Pandemie Sachsen-Anhalter Firma arbeitet an Corona-Impfstoff

Weltweit suchen Pharmaunternehmen nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Bei diesem Rennen macht auch eine mittelständische Firma aus Sachsen-Anhalt mit, die IDT Biologika, besser bekannt als Impfstoffwerk Dessau-Tornau. Es ist das einzige Unternehmen in Mitteldeutschland, das einen eigenen Corona-Impfstoff auf den Markt bringen will. Wie weit ist die Entwicklung vorangeschritten?

Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze
Die Firma IDT Biologika forscht an einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Bildrechte: dpa

Für Andreas Neubert sind Corona-Viren fast schon alte Bekannte. Denn der Forschungsleiter des Pharmaunternehmens IDT Biologika beschäftigt sich schon länger mit einem besonderen Corona-Typ, dem MERS-Virus. Dieser wird von arabischen Kamelen auf Menschen übertragen. Rund ein Drittel der Erkrankten stirbt. Schon seit 2018 suchen mehrere Partner einen Impfstoff.

Andreas Neubert erklärt: "Wir sind für das MERS-Projekt die Projektleiter, IDT leitet dieses Projekt mit mir in Person. Das heißt, wir koordinieren dieses Projekt und haben damit eine Plattform-Technologie entwickelt, die es uns ermöglicht, auch gegen das neue Sars-Corona-Virus 2 zu immunisieren."

Forschung an "Vektor-Impfstoff"

Neuberts Ziel ist, mit den Erfahrungen aus MERS das neuartige Coronavirus einzudämmen. IDT Biologika setzt dabei auf Vektor-Impfstoffe. Darin sind sogenannte Träger-Viren enthalten. In diese werden Erbinformationen des krankmachenden Coronavirus eingebaut. Wenn damit geimpft wird, baut das Immunsystem im Idealfall einen Schutz auf.

Wichtig zu wissen sei, dass diese Trägerviren absolut unschädlich für den Menschen seien, so Neubert: "Das sind alles Viren, die schon seit über 20 Jahren getestet werden in verschiedensten Entwicklungen für prophylaktische aber auch für therapeutische Impfungen. Und wir nutzen dafür ein Pockenvirus, das nennt sich MVA, das ist in den siebziger Jahren entwickelt worden."

Von Haus aus ist Neubert eigentlich Tierarzt. Der gebürtige Sachse hat über Viren promoviert und vor 38 Jahren bei den Impfstoffwerken in Dessau-Tornau angefangen. Dort hat der Mediziner zunächst vor allem Tier-Impfstoffe mitentwickelt und sagt: "Das sind Impfstoffe gegen Staupe zum Beispiel. Unser größter Impfstoff, den wir gemeinsam entwickelt haben hier im Hause, war der Tollwut-Impfstoff, der zu Bekämpfung der Tollwut bei Füchsen eingesetzt wurde. Ein oraler Impfstoff. Der hat dazu geführt, dass Deutschland und Europa inzwischen tollwutfrei sind. Das heißt also, dass terrestrische Tollwut beim Fuchs nicht mehr vorkommt."

Ende September klinische Prüfung

Seit 1997 suchen Neubert und Kollegen verstärkt auch nach Impfstoffen für Menschen. IDT hat einen Ebola-Impfstoff mitentwickelt, war beteiligt an Projekten gegen HIV. Bei Corona arbeiten die Dessauer mit Instituten in Marburg, München und Hamburg zusammen.

Neubert sagt: "Wir glauben, dass wir mit unserem Impfstoff Ende September in die klinische Prüfung gehen können. Und werden dann gleichzeitig versuchen, die Produktion weiterzuführen, um dann für eine viel größere Prüfung zur Wirksamkeit Anfang nächsten Jahres zu starten."

Normalerweise dauert so eine Entwicklung Jahre, erklärt Neubert. Und manchmal habe man auch nach Jahrzehnten noch keinen Durchbruch, wie zum Beispiel bei HIV. Und doch ist er optimistisch, dass irgendeine Impfung gegen Corona kommen wird: "Das Tolle ist ja, dass wir so viele verschiedene Konzepte haben. Und aus den Konzepten werden einige funktionieren und einige werden vielleicht nicht so gut funktionieren. Die Vielfalt der Konzepte ist der andere Teil des Optimismus in mir, dass sich einige dieser Konzepte auf jeden Fall durchsetzen werden."

Dass das eigene Konzept funktioniert, hofft Neubert. Sicher sein kann er sich nicht. Weltweit gibt es mehr als 100 Corona-Impfstoffprojekte. Das deutsche Unternehmen BioNTech hat bereits mit klinischen Tests begonnen. Am Ende zählt aber nicht, wer Erster war, sondern wessen Produkt möglichst lange vor Ansteckung schützt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Mai 2020 | 05:00 Uhr

11 Kommentare

Altmeister 50 vor 25 Wochen

Lieber Peter,
Sie blenden wahrscheinlich absichtlich bei ihrem Vergleich mit Südkorea aus, dass es dort niemals einen kompletten Lockdown mit den schlimmen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kollateralschäden gegeben hat (welche bei uns immer noch weiter fortschreiten), wodurch man in der Lage ist, selektiv vorzugehen.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 25 Wochen

"wenden Sie Ihren Blick mal ganz kurz nach Südkorea. "

in Südkorea gibt es auch mehr Rikscha Unfälle.

Ihr Zitat geht wieder mal @Peter & Co, ad absurdum.

Peter vor 25 Wochen

Na Sonnenseite, haben Sie sich wieder mal ein Video vom Kochbuchschreiber angeschaut?
Und bitte, Sie müssen sich verhört haben. Hinsichtlich der Meinung von Herrn Drosten zu "Corona" und "Grippe" gibt es wohl kaum Missverständnisse.
Komisch: Auch in den USA ist die wetterbedingte Grippezeit vorbei. In Europa auch. Nur in den USA wütet Corona weiter ohne Unterlass. In GB übrigens auch. Und Premier Johnson ist inzwischen geheilt, nicht von der Grippe, aber von Corona. Tja, vielleicht bedarf es persönlicher Erfahrungen, um zu lernen, Sinn und Unsinn auseinander zu halten.