Coronavirus Busunternehmen in der Krise

Wegen der Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie geraten auch viele Busunternehmer in die Krise, vor allem solche, die allein im Tourismus tätig sind. Ihr Verband fordert eine bessere Unterstützung der Branche - vor allem durch Direktzahlungen, statt durch Kredite. Auch Schülerverkehr sei gefährdet.

Absperrung mit Corona-Hinweis in Erfurter Bus
Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Steffen Weigt hat noch Glück gehabt. Er betreibt mit seiner Familie den Busbetrieb Weigt in der Gemeinde Nünchritz bei Riesa in Sachsen. So langsam kommt das Geschäft wieder ins Rollen: "Wir fahren jetzt wieder den Schülerverkehr und dementsprechend fahren wir jetzt auch wieder ein bisschen Geld rein", sagt er:

Das Problem, das wir wirklich haben, ist der Reise- und Gelegenheitsverkehr.

Steffen Weigt, Busunternehmer

Die Reisebusse stehen still. Der kleine Busbetrieb von Weigt hat jedoch zwei Standbeine. Er bringt Reisende durch Sachsen, Deutschland und Europa. Außerdem ist er als Vertragsunternehmen für die Meißner Verkehrsgesellschaft im Landkreis Meißen unterwegs, zum Beispiel auch im Schülerverkehr. Dieser Mix zahlt sich jetzt aus.

Kommen wir mit 'nem blauen Auge davon, würde ich sagen.
Da sieht es bei Kollegen, die nur Reise- und Gelegenheitsverkehr fahren, ganz anders aus.

Busunternehmer Steffen Weigt

Ein Reisebus auf der Straße.
Für Reisebusunternehmen sieht es nicht gut aus. Wann sie wieder Einnahmen haben, ist offen. Bildrechte: imago images / Arnulf Hettrich

So wie bei Norbert Scheibner, Chef von Scheibner-Reisen. Das Unternehmen aus Oelsnitz im Erzgebirge setze hauptsächlich auf Busreisen: 80 bis 90 Prozent mache der Bereich Touristik aus. Und eigentliche wäre gerade ist Hochsaison für Busreisen. Eine schwere Situation für den Unternehmer.

Ich habe nicht einen Bus laufen momentan. Ich habe die Nummernschilder abmontiert und bei der Zulassungsstelle abgemeldet. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

Busunternehmer Norbert Scheibner

Für ihn komme das "einem Betriebsverbot" gleich. Scheibner nimmt jetzt alle staatlichen Hilfen in Anspruch, die er bekommen kann. Er glaubt, dass sein Unternehmern es durch die Krise schaffen wird. Für die nächste Zeit geplante Investitionen fallen allerdings aus.

Verband will Direktzahlungen statt Kredite

"Schwer werden es die haben, die nichts auf der hohen Kante haben", sagt auch Christian Wahl. Er spricht für den Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer.

Das sind kleine und mittlere Unternehmen. Traditionsunternehmen, die ein Gewerbe betreiben, das hohe Kosten hat. Ich nenne da mal die Fahrzeugfinanzierung. Und relativ geringe Margen. Insofern ist es so, dass die Busunternehmen diese wirtschaftliche Krise nicht sehr lang aushalten können.

Christian Wahl, Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer

Laut einer verbandsinternen Umfrage war die Lage bereits Anfang April für mehr als 80 Prozent der Unternehmen existenzbedrohend. Mit Krediten sei da nicht viel gewonnen.

Senioren steigen in einen Bus für eine sog. Kaffeefahrt
Kredit statt Kaffeefahrt? Verband fordert Direktzahlungen. Bildrechte: imago images / Geisser

"Irgendwann müssen diese Gelder aufgebracht werden und das mit einer Verzinsung mit drei Prozent, was für schwierige Bedingungen sorgt. Wenn wie bisher wochenlang gar keine Einnahmen da sind. Dann ist einfach die Rückzahlung von Krediten nicht vorstellbar. Es verlagert das Problem in die Zukunft." Wahl fordert deshalb mehr Direktzahlungen - statt Kredite.

Der Bundesverband befürchtet, dass die Coronakrise langfristig Folgen für die Mobilität in Deutschland haben wird. "Viele angesprochene Unternehmen bieten Linienverkehr an, bieten Schülerverkehr an." Sei ein Unternehmen aber auch im Touristikbereich tätig gerate dort unter Druck, "besteht natürlich auch die Gefahr, dass die ÖPNV-Grundversorgung gefährdet ist".

Busunternehmer Norbert Scheibner aus dem Erzgebirge hat die aktuelle Saison schon abgeschrieben. Er schielt schon mal vorsichtig in Richtung Winter.

Ich gehe mittlerweile davon aus, das einzige, was wir noch mitnehmen können, sind die Adventsfahrten und die Silvesterfahrten. Alles andere wird für uns verloren sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. April 2020 | 05:00 Uhr

2 Kommentare

wer auch immer vor 10 Wochen

Auch eine Dienstleistung die nur davon lebt, das Geld ausgegeben wird, welches zum Leben, also für Essen, Trinken und Miete nicht benötigt wird.
Wir leben noch, freut euch.

Übrigens reicht Essen und Trinken den Ureinwohner im Brasilianischen Urwald völlig aus.
NICHTS BLEIBT WIE ES IST.

Ossigoire vor 10 Wochen

Man kann nicht alle Menschen gleichzeitig zufriedenstellen; Egal, welche Entscheidung man trifft, einem passt sie mit Sicherheit nicht