Erneuerbare Energien Windbranche geht die Puste aus

Mit Windrädern konnte man viele Jahre gutes Geld verdienen. Für den erzeugten Strom gab es vom Staat garantierte Preise. Davon haben die Besitzer der Windräder profitiert, aber auch viele Unternehmen, die sie herstellen. Doch der Boom ist vorbei. Allein der Windanlagenbauer Enercon will 800 Arbeitsplätze streichen, 130 davon in Magdeburg. Eine ganze Branche steckt in der Krise.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Frankreich, Italien, Polen. In diversen Ländern baut die VSB-Gruppe aus Dresden Windparks. Die Sachsen kümmern sich um fast alles - von der Planung bis zum Netzanschluss. Doch in keinem ihrer Märkte sei es so kompliziert geworden, mit Windkraft Geld zu verdienen, wie in Deutschland, sagt Teamleiter Philipp Wille: "Wir sehen, dass die Realisierung neuer Windparks immer aufwendiger wird. Es gibt einen Genehmigungsstau. Das liegt an steigenden Anforderungen, aber auch an einen immer komplexer werdenden ordnungspolitischen Rahmen." Damit meine er konkret die auf Bundesebene eingeführten Ausschreibungen.

Bundesregierung legt Obergrenze fest

Ausschreibungen heißt: Die Bundesregierung legt fest, wie viel zusätzliche Windkraft sie haben will. Den Zuschlag für den Bau eines neuen Windparks erhält dann der günstigste Bieter.

Die Regelung gilt erst seit reichlich einem Jahr. 2017 konnte die Branche in Deutschland noch Anlagen für 5.300 Megawatt bauen, wie der Präsident des Bundesverbands Windenergie Hermann Albers sagt. "Demgegenüber gehen die Erwartungen in diesem Jahr deutlich zurück, auf etwa 3.500 Megawatt. Was bedeutet, dass wir 40 Prozent weniger Aufstellungen haben. Noch etwas trüber ist es im Jahr 2019, weil wir dort davon ausgehen müssen, dass wir unter 2.000 Megawatt bleiben. Das wäre ein Rückgang um zwei Drittel der Kapazität aus 2017."

Windanlagenbauer unter Druck

Die Folge: Entlassungen bei Firmen, die Stahltürme zuliefern, Rotorblätter herstellen oder Kabel vorbereiten. Die Windbranche beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland 160.000 Leute. Bereits in diesem Jahr dürften 10.000 Jobs verloren gehen, sagt Verbandspräsident Albers. Prominentes Beispiel: Enercon Magdeburg. Dort sollen 130 Leute gehen.

Thomas Weber von der IG Metall findet das voreilig. Schließlich habe das Unternehmen lange hervorragend verdient: "Im Grundgesetz heißt es, Eigentum verpflichtet. Es wäre ja durchaus möglich gewesen, in den Enercon-Betrieben über Kurzarbeit nachzudenken. Weil Enercon selbst sagt, sie versuchten jetzt ein zweites Standbein aufzubauen, speziell in diesem Betrieb WEC Turmbau. Man hofft damit, eine neue Durststrecke überbrücken zu können. Bis es vielleicht auch wieder neue Aufträge im Bereich Windenergie gibt."

Versprochene Entlastungen nicht in Sicht

Tatsächlich könnte es neue Aufträge geben. Die Bundesregierung hat Sonderausschreibungen versprochen. Zweitausend Megawatt im nächsten und übernächsten Jahr. Doch immer, wenn Verbandspräsident Albers nachfragt, wird er vertröstet: "Zurzeit kennt die Politik nur ein Thema: Das ist die Asylpolitik. Da fällt es in der Bundesregierung offenbar sehr schwer, in anderen fachlichen Bereichen den Zeitplan zu halten und die notwendige Arbeit zu leiten. Das betrifft auch unsere Branche."

Wiederholt sich Schicksal der Solarbranche?

Albers fordert, die Sonderausschreibungen noch im Herbst auf den Weg zu bringen. Andernfalls drohe der Branche ein ähnliches Schicksal wie der Solarindustrie: Die Produktion in Deutschland lohne sich nicht mehr, Mitarbeiter und Fachwissen gingen verloren. Stahltürme, Rotorblätter und andere Technik kämen dann aus dem Ausland.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. September 2018 | 05:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2018, 05:00 Uhr

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9 Kommentare

25.09.2018 13:40 Eulenspiegel 9

Nur Sonne,- Wind-und Wasserkraft hatten mal einen großen Nachteil die vergleichsweise hohen Investitionskosten. Durch das EEG und den großen Einsatz diese Technologie sind aber die Inspektionskosten schon deutlich gesenkt worden so das in absehbarer Zeit das EEG sein Ziel erreicht hat und abschafft werden kann.
Das Fazit ist:
Es ist nicht so das Sonne,- Wind-und Wasserkraft so teuer sind. Es ist viel mehr so das die Umstellung das Teure ist.

