstet sich zum Brennstoffzellen-Geburtsort. Der Verbund aus Universität, Forschungseinrichtungen und Firmen scheint dafür gute Bedingungen zu bieten. Denn eingebettet in dieses Umfeld entstand die Firma Fuel Cell Powertrain, übersetzt: Brennstoffzellen-Antriebsstrang. Gemeinsam mit der Chemnitzer Firma Hörmann Vehicle Engineering plant und entwickelt Fuel Cell Powertrain Brennstoffzellenantriebe für Busse und Logistikfahrzeuge.

"Wir betreiben eine Vorentwicklung, Brennstoffzelleneinsatz in Bussen, in Stadtbussen und haben dafür ein Konzept entwickelt, das darauf beruht, dass wir die benötigte Pufferbatterie als Energiespeicher reduzieren wollen", sagt Systementwickler Volker Fiedler.

Batterie wird überflüssig

Reduzieren bedeutet: Die Batterie wird ganz eingespart. Das wäre tatsächlich eine absolute Neuheit und könnte das Rohstoffproblem lösen, vor dem Batteriehersteller bald stehen könnten. Denn bisher brauchen auch wasserstoffbetriebene Fahrzeuge noch eine Batterie, also einen Akku unter der Motorhaube, um Energieschwankungen ausgleichen zu können.

Der Energiebedarf oder der Leistungsbedarf eines Fahrzeuges könne sich je nach Beschaffenheit der Straße schnell ändern, sagt Volker Fiedler. "Diese sporadischen Lastanforderungen werden bei Brennstoffzellenfahrzeugen in der Regel durch Zwischenspeicher abgepuffert." Durch Batterien also. Je schneller eine Brennstoffzelle reagiert, umso kleiner könne dieser Zwischenspeicher sein, erläutert Volker Fiedler.

Die Reaktionszeiten befinden sich in Sekundenbereich und man kann Sekundenbedarfe mit sogenannten Supercap Kondensatoren sehr gut abdecken. Das ist unser Ansatz für die technische Lösung.

Volker Fiedler, Systementwickler

Superkondensatoren sollen also die Batterie ersetzen. Tatsächlich haben sie viele Vorteile. Sie können sehr viel schneller ge- und entladen werden und halten das Zehnfache an Lade- und Entladevorgängen aus. Das heißt, sie leben zehnmal so lang.

Erste Kaufinteressenten aus England

Die so ausgestattete Brennstoffzelle soll letztlich einen Bus umweltfreundlich 400 km weit bewegen und auf dieser Strecke 30 bis 40 Kilo Wasserstoff verbrauchen. Das entspräche den derzeitigen Dieselkosten. "In drei Jahren müssen die Prototypen fahren und stehen, die wir selbst entwickeln können", sagt Volkmar Vogel von der Chemnitzer Firma Hörmann Vehicle Engineering.

Allerdings werden die Busse vermutlich erst in anderen Ländern fahren, schätzt Vogel. Erste Kaufinteressenten kämen aus England. Aber auch Deutschland müsse mitziehen. Brüssel schiebt die Umstellung auf umweltfreundliche Busse mit 25 Millionen Euro Fördermitteln an. Ziel sind 300 Wasserstoffbusse in europäischen Städten bis 2023.

Wir sind bestrebt, diese Fördermittel zu beantragen und sind auch bestrebt, dass wir Innovationen liefern können, die nur Sachsen liefern kann.

Volkmar Vogel, Hörmann Vehicle Engineering

In Mitteldeutschland fahren noch keine Brennstoffzellenbusse. In anderen Bundesländern gibt es einige Prototypen. Diese Busse sind Einzelanfertigungen und sehr teuer. Ohne die Förderung könnten Kommunen sich heute diese umweltfreundliche Technik nicht leisten.  Sie alle brauchen aber noch immer Batterien mit Lithium und Kobalt. Mit der Chemnitzer Entwicklung könnte dieses Rohstoffproblem bald vom Tisch sein. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Dezember 2018 | 06:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Dezember 2018, 05:00 Uhr