Hohe Risiken bei langem Stillstand Wirtschaftsvertreter legen Kretschmer Forderungen vor

Wolfgang Brinkschulte, MDR aktuell Wirtschaftsexperte
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In Sachsen treffen sich am Mittwoch Vertreter der Wirtschaft mit Sachsens Ministerpräsident Kretschmer. Das Gespräch wurde kurzfristig anberaumt, dennoch gehen die Wirtschaftsvertreter nicht unvorbereitet hinein. Sie bringen einen Forderungskatalog mit.

Bauarbeiter errichten auf einer Baustelle ein Stahlgeflecht.
Der Spitzenverband der sächsischen Wirtschaft VSW will Ministerpräsident Kretschmer Vorschläge zur Förderung in der Krisenzeit. Bildrechte: dpa

Die sächsische Wirtschaft hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ein eigenes Konzept zur Unterstützung von Unternehmen in der Corona-Krise übermittelt. Sachsens Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner schrieb in einem Brief an Kretschmer, man wolle Vorschläge für ein die bisherigen staatlichen Maßnahmen von Bund und Land ergänzendes Unterstützungsprogramm: "Sachsen hilft weiter!" unterbreiten. Hintergrund ist die anhaltende Kritik an der sächsischen Förderungspraxis. Insbesondere an Stützungsmaßnahmen für Unternehmen bis 250 Mitarbeitern.

Konzept für kleine und mittlere Firmen

Brückner, Chef der Spitzenorganisation der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände in Sachsen VSW, sagte MDR AKTUELL, er gehe in das kurzfristig für Mittwochmittag anberaumte zweite Spitzentreffen mit der Staatsregierung mit einem Konzept gezielter Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen im Freistaat Sachsen.

Porträt des neuen Vorsitzenden der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft e.V., Jörg Brückner
Der Vorsitzende der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) will Sachsens Ministerpräsident Kretschmer einen Forderungskatalog überreichen. Bildrechte: Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft e.V.

Konkret schlägt der VSW Brückner zufolge einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro je Beschäftigten zur Überbrückung der Umsatzrückgänge und Zahlungsausfälle vor. Das gelte für kleinere Firmen mit maximal 50 Mitarbeitern. Sie müssten in die Lage versetzt werden, die Wiederaufnahme des Geschäfts in den nächsten Wochen finanzieren zu können.

Mittelständische Unternehmen von 50 bis 250 Mitarbeitern sollten keinen Zuschuss, aber ein besichertes Nachrangdarlehen erhalten. Das solle sich am durchschnittlichen Liquiditätsbedarf für zwei Monate zwischen 1,5 und 6 Mio. Euro bemessen. Diese Maßnahmen seien sehr dringend, sagte VSW-Präsident Brückner. Die Unternehmen hofften auf die bevorstehende Entscheidung des sächsischen Landtags über einen Nachtragshaushalt in der Sondersitzung am Donnerstag.

Bei aller wachsenden Sorge um die wirtschaftliche Situation bleibe noch immer die Gesundheit der Menschen der zentrale Punkt für das Handeln aller, sagte Brückner. Gleichzeitig müsse man den Absturz in eine existenzbedrohende Wirtschaftskrise abbremsen, um das Schlimmste zu verhindern. Daher unterbreite man der Staatsregierung Vorschläge, um die noch bestehenden Lücken zügig zu schließen.

Darüber hinaus denkt der Arbeitgeberverband auch an die Nach-Corona-Zeit. Dazu schlägt er laut Brückner eine gezielte Technologieförderung unter Nutzung von EU- und Landesmitteln vor, um die Unternehmen weiter fit für die Zukunft zu machen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. April 2020 | 19:30 Uhr