Logistik-Zentrum von KNV in Erfurt
Die KNV-Gruppe hatte Mitte Februar Insolvenz angemeldet. KNV ist der größte Buchgroßhändler im deutschsprachigen Raum. Im Bild zu sehen: Das Logistikzentrum in Erfurt. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Buchhandel Hoffnung für insolventen Buchgroßhändler KNV?

Diese Pleite versetzt die gesamte Buchbranche in Aufruhr: Mitte Februar musste der Buchgroßhändler KNV Insolvenz anmelden. Kleine Buchhändler fragen sich nun, wie lange die Lieferkette noch hält - und Beschäftigte in der Logistik-Zentrale in Erfurt bangen um ihre Jobs. Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee äußerte sich hoffnungsvoll, ebenso der Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Logistik-Zentrum von KNV in Erfurt
Die KNV-Gruppe hatte Mitte Februar Insolvenz angemeldet. KNV ist der größte Buchgroßhändler im deutschsprachigen Raum. Im Bild zu sehen: Das Logistikzentrum in Erfurt. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Noch hält die Lieferkette. Heike Grümmer steht in ihrem kleinen Buchladen in Leipzig und kann fast alle Titel bestellen. Der Insolvenzverwalter von KNV mache einen guten Job, findet sie. Trotzdem müsse für den Buchgroßhändler schnell eine Lösung her. Denn kein anderer bestücke so viele kleine Läden über Nacht mit so viel Literatur.

Und außerdem ist es auch eine moralische Sache, weil KNV ist ein ganz altes Familienunternehmen, das ursprünglich mal in Leipzig gegründet wurde. Ein sehr menschlicher und sehr humaner Großhändler, der auch immer geholfen hat, wenn es eine Zahlungsnot bei jemandem gegeben hat.

Heike Grümmer, Buchladen-Inhaberin

Tiefensee: Beschäftigte erhalten Löhne

Wolfgang Tiefensee SPD Wirtschaftsminister Thüringen
Wirtschaftsminister Tiefensee hat Hoffnung. Bildrechte: IMAGO

Nun ist KNV selbst in Zahlungsnot. Betroffen sind neben Händlern und Verlagen vor allem die 1.000 Beschäftigten im Logistikzentrum Erfurt. Dieses Zentrum hatte KNV erst 2014 eröffnet. Eine riesige Halle, 150 Millionen Euro teuer. Trotz 22 Millionen Euro Zuschuss vom Land war das Projekt wohl eine Nummer zu groß, denn es gab erhebliche Startprobleme.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee hat sich beim Insolvenzverwalter erkundigt, wie es weitergehen kann. "Und der sagt, es ist in der Tat in der letzten Woche ziemlich turbulent gewesen für die Beschäftigten", erzählt Tiefensee. Nun sei aber glücklicherweise wieder Ruhe eingekehrt in der Firma.

Die Beschäftigten erhalten ihre Löhne. Und was besonders wichtig ist: Die großen Verlage haben sich entschlossen, KNV weiter zu beliefern. Grundvoraussetzung, dass es überhaupt weitergehen kann. Es ist eine Situation, die durchaus Anlass zur Hoffnung gibt.

Wolfgang Tiefensee, Wirtschaftsminister Thüringen

Ab jetzt gelieferte Waren nicht in Insolvenzmasse

Dass die Verlage wieder liefern, liegt an den erweiterten Kompetenzen des Insolvenzverwalters. Er kann garantieren, dass ab jetzt gelieferte Waren nicht in die Insolvenzmasse eingehen, sondern bezahlt werden. Dennoch schuldet KNV vielen Verlagen Geld, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer im Börsenverein des Deutschen Buchhandels:

Bis zur Stellung des Insolvenzantrages sind die Forderungen, die die Verlage gegen KNV haben, nicht bedient worden. Und das ist ein Problem, vor allem für die kleinen und mittleren Verlage, weil jetzt das Weihnachtsgeschäft abgerechnet werden müsste.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer im Börsenverein des Deutschen Buchhandels

So manchen Verleger könne das noch in existenzielle Not bringen, befürchtet Skipis.

Kein Betriebsrat gewählt

Gemischte Gefühle hat auch Ronny Streich von Verdi. Der Gewerkschafter bedauert, dass es vor der Insolvenz nicht gelungen ist, in Erfurt einen Betriebsrat zu wählen. Streich erklärt, dass KNV sich massiv dagegen gewehrt habe und zwar mit verschiedenen Maßnahmen. Das falle den Kollegen jetzt auch auf die Füße:

Denn mit einem Betriebsrat hätten sie noch einmal ganz andere Möglichkeiten der Arbeitsplatzsicherung oder gegebenenfalls, falls es doch schwierig wird, einen Sozialplan oder einen Interessensausgleich auszuhandeln.

Ronny Streich, Verdi

Inzwischen spekulieren Branchenkenner über mögliche Investoren für KNV. Dabei fällt auch der Name Amazon. Ausgerechnet der dürfte viele kleine Buchhändler aber verschrecken. Schließlich macht ihnen der Onlinehändler seit Jahren die Geschäfte schwer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Februar 2019 | 06:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2019, 06:31 Uhr