Ein Linienbus des Typs Sileo der Firma bozankaya GmbH (Salzgitter) fährt am 03.03.2015 über den Betriebshof der Stadtwerke Erfurt in Erfurt (Thüringen).
In Metropolregionen fahren bereits vermehrt E-Busse. Auf dem Land ist die Einführung schwierig. Bildrechte: dpa

Nahverkehr im Burgenlandkreis Alternativen zu Dieselbussen schwer umsetzbar

Der Diesel ist in Verruf geraten, besonders belastete Städte und Gemeinden diskutieren schon länger über Fahrverbote. Doch was tun städtische Unternehmen selbst, um die Abgasbelastung zu reduzieren? Etwa bei ihren Busflotten, fragt sich Ralf Beyersdörfer aus dem Burgenlandkreis. Unser Hörer ist vor kurzem in Naumburg hinter einem wie er sagt "stinkenden Dieselbus" hergefahren und fragt sich nun, wann diese endlich abgeschafft und durch umweltfreundlichere Modelle ersetzt werden.

von Ronny Arnold, MDR AKTUELL

Ein Linienbus des Typs Sileo der Firma bozankaya GmbH (Salzgitter) fährt am 03.03.2015 über den Betriebshof der Stadtwerke Erfurt in Erfurt (Thüringen).
In Metropolregionen fahren bereits vermehrt E-Busse. Auf dem Land ist die Einführung schwierig. Bildrechte: dpa

Naumburg an der Saale hat etwa 30 Tausend Einwohner, hinzu kommen im gesamten Burgenlandkreis noch einmal gut 150 Tausend Menschen. Wer hier mit dem Bus fährt, nutzt die Flotte der PVG. Und das tun – Stand 2018 – 4,6 Millionen Menschen pro Jahr.

Nur Diesel- und Gasbusse im Burgenlandkreis

Die PVG betreibt die Strecken in der Stadt und in der Region größtenteils mit Dieselbussen, bestätigt Lutz Däumler, der zuständige PVG-Geschäftsführer. 160 Busse hat er im Einsatz – 30 davon fahren mit Erdgas, 130 mit Diesel.

Beim Dieselbus habe man ein Stickoxid-Problem, das es beim Gasbus nicht gebe. Der Gasbus sei sauberer, müsse aber täglich betankt werden und das Tanken dauere auch länger, erklärt Däumler.

Allerdings muss man auch sagen, dass die Dieseltechnik wesentlich moderner geworden ist als noch vor zehn Jahren.

Lutz Däumler, PVG-Geschäftsführer

Infrastruktur für E-Busse fehlt

Trotzdem: Auch neuere Dieselbusse stoßen Stickoxide aus. Weshalb die PVG durchaus gern auf umweltfreundlichere Modelle setzen würde. Doch gerade der Elektrobus ist für Lutz Däumler momentan noch keine Alternative.

Ein Elektrobus ist laut dem PVG-Geschäftsführer nicht mit einem zur Verfügung stehenden Gas- oder Dieselbus vergleichbar, was die Laufleistungen betrifft: "Er muss zwischengeladen werden, diese Zwischenladung steht uns an Endhaltestellen zum Beispiel nicht zur Verfügung. Das müsste geschaffen werden. Also müsste der Bus ausgetauscht werden, um die gleiche Kilometerleistung zu schaffen, die jetzt ein Dieselbus schafft."

Heißt: die PVG bräuchte insgesamt mehr Fahrzeuge, um nur mit Elektrobussen das bestehende Netz betreiben zu können. Zusätzlich bräuchte man eine teils neue, ebenfalls kostspielige Infrastruktur, etwa Ladestationen. Insgesamt sei dafür nicht genügend Geld da, erklärt Lutz Däumler, und die Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt reiche auch nicht aus: "Wir würden nur 80 Prozent der Mehrkosten der Investitionen gefördert bekommen, für den Bus, für Infrastruktur, dazu zählt auch Ladeinfrastruktur. Und Betriebskosten werden überhaupt nicht gefördert".

