Beispiel aus Leipzig Soforthilfe: Wie leicht kommt man als Kleinunternehmer an die staatliche Förderung?

Künstler, Restaurantbetreiber, Kleinunternehmer – das sind Gruppen, die von der Corona-Krise besonders stark betroffen sind. Vergangene Woche hat die Bundesregierung deswegen Soforthilfen beschlossen. Seit Montag können sie beantragt werden. Das hat auch Beate Hertes versucht, eine Kleinunternehmerin aus Leipzig, die wir durch diese Krise begleiten. Wie kommt sie mit den Anträgen klar? Wie sieht ihr Alltag mit einem geschlossenen Laden aus?

Gleich am Montagvormittag hat Beate Hertes ihren Laptop aufgeklappt und sucht nach einem Förderantrag: "Bundesministerium für Finanzen. Schauen wir mal, ob die inzwischen schon was haben."

Soforthilfen in Höhe von 15.000 Euro

Es ist Montag nach Inkrafttreten der Bundeshilfen. Die Inhaberin des Kosmetiksalons Bennissimo in Leipzig hangelt sich durchs Internet und landet schließlich bei der Sächsischen Aufbaubank. Sie soll das Geld an sächsische Unternehmen auszahlen. Bis zu 15.000 Euro.

Es gibt nur ein Problem: "Die Seite ist nicht erreichbar. Hier steht auch was mit Wartungsarbeiten am Förderportal. Ich vermute mal, dass sie die Seite gerade aktualisieren, um diese Geschichten zu machen", überlegt Beate Hertes.

Im Wettlauf gegen die Zeit

Mit dem Antrag wird es also erst einmal nichts. Theoretisch hätte Hertes Zeit. Bis Ende Mai können kleine Unternehmen die Bundeshilfen beantragen. Doch so lange kann sie nicht warten. "Das Geld wird jetzt gebraucht und nicht Ende Mai. Wenn ich bis Ende Mai durchhalten könnte als Betrieb, dann bräuchte ich diesen Schutzschirm nicht. Leider ist es ja so, dass diese Fixkosten zum großen Teil weiterlaufen."

Mehr Arbeit durch Corona

Hertes streift durch ihren leeren Salon. Obwohl keine Kunden mehr kommen, hat sich die 58-Jährige schick gemacht: rote Brille, taillierte Jacke, dezenter Schal. Ihre sechs Mitarbeiterinnen sind zu Hause: Kurzarbeit. Sie selbst hat noch zu tun.

Hertes telefoniert mit Stammkunden, liefert Pflegeprodukte aus und sitzt am Computer. Sie hat ihren Vermieter um Nachlass gebeten, musste Steuern stunden lassen, die Zahlung der Krankenkassenbeiträge aussetzen und für sich selbst Grundsicherung beantragen. "Ich lache immer, wenn ich per WhatsApp oder über soziale Medien Nachrichten kriege in der Art: Geht spazieren, genießt die Zeit. Ich habe im Moment einen längeren Arbeitstag als sonst. Und für mich auch völlig ungewohnt, weil ich am Tag acht bis zehn Stunden im Büro sitze, Anträge stelle, Formulare ausfülle."

Technische Probleme bei der Sächsischen Aufbaubank

Am Mittag schaut sie noch einmal nach dem Förderantrag für die Soforthilfen. Doch die Seiten der Sächsischen Aufbaubank hängen nach wie vor. Offenbar greifen zu viele gleichzeitig darauf zu. Im Internet tauchen derweil Meldungen auf, dass in Bayern und Nordrhein-Westfalen schon Geld ausgezahlt wurde.

Immerhin der Austausch zwischen den Unternehmen funktioniere, sagt Hertes. "Was ich im Moment als ganz toll erlebe, dass in dieser Situation, wo wir alle Abstand halten sollen, wir, finde ich, eine neue Nähe gewinnen: Jeder hilft jedem. Ich habe hier in meinem Einzugsbereich so ein Netzwerk – eine Optikerin, eine Schneiderin – wo wir uns austauschen: Ich habe das erfahren, ich habe das gehört, ich schicke dir das weiter."

Stunden später kann Hertes den Förderantrag der Sächsischen Aufbaubank doch noch öffnen. Das Ausfüllen dauert nur zehn Minuten, geht erstaunlich unbürokratisch und auch das Absenden klappt. Jetzt, resümiert Hertes, muss noch das Geld kommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. März 2020 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Dreibeiner vor 8 Wochen

heute bauten wieder Gerüstbauer Gerüste in der Christianstraße Dachdecker sind am Alt-Neubau un der Kustrenaer Straße aktiv und Großvermieter läßt Warmwasser statt Boiler im Stadtbestand tauschen - die Handwerker kennen kein Corona - Virus oder ist Beschäftigung Voraussetzung für Corona-Soforthilfe