25.09.2018 13:39 Eulenspiegel 1 8

Hallo Ralf Richter 7
Sie werden entschuldigen aber ihr Sachverstand ist gleich Null.
Das Ziel des WEG Gesetzes ist eine Anschubfinanzierung. Das heißt für eine neu genehmigte Windanlage wird für 20 Jahre ein Strompreis garantiert um die Finanzierung zu sichern.Nun sind die Erstellungskosten für Windanlagen schon deutlich gesunken. Dem entsprechend sind auch die garantierten Strompreise für genehmigte Windanlagen gesunken. Das ist aber hier gar nicht das Problem.
Also ich kann nur Windradplaner 6 Recht geben.
Sonne,- Wind-und Wasserkraft sind die billigsten Energieträger denn sie kosten nichts. Es entstehen keine Abgase und es gibt keine Hinterlassenschaften die entsorgt werden müssen. Dazu kommt noch das diese Energieträger unerschöpflich sind. Dagegen werden Kohlestrom und Kernenergie stark Subventioniert und stehen nur begrenzt zur Verfügung. Nur diese Subventionen bekommt der Bürger nicht so direkt mit weil das über Steuergelder läuft.

25.09.2018 09:09 Ralf Richter 7

Der Staat hat die Pflicht, seiner Lenkungsfunktion auch im Bereich Umwelt/Energie nachzukommen. Allerdings ist das meistens blinder Aktionismus, befeuert von eifrigen Lobbyisten. Was dann dabei herauskommt, sind unsinnige Gesetze und Subventionen, siehe auch EEG.
Jahrelang hat sich die Branche Windkraft/Solar staatlich legitimiert und subventioniert die Taschen vollgestopft und Landschaften verschandelt und plötzlich, wenn es nicht mehr so sprudelt, wird ideenlos Krisengeheul angestimmt.
@5 Eulensiegel:
Ich habe bereits Ihre Kommentare zu div. Themen hier gelesen. Würde Ihnen empfehlen wollen, den Anspruch Ihres Nicknames gerecht zu werden und dies sowohl intellektuell als auch orthographisch/grammatikalisch.

25.09.2018 08:12 Windradplaner 6

Die Atom- und Kohlelobby betet regelmäßig die Unwirtschaftlichkeit der Erneuerbare-Energien-Branche herbei. Gesamtwirtschaftlich betrachtet sind Wind- und Solarkraftwerke die mit großem Abstand günstigste Energieerzeugungsmöglichkeit. Jeder der etwas anderes behauptet, hat ein massives Brett vor dem Kopf. Atom und Kohle sind genau betrachtet nie wirtschaftlich gewesen und werden es - im Gegensatz zu Wind, Sonne, Biomasse und Speichern - nie sein. Das Abbaggern ganzer Landschaften und "vergraben" von Atommüll kostet uns ein vielfaches von dem, was wir aktuell in den Aufbau unseres neuen Energiesystems stecken. Denkt doch mal nicht nur an eure eigene Stromrechnung, sondern an die Zukunft eurer Kinder, Enkel usw.! Die müssen euren "billigen" Strom später bezahlen - im schlimmsten Fall mit dem Leben, weil man das "Restrisiko" falsch eingeschätzt hat! Denkt mal drüber nach!

24.09.2018 23:53 Eulenspiegel 5

Hallo ReneS 4
Das EEG hat den Charakter einer Anschubfinanzierung und ist somit begrenzt. Das ist aber hier nicht das Problem. Ich denke das Problem ist hier das die Bundesregierung z.Z. die Energiewende mit voll angezogener Handbremse fährt.

24.09.2018 12:55 ReneS 4

Gut so! Erst die privaten Verbraucher durch die EEG Umlage abzocken - weil die können sich ja nicht davon freikaufen und noch kräftig Geld vom Steuerzahlen einsacken. Ohne diese Geldhamsterei wären diese "Unternehmen" doch gar nicht erst am Markt. Jetzt werden diese von eigenem Winde sozusagen weggefegt.
Einige Gemeinden planten ja schon eigene Solar- und Windkraftanlagen zu betreiben. Ich hoffe das Thema erledigt sich von selbst - zumal man ja am Verkauf von Bauland im Moment auch sehr gut verdienen kann.

24.09.2018 12:49 Egon 3

Das EEG ist Planwirtschaft in Reinkultur. Planwirtschaft hat noch nie vernünftig funktioniert und wird es auch niemals! Zahllose Milliarden € wurden und werden seitdem per Staatszwang den Endverbrauchern abgepresst, für eine nicht Zufallsenergieerzeugung. Der Strompreis hat sich für den Endverbraucher seit Einführung des EEG verdoppelt. Wenn nachts und bei Bewölkung kein Wind weht, liefert diese „Zukunftstechnologie“ praktisch keine Energie und die „bösen“ konventionellen Kraftwerke halten das Luftschloß Energiewende am Laufen. Windmühlen wurden im 19Jh von Dampfmaschine&Co aus betriebswirtschaftlichen Gründen museal. Das hatte seinen Grund! Nicht grundlastfähig!!!

24.09.2018 10:57 @1 2

Viel wichtiger ist doch was Verbraucher tun können. Als erstes schlag ich vor ne Stunde weniger zu arbeiten, muss der Chef eben selbst auch mal die Finger dreckig machen! Und in dieser Stunde kann man sich mal um die Dinge kümmern für die scheinbar keine Zeit mehr bleibt, nämlich mal nachzudenken an welchen Stellen man wie vom System und den Medien verarscht wird und dann z.B. mal den Stromanbieter wechseln, keine Nestle-Produkte mehr kaufen, und wenn sie nicht freiwillig verschwinden, findet sich sicher etwas mit dem man seine Meinung deutlich machen kann! Der Krieg der gegen das Volk geführt wird, brauch langsam Gegenschläge, sonst gehts unter!

24.09.2018 07:34 Basil Disco 1

Was soll die Regierung denn tun, wenn RWE den Ausstieg aus der Windkraft anordnet?