Raumfahrt Warum investiert die CIA in Dresden?

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Das Dresdner Unternehmen "Morpheus Space" baut die weltweit kleinsten Antriebe für Satelliten. Für ihre Firma suchten die Gründer zuletzt Kapitalgeber. Eingestiegen ist dann unter anderem die Investmentgesellschaft "In-Q-Tel", die wiederum vom US-Geheimdienst CIA finanziert wird. Hörerin Caroline Teichmann fragt: "Wie kommt es dazu, dass solche zukunftsweisenden und strategischen Technologien von der Regierung nicht besser geschützt werden?"

Satellit Morpheus neben Cola-Dose
An diesem Mini-Satellitenantrieb ist offenbar der US-Geheimdienst CIA interessiert. (Zum Vergleich liegen die Bauteile des Satellitenantriebs neben einer handelsüblichen Getränkedose.) Bildrechte: Morpheus Space GmbH

Das Weltall ist zwar unendlich, aber rund um die Erde wird es langsam eng. Denn immer mehr Staaten, Universitäten und Unternehmen schicken Satelliten in die Umlaufbahn. Damit sie sich dort bewegen können, hat die Dresdner Firma "Morpheus Space" Antriebe entwickelt. In einem Imagevideo sagt Gründer Daniel Bock, es seien die kleinsten Satellitenantriebe der Welt. "Wir sorgen dafür, dass Satelliten ausweichen können, um potenzielle Kollisionen zu vermeiden. Und wir vermeiden auch Weltraumschrott, indem wir die Satelliten nach dem Ende ihrer Mission sicher in der Erdatmosphäre verglühen lassen. Dank unseres Antriebs."

Technologie nicht vor ausländischen Investoren geschützt

Die Dresdner haben im Sommer den Sächsischen Gründerpreis erhalten: 10.000 Euro. Doch um zu wachsen, braucht es mehr. Und so suchten sich die Gründer in diesem Jahr gleich sechs Risikokapitalgeber. Unter ihnen ist auch "In-Q-Tel", eine amerikanische Beteiligungsgesellschaft. Sie bekommt ihr Geld direkt vom Geheimdienst CIA.

Bei Nico Brünler, dem wirtschaftspolitischen Sprecher der Linken im Sächsischen Landtag, sorgt das für ein Stirnrunzeln. "Das riecht schon nach Problem", sagt er.

Wenn der Freistaat schon innovative Startups fördert und auszeichnet, dann sollten das Know-how und die Wertschöpfung in hiesiger Hand bleiben.

Nico Brünler, für die Linke im sächsischen Landtag

Brünler wünscht sich, dass sich der Freistaat Sachsen selbst an innovativen Firmen beteiligt. Eine komplette Übernahme durch ausländische Geldgeber müsse Deutschland stärker als bisher von einer Genehmigung abhängig machen – zumindest in bestimmten Branchen. "Ein solcher Verkauf darf nur zustande kommen, wenn der Staat dem auch zustimmt." Doch bei "Morpheus Space" ist es ja noch nicht so weit. "In-Q-Tel" ist nur ein Investor von sechs – und unter denen nicht der größte.

Einflussnahme durch die USA?

Trotzdem entsteht der Eindruck, dass die Amerikaner bei "Morpheus Space" schon mitentscheiden. Denn die Dresdner Entwickler haben Richard Vaughn Spencer in ihren Vorstand berufen. Spencer war mal Marineminister unter Donald Trump.

Geschäftsführer Daniel Bock sagt, man schätze ihn aber aus anderen Gründen: "Spencer bringt einen enormen Erfahrungsschatz und ein weitreichendes Netzwerk mit sich. Vor seiner politischen Karriere hat er für drei Jahrzehnte die Wall Street mitgeprägt und erfolgreich Börsengänge von heutigen Weltkonzernen vorbereitet und durchgeführt."

In Produkte investieren statt kurzfristig fördern

Dass sich Amerikaner für deutsche Weltraumtechnik interessieren, ist nicht ungewöhnlich. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat mehrere vergleichbare Fälle registriert. Matthias Wachter leitet die Abteilung für Sicherheit und Rohstoffe. Er sagt, eine Beteiligung ausländischer Geldgeber an den Firmen sei kein Problem. Und doch solle Deutschland darauf achten, die Firmen im Land zu halten. Dafür würde es helfen, wenn der Staat selbst hin und wieder Weltraumtechnik bei ihnen kaufen würde.

Der Staat sollte verstärkt als Ankerkunde für junge Unternehmen auftreten. Und nicht wie bisher über kurzfristige Forschungsförderung oder Projektförderung versuchen, die Unternehmen zu unterstützen.

Matthias Wachter, Bundesverband der Deutschen Industrie

Er würde auch eine "deutsche Startplattform für kleine Trägerraketen in der Nordsee" begrüßen. Davon, sagt Wachter, würden alle profitieren, die sich in Deutschland mit Weltraumtechnik beschäftigen. Bislang säßen potenzielle Partner und Kunden vor allem in den USA und in China. Deswegen würden vermehrt auch Risikokapitalgeber aus diesen Ländern bei deutschen Weltraum-Startups einsteigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Oktober 2020 | 05:00 Uhr

7 Kommentare

Les joueurs d echecs vor 6 Wochen

unsere geheimen Dienste entstanden mit CIA Hilfe und USA ist unser wichtigster Verbündeter - garantiert westliche Freiheit und beschützt uns seit der Befreiung 1945 von den Nazis - wir sollten vertrauen

DER Beobachter vor 6 Wochen

Insgesamt haben Sie wohl recht. Dennoch denke ich, dass solche sicherheitsrelevanten Verträge, selbst wenn sie mit dem Unternehmen eines Bündnispartners sind, nicht ohne Abstimmung mit den betreffenden staatlichen Behörden getroffen werden sollten...

Klarheit vor 6 Wochen

genau so ist es !
In Merkel-Deutschland , den Land der Bedenkenträger und Neinsager ist ein klarer Trend zur Abkehr von Technologie und Fortschritt zu erkennen ..... hier gehts über das Fahrrad zurück zum Pferdefuhrwerk und Kerzenlicht in der Lehmhütte .....

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