Ansiedlung von Tesla in Brandenburg Ostdeutschland: Auf dem Weg zum Zentrum der E-Mobilität

Tesla siedelt sein seit Längerem geplantes europäisches Werk in Brandenburg an. Damit zieht weitere Kompetenz in Sachen E-Mobilität in den Osten Deutschlands. Experten hoffen auf positive Impulse für die Wirtschaft.

BMW-Mitarbeiter arbeiten in der Produktion des BMW i8 im BMW Werk Leipzig.
BMW-Mitarbeiter arbeiten in der Produktion des E-Sportwagens BMW i8 im BMW-Werk Leipzig. Bildrechte: dpa

Die Automobilindustrie steht vor gravierenden Veränderungen: Klimawandel und EU-Vorschriften zwingen Konzerne beim CO²-Ausstoß zu massiven Einsparungen. Effizientere Motoren reichen längst nicht mehr aus, stattdessen benötigt man neue Technologien: Weg vom Verbrennermotor, der mit Benzin oder Diesel läuft, hin zu alternativen Antrieben.

Geforscht wird in viele Richtungen, etwa mit Wasserstoff-betriebenen Brennstoffzellen, doch die größten Hoffnungen konzentrieren sich derzeit auf das batteriebetriebene E-Auto. Die Technologie ist serienreif, moderne Akkus bieten serienmäßig Reichweiten von mehr als 300 Kilometern und bis spätestens 2030 soll es nach Plänen der Bundesregierung in Deutschland eine Million Ladesäulen