Wirtschaft Wie das Coronavirus die mitteldeutsche Industrie trifft

Fast nichts läuft in der Wirtschaft mehr normal, seit sich das Coronavirus auch in Deutschland verbreitet hat. Geschäfte sind geschlossen, bei Volkswagen in Sachsen stehen die Bänder still und Millionen Beschäftigte sind in Kurzarbeit. Und doch wird in der Mehrheit der Betriebe weiterhin gearbeitet. Vor allem die Industrie versucht, die Produktion irgendwie aufrechtzuerhalten - unter teils schwierigen Bedingungen.

Ein Maschinenbauer baut ein Getriebe zusammen
Gerade dem Maschinenbausektor macht die Corona-Krise zu schaffen. Bildrechte: dpa

Es muss ja irgendwie weitergehen. Auch bei Hanwha Q Cells in Thalheim, Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen entwickelt Solarzellen. Tag für Tag werden sie getestet, Daten erhoben.

Würde man das stoppen, sagt Sprecher Jochen Endle, würde man die Arbeit von Monaten verlieren. Deshalb sind die Teams nun streng getrennt. Sollte es in einer Gruppe einen Corona-Infizierten geben, könne die andere Gruppe weiterarbeiten, sagt Endle weiter:

"Die Mitarbeiter, die vor Ort sind, müssen sich an strenge Regeln halten. Wir haben überall Desinfektionsmittel und Abstandsregeln."

Große Probleme im Maschinenbausektor

In der Kantine gebe es nur noch Essen zum Mitnehmen, betont Jochen Endle: "Und wir haben ja einen engen Kontakt nach Korea. Und dort wird kontinuierlich Mundschutz getragen. Und das haben wir hier im Unternehmen auch eingeführt." Gemessen an diesen Umständen laufe es recht gut, sagt Endle.

Anderswo sind die Probleme größer. Zum Beispiel im Maschinenbau. Schon vor Corona hatte er zu kämpfen mit Russland-Sanktionen, dem Brexit. Nun bremst die Epidemie die Produktion, sagt Oliver Köhn, Geschäftsführer beim Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau in Ostdeutschland:

Maschinen können nicht ausgeliefert oder in Betrieb genommen werden beim Kunden.

Oliver Köhn Geschäftsführer Verband Maschinen- und Anlagenbau Ostdeutschland

Beziehungsweise könnten bestimmte Service- und Wartungsverträge nicht oder nur sehr schwer erfüllt werden, ergänzt Köhn: "Das hängt einfach damit zusammen, dass die entsprechenden Monteure und Techniker nicht reisen können."

Mittelständische Unternehmen wünschen sich mehr Unterstützung

Köhns Verband macht derzeit eine Umfrage. MDR AKTUELL liegt die Zwischenauswertung vor. Demnach erwarten 69 Prozent der befragten ostdeutschen Maschinenbauer ein schlechtes und 23 Prozent sogar ein sehr schlechtes Geschäftsjahr. Rund 39 Prozent haben Beschäftigte bereits auf Kurzarbeit gesetzt.

Viele wünschen sich mehr staatliche Unterstützung. Köhn führt aus: "Unternehmen zwischen 50 und 250 Mitarbeitern, genau dort sehen wir wirklich eine Lücke. Da gibt es nämlich keine Soforthilfen, keine Liquiditätshilfen. Da gibt es lediglich die Möglichkeit über die KfW einen Kredit zu bekommen."

In der Sächsischen Staatskanzlei fand deswegen gestern ein Treffen statt. Die Hoffnung der Wirtschaft: Sachsen erweitert sein Hilfsprogramm, das sich bislang vor allem an Kleinunternehmer richtet.

Kurzarbeit und Wachstumshoffnung

Auch bei Michael Weber gibt es Kurzarbeit - und Hoffnung. Weber leitet die Geschäfte der Antennentechnik Bad Blankenburg.

Die knapp 100 Beschäftigten bauen Antennen für Fahrzeuge oder digitale Stromzähler. Die Aufträge sind leicht rückläufig und doch nimmt Weber ein Wort in den Mund, das man nur noch selten hört: Wachstum.

"Wir haben uns vorgenommen - wir sind ja noch ein kleines Unternehmen -, dass wir in fünf Jahren den Umsatz verdreifachen, wenn nicht vervierfachen", sagt Weber.

Dafür habe das Unternehmen einen Plan, Strategien und Unterstützung von den Eigentümern zugesagt bekommen, betont Michael Weber: "Wir tun alles, dass das prinzipiell möglich ist. Die letzte Entscheidung liegt natürlich immer beim Kunden."

Weber lebt in München und reist während der Woche zum Produktionsstandort nach Thüringen. Doch vor einigen Tagen sprach ihn ein Betriebsrat an: Er komme ja aus einer Region mit vergleichsweise vielen Infizierten. Vielleicht bleibe er lieber zu Hause.

Das hat sich Weber zu Herzen genommen, um seine Mitarbeiter nicht anzustecken. Es muss ja weiter gehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. April 2020 | 07:12 Uhr

1 Kommentar

wer auch immer vor 8 Wochen

Irgendwie ist doch Jeder von Jedem abhängig.
Wenn die Klofrau nicht putzt kann die Örtlichkeit nach einer bestimmten Zeit nicht mehr genutzt werden.
Leider haben dieses viele Bürger nicht begriffen.
Jeder ist in der Gesellschaft wichtig!