Landkreis fehlen trotz Investitionen die Mittel

Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises
Götz Ulrich (CDU), Landrat des Burgenlandkreises Bildrechte: IMAGO

Schwierig bis unmöglich auch für den Landkreis, sagt Götz Ulrich, der CDU-Landrat des Burgenlandkreises: "Wir müssen uns jede Investition vom Munde absparen. Wir haben im Moment schon, im gesamten Burgenlandkreis, 18,3 Millionen Euro, die wir im Jahr für den Busverkehr ausgeben." Die Kostendeckung durch Ticket-Einnahmen liege bei rund 40 Prozent.

Das heiße der größte Teil komme von der öffentlichen Hand und die Haushaltslage der Gemeinden und Landkreise sei sehr schwierig. Hinzu komme, dass bei Elektrofahrzeugen und vor allem bei der Herstellung der Batterien momentan noch nach umweltfreundlicheren Lösungen gesucht werde. Fazit zur Umstellung der Busflotten: Sie tatsächlich klimaneutral zu betreiben, ist nach jetzigem Stand der Technik und Förderung gar nicht so einfach.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. August 2019 | 08:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 05:00 Uhr

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24 Kommentare

22.08.2019 16:50 der_Silvio 24

@23 Denkschnecke; "Sie werden jetzt nicht behaupten, dass ein T4 die Speerspitze der Technologie ist?"
Hab ich das? Mein Vergleich ist jedoch realistischer als ihrer, weil der meine nur die Verbräuche der Motoren im sonst BAUGLEICHEN Fahrzeug betrachtet. Sie hingegen vergleichen den Verbrauch zweier unterschiedlicher Fahrzeugklassen.
Dieselfahrzeuge sind sparsamer als Benziner, das können sie nicht wegreden!
Und es geht den Kommunen bzw. Städten nicht anders wie den vielen Geringverdienern, die auf ihr Auto angewiesen sind: Neuanschaffung kaum oder nicht möglich weil zu teuer! Was mir und meiner Familie (6-käpfig) genauso geht.
Man hätte schon viel früher umweltfreundlich fahren können, wenn die Öl- und Autolobby nicht do mächtig wäre bzw. die Politik konsequenter.
Bereits 1966 gab es das erste Brennstoffzellenauto vom GM.
Und heute will man das Rad neu erfinden.
Aber jetzt wird den Dieselfahrern der schwarze Peter zugeschoben und sie werden aus den Umweltzonen verbannt.

22.08.2019 11:29 Denkschnecke 23

@ der_Silvio
Sie werden jetzt nicht behaupten, dass ein T4 die Speerspitze der Technologie ist?
Laut Spritmonitor nimmt ein TSI-Golf mit unter 100 kW im Mittel 6,2 L / 100 km. Ein T-Roc mit Diesel nimmt dasselbe in Diesel! Ohne dass Sie darin mehr Platz hätten als im Golf. Sicher vergleiche ich verschiedene Fahrzeugklassen. Aber vielleicht sind gewisse Fahrzeugklassen einfach nicht sinnvoll. Mit einem T4 jeden Tag 3 km zur Arbeit zu fahren, das allein, mag Ihnen Spaß machen - sinnvoll wäre das auch nicht.

22.08.2019 06:58 Basil Disco 22

Elektrobus: ich habe das mal recherchiert. Die Busse, von denen ich in meinem ersten Beitrag sprach, wurden ab 1975 von der Rheinbahn Düsseldorf in einem Modellversuch angeschafft und fuhren bis in die 80er Jahre. Auslöser war die sogenannte "Ölkrise". Nachdem die überwunden war, gab es keine Weiterentwicklung und die Sache schlief ein. Vor 44 Jahren war man offensichtlich bereits in der Lage, einen elektrisch betriebenen Bus zur Serienreife zu entwickeln. Ich habe mich früher immer gefragt, wie es sein kann, dass hoch entwickelte Zivilisationen zusammenbrechen. Jetzt weiß ich es.

21.08.2019 23:51 MaP 21

#Fragender Rentner (13)
Zu ihrer letzten Bemerkung
"Die E-Autos sollen doch auch erst bei ca. 100.000 KM Klimaneutral sein?"
wäre mal zusätzlich eine Information interessant, wieviele Batterien ein E-Auto bei der Laufleistung von 100Tkm verschleißt. Soviel ich gelesen habe, sollen diese Batterien nur eine geringe Lebensdauer haben und dann kommt irgendwann das Riesenproblem der Entsorgung von Unmengen solcher Batterien auf uns zu.

