Goldener Reiter in Dresden
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Zehn Jahre nach Aberkennung Dresden-Tourismus boomt auch ohne Unesco-Titel

Dresden zieht auch ohne Unesco-Welterbe-Titel immer mehr Touristen an. Der Zuwachs liegt sogar noch über dem Wachstum, das die sächsische Hauptstadt vor der Aberkennung des Titels vor zehn Jahren verzeichnen konnte.

Goldener Reiter in Dresden
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Der Tourismus in Dresden hat den Verlust des Unesco-Weltkulturerbe-Titels vor zehn Jahren unbeschadet überstanden. Das zeigt eine Auswertung der Touristen-Zahlen für die sächsische Landeshauptstadt durch das MDR-Magazin "Umschau".

Seit 2009 ohne Titel

Touristen in Dresden
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Nach der Aberkennung des Titels 2009 stiegen die Gästezahlen jährlich um durchschnittlich rund 80.000 (5,2%). Damit lag der Anstieg sogar über dem in den Jahren mit Unesco-Titel. Da betrug der Zuwachs jährlich rund 58.000 (4,7%). Dresden hatte im Juni 2009 den Titel der Unesco verloren, weil die Waldschlösschen-Brücke über die Elbe gebaut wurde. "Die Aberkennung ist für Dresden bedauerlich. Unmittelbare Auswirkungen auf den Tourismus in der Landeshauptstadt können statistisch nicht belegt werden", sagt Dr. Jürgen Amann, Geschäftsführer der Dresden Marketing GmbH. In der Landeshauptstadt gibt es aktuell eine Initiative, für den Stadtteil "Gartenstadt Hellerau" den Unesco-Welterbe-Titel zu bekommen. "Das begrüßen wir sehr", sagt Amann.

Fehlende Fördermittel ohne Folgen

Mit dem Verlust des Weltkulturerbe-Titels 2009 ging der Stadt Dresden auch finanzielle Unterstützung des Bundes verloren. Der hatte 2009 das Programm "Förderung von Investitionen in nationale Unesco-Welterbestätten" aufgelegt. Von 2009 bis 2014 wurden nach Angaben des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat insgesamt 220 Millionen Euro bereitgestellt, um die dringend notwendigen Investitionen in den Erhalt der historischen Orte zu tätigen. Aus der Sicht der Stadtverwaltung war das Streichen der avisierten Förderung jedoch kein Problem. "Einen direkten und nachvollziehbaren Bezug zur Fördermittelvergabe im Rahmen der Städtebauförderung und EU-Förderung können wir nicht erkennen", schätzt das Stadtplanungsamt auf Anfrage des MDR-Magazins "Umschau" ein.

In Deutschland sind derzeit 44 Unesco-Welterbestätten gelistet. In Mitteldeutschland gibt es in Sachsen-Anhalt die meisten Orte (Bauhaus Dessau, Luthergedenkstätten in den Lutherstädten Eisleben und Wittenberg, Gartenreich Dessau-Wörlitz, Stiftskirche, Schloss und Altstadt von Quedlinburg und Naumburger Dom). In Thüringen gibt es derzeit drei Stätten (Bauhaus Weimar, Klassisches Weimar, Wartburg) und in Sachsen nur eine (Muskauer Park).

Zahl der Touristen-Ankünfte in Dresden
  Jahr Ankünfte in Mio.
  1999 1,02
Verleihung des Titels 2004 1,24
Verlust des Titels 2009 1,53
  2018 2,25
    Zuwächse im Zeitraum Ø pro Jahr

absolut
Ø pro Jahr

in Prozent
ohne Titel 1999–2004 211.822 42.364 4,1%
mit Titel 2005–2009 292.213 58.443 4,7%
ohne Titel 2010–2018 719.468 79.941 5,2%

Quellen: Stadt Dresden, Statistisches Bundesamt, Berechnungen: MDR-"Umschau"

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 25. Juni 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 05:00 Uhr