Trockenheit Dürre trifft Mitteldeutschland besonders hart

Die Corona-Pandemie bestimmt seit Wochen die Schlagzeilen – wenn ein Thema so präsent ist, kommen andere wichtige Themen zu kurz. Eines davon: die aktuelle Dürre. Der April ist in den meisten Regionen in Mitteldeutschland bislang extrem trocken. Das ist vor allem deswegen brisant, weil es das inzwischen dritte trockene Jahr in Folge ist. Besonders hart trifft es Ostdeutschland. Woran liegt das und was wird dagegen getan?

Ein Landwirt überprüft die trockene Erde auf seinem Feld
Mitteldeutschland erlebt nun schon die dritte Dürreperiode in Folge. Bildrechte: dpa

So richtig kann man sich derzeit nicht über die viele Sonne freuen. Nicht nur, weil Corona das öffentliche Leben weiterhin ziemlich einschränkt. Sondern auch, weil einfach kein Regen mehr fallen will. Das bereitet den mitteldeutschen Forstbetrieben und Landwirten Kopfzerbrechen. In einigen Landkreisen in Sachsen und Sachsen-Anhalt herrscht in Sachen Waldbrandgefahr schon jetzt die höchste Alarmstufe. In Thüringen hat es den letzten nennenswerten Niederschlag laut Deutschem Wetterdienst vor über einem Monat in Erfurt gegeben.

Das dritte Jahr in Folge Dürre

Die Trockenheit in Mitteldeutschland seit 2018 ist außergewöhnlich. Aber warum ist das auf einmal so? Liegt es an der Bodenstruktur, dem Tagebau oder der geographischen Lage?

Nichts dergleichen, sagt der Dürreforscher des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (UFZ), Andreas Marx: "Da kann man sagen, dass es Zufall ist. Wir gucken uns in unserem Dürremonitor an, wie sich die Trockenheit seit 1951 entwickelt hat. Und es ist eben so gewesen, dass in den vergangenen Dekaden unterschiedliche Bereiche Deutschlands betroffen waren. Und aktuell ist es eben vor allem Mitteldeutschland, wo wir sehr stark betroffen sind – vor allem, wenn man den Boden bis in einer größeren Tiefe anschaut."

Beim Oberboden bis 25 Zentimeter Tiefe ist die Lage laut dem Dürremonitor des UFZ noch nicht dramatisch. Dafür hat der Regen im Februar gesorgt.

Wie die Landwirte reagieren

Der Oberboden ist besonders für die Landwirtschaft wichtig. Die Landwirte täten, was sie könnten, um der Dürre zu begegnen, sagt der Referent für Pflanzenbau und Umwelt beim Thüringer Bauernverband, André Rathgeber. Zum Beispiel wird nicht mehr gepflügt, denn durch das Wenden trocknet der Boden aus. Auch bei den Anbauverfahren versuchen die Bauern sich anzupassen, etwa durch Zwischenfrüchte oder Mulchsaat – das soll die Feuchtigkeit in der Erde halten.

Die Ackerflächen zu bewässern sei aber für die wenigsten eine Option: "Das ist für Kulturen attraktiv, die generell einen höheren Ertrag bringen, beispielsweise Kartoffeln oder auch Heil- und Gewürzpflanzenanbau, Obstbau und Gemüsebau natürlich. Aber für den Bereich Getreide- oder Ölsaaten wäre die Beregnung aktuell unter den weltmarktwirtschaftlichen Aspekten nicht vertretbar, weil der wirtschaftliche Erfolg dann nicht gegeben wäre."

Alternativen zur Bewässerung

Der Pressesprecher des Staatsforstes Sachsenforst, Dr. Renke Coordes, studierter Diplom-Forstwirt
Renke Coordes ist Sprecher des Sachsenforsts. Bildrechte: Sachsenforst

Die Folge: Nur rund drei Prozent der Ackerfläche in Deutschland wird bewässert. Auch für die Forstwirtschaft sei eine Beregnung im großen Stil nicht umsetzbar, sagt der Sprecher des Staatsbetriebs Sachsenforst, Renke Coordes. Das komme nur für die Besitzer kleiner Waldstücke in Frage. Für das gesamte Waldgebiet des Freistaats – und das umfasst über ein Viertel der Landesfläche – sei das aber gar nicht möglich. Laut Coordes gilt es, der Trockenheit bestmöglich zu trotzen: "Da gibt es vor allem langfristige Schritte und da haben wir schon sehr viel getan. Das heißt nämlich, den Wald umzubauen, Bestände zu schaffen, die aufgrund ihrer Struktur und ihrer Baumartenvielfalt weniger anfällig sind für Waldbrände – und schneller regenerieren können, falls Waldbrände entstehen."

Im stark von der Trockenheit betroffenen Landkreis Bautzen setzt man in erster Linie darauf, Wasser zu sparen – und es zu bewachen. Auf Nachfrage von MDR AKTUELL heißt es vom Landratsamt: Das Entnahmeverbot aus dem vergangenen Dürresommer gelte noch immer. Außerdem seien Ressourcen eingeplant, um die entsprechende Allgemeinverfügung zu überwachen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. April 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

CrizzleMyNizzle vor 26 Wochen

"Wir sind einfach zu viele Menschen und können dieser Situationen nicht entfliehen."
naja das ist mMn zu einfach von wegen "was wollen wir machen", wie ja Suedvorstadt schon geschrieben hat, ist es ja nicht so dass man um die Probleme nicht schon seit Jahrzehnten weiß dass es so kommen wird. Weiß jetzt nicht welches US Ölunternehmen das Anfang der 80er ermitteln lassen hat, aber da wurde genau das ermittelt was heute eingetreten wird (+/- ein bissl).
Auch darf man jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken sondern muss alles unternehmen um noch Schlimmeres zu verhindern... darum geht es letztendlich.

Dass es zu viele Menschen gibt bleib natürlich richtig.

Suedvorstadt vor 26 Wochen

'Woran liegt das und was wird dagegen getan?'

Woran das liegt? Na vielleicht am Klimawandel, vor dem uns WissenschaftlerInnen seit JAHRZEHNTEN (!) warnen und gegen den wir NICHTS getan haben bisher? Liegt es vielleicht an der Ignoranz der menschlichen Spezies, an der Hybris, am Ende alles technologisch lösen zu können? Liegt es vielleicht an kapitalistischen Zeitgenossen, die Geld verdienen wollen, egal wie viel sie dabei zerstören? Liegt es vielleicht an Chemieindustrie, Kohle- und Öllobby, Agroindustrie und dem deutschen Michel, der mit dem SUV zum Schnitzel-Werner fahren muss, auch wenn er schon kaum noch hinter das Steuer passt?

Woran liegt das... Zynischer als diese Frage geht es im Jahr 2020 nicht mehr.

wer auch immer vor 26 Wochen

Die Erde ist im ständigen Wandel. Ob durch Klimaerwärmung, Polverschiebung oder Plattentektonik.
Wir sind einfach zu viele Menschen und können dieser Situationen nicht entfliehen. Ertragen und Überleben ist die einzige Möglichkeit der gerade lebenden Generation.