Ein Mann hält seine Hand vor einen Verteilerpunkt, in dem zahlreiche Glasfaserkabel zusammenlaufen.
Wo steht Sachsen-Anhalt bei der Digitalisierung? Bildrechte: dpa

Digitalisierung in Sachsen-Anhalt Auf der Suche nach Erfolg

Sachsen-Anhalt hat, wenn es um das Thema Fortschritt geht, nicht das beste Image. Das Land hinkt beim Breitbandausbau hinterher, meldet vergleichsweise wenig Patente an und viele Unternehmen sind noch nicht in der digitalen Welt angekommen. Aber stimmt das auch? Die Wirtschaftskammern haben mit Beginn der Cebit einen Wettbewerb ausgerufen. Sie suchen digitale Erfolgsgeschichten aus Sachsen-Anhalt. Wie steht das Land wirklich da?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein Mann hält seine Hand vor einen Verteilerpunkt, in dem zahlreiche Glasfaserkabel zusammenlaufen.
Wo steht Sachsen-Anhalt bei der Digitalisierung? Bildrechte: dpa

Daniel Gollmann hilft Apotheken, in der digitalen Welt anzukommen. Seine Firma baut in Halle Lagerautomaten für Arzneimittel - rechteckige Container mit Kamera und Internetanschluss. Der Apotheker schüttet alle Packungen wahllos hinein. Ein ausgeklügeltes Fördersystem sortiert die Medikamente dann ein.

Der Automatenbauer aus Halle erklärt: "Die bisherige Lagerung ohne Automat ist das reine Alphabet. Die Packungen werden alphabetisch sortiert. Das heißt: Aspirin und Paracetamol sind am weitesten voneinander entfernt. Und wir schaffen das ganze Prinzip ab und lagern nach sinnvollen Kriterien. Der Automat hat durch die Lagerung nach Packungsgröße noch den weiteren Vorteil, dass wir auf deutlich kleinerem Raum deutlich mehr Packungen lagern können."

IHK über Image verärgert

Daniel Gollmann
Daniel Gollmann baut in Halle Lagerautomaten. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Gollmann verkauft das System weltweit. Am Unternehmenssitz könnte der Absatz allerdings besser sein. Gollmann sagt, in Flensburg oder Barcelona stünden mehr seiner Automaten als in Halle.

Da ist es wieder, das Klischee vom rückständigen Sachsen-Anhalt, das sich Halles IHK-Präsidentin Carola Schaar so häufig anhören muss.

Sie sagt: "Na, darüber kann man sich doch nur ärgern. Und weil es teilweise auch nicht gerechtfertigt ist. Sachsen-Anhalt hat in den Medien immer den leichten Touch, dass wir hinterher hinken. Das ist aber nicht der Fall, sondern wir haben ganz tolle Betriebe, die in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung treten."

Chancen für Sachsen-Anhalt

Um diese Betriebe bekannter zu machen, haben Sachsen-Anhalts Kammern einen Wettbewerb ausgerufen. Gesucht werden digitale Erfolgsgeschichten. Also Unternehmen, die konsequent neue Technologien einsetzen. Ob es davon in Sachsen-Anhalt wirklich weniger gibt als anderswo, lässt sich seriös kaum beantworten.

Fest steht nur, dass große Unternehmen bei der Digitalisierung schneller sind als kleine. Sachsen-Anhalt hat allerdings kaum Großunternehmen, sagt Joachim Bühler vom Digitalverband Bitkom: "Die Chancen für Sachsen-Anhalt sind aber dennoch beim Thema Digitalisierung groß. Denn wir haben neue Themen wie Digitalisierung in der Landwirtschaft. Hier kann Deutschland Vorreiter werden. Sachsen-Anhalt hat Chancen zum Beispiel bei Handwerksbetrieben digital Vorreiter zu sein."

Ohne Infrastruktur keine Erfolgsgeschichten

Das klappt allerdings nur mit der richtigen Infrastruktur. In keinem anderen Bundesland ist das schnelle Internet so schlecht ausgebaut wie in Sachsen-Anhalt. Doch inzwischen gibt es Fördergelder, sagt Marco Langhof vom Verband der IT- und Multimediaindustrie Sachsen-Anhalt: "Wir sind durchaus Zeuge eines gewissen Schubes, den es gerade dieser Tage gibt. Wir müssen schauen, dass die Gelder in die richtigen Technologien, in die zukunftsweisenden Technologien investiert werden. Also immer wieder das Kupfernetz noch ein bisschen aufbohren und noch ein bisschen leistungsfähiger machen, ist sicher nicht der richtige Weg."

Langhof plädiert für Glasfaserkabel, vor allem in Ballungszentren und Gewerbeparks. Nur wenn die Infrastruktur stimmt, seien auch mehr digitale Erfolgsgeschichten möglich.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 23.03.2017 | 05:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2017, 09:36 Uhr

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2 Kommentare

23.03.2017 14:50 ascanier 2

Na wenn dereinst die digitale Autobahn fertig ist kann es ja wirtschaftlich nur noch aufwärts gehen. Dann brauchen wir auch keine Gigaliner mehr, alles purzelt digital ins Wohnzimmer. Heureka!! Dann wird auch Sachsen Anhalt ein Globalplayer.

23.03.2017 13:00 Alexander Schollain 1

wa ich eika

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