21.08.2019 18:19 der_Silvio 20

@10 Denkschnecke; "Wer einen Klein-SUV mit Diesel bei 6 L/100 km fährt, erzeugt also nicht weniger, sondern mehr CO2 als mein Kompaktklasse-TSI mit 6 L/100 km."
Ihr Vergleich hinkt, weil Sie zwei unterschiedliche Modellklassen zu ihrem Vergleich heranziehen.
Ich fahre mit meinem T4 TDI mit ca. 7,6L/100km. Der vergleichbare Benziner nimmt ca. 13,5L/km.

Busse sind teuer und nicht jede Stadt bzw. Gemeinde hat so viel Geld zur Verfügung, daß einzelne Fahrzeuge oder gar die ganze Flotte neu angeschafft werden können.
M.E. müsste mehr und intensiver in Richtung Brennstoffzelle bzw. Wasserstoffantrieb geforscht werden.
Die Akkus der E-Autos sind alles andere als umweltfreundlich und der Strom muß auch erst produziert werden.
Hier mal ein Lesetip von Autobild vom 09.05.2019: 'CO2-Bilanz: Elektroauto gegen Diesel
So sauber sind E-Autos wirklich'

21.08.2019 18:15 Bernd L. 19

Denkschnecke:
Wie Sie geschrieben haben, hat Diesel pro Liter einen höheren CO2 Ausstoß, verbraucht aber weniger- in der Bilanz hebt sich das etwa auf. -
Ich halte es für einen Skandal, wenn in einem MDR-Artikel vom "stinkenden Dieselbus" steht, auch dann wenn das ein Hörer gesagt haben soll. Der Autor ist verantwortlich. Vor einiger Zeit schrieb hier ein Journalist von "Dieseldreckschleudern"- ganz gleich, ob aus fehlender technischer Bildung oder weil er dem grünen Zeitgeist dienen will, solchen Journalismus möchte ich nicht mit GEZ finanzieren. Journalisten haben Verantwortung für ihre Wortwahl.
Die Hatz gegen die Autoindustrie in Deutschland versteht man im Ausland sowieso nicht- die meisten Länder schauen neidisch auf diesen erfolgreichen Industriezweig in Deutschland, eine wichtige Säule unseres Wohlstandes.

21.08.2019 16:34 Denkschnecke 18

@15 Bernd L.
Lesen Sie doch bitte wenigstens den Teaser noch mal und korrigieren Sie Ihre pauschale Journalistenschelte. Der Autor hat nirgendwo von einem "dreckigen Dieselbus" geschrieben. Sondern ein Hörer hatte sich über einen "wie er (der Hörer) sagt "stinkenden (sic!) Dieselbus" " beschwert.
Und ich sprach auch von der CO2-Bilanz des Diesels und davon, dass sie so grandios gar nicht ist bzw. nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Z.B. dass Sie nicht statt Ihres Benziner-Golfs einen Diesel-T-Roc kaufen.

21.08.2019 15:40 Sachse43 17

Kraft kommt nun einmal von Kraftstoff, sonst geht es zu Fuß!

21.08.2019 12:34 Denkschnecke 16

@12 Hoy
Was rückschrittlich ist und was fortschrittlich, das werden Sie in zehn Jahren schon sehen, wenn Sie staunend die Versicherungspolice Ihrer Immobilie gegen Elementarschäden betrachten. Gemein ist dabei nur, dass es die Hauptverursacher auf der Welt nicht am härtesten treffen wird.

21.08.2019 12:30 Bernd L. 15

Denkschnecke:
Ich sprach von der CO2 Bilanz des Diesels.--
Sehr geehrter Herr Arnold, ein guter Journalist schreibt nicht von einem "dreckigen Dieselbus"- bitte erweitern sie ihre technischen Kenntnisse oder schreiben Sie nur über Dinge, die Sie auch verstehen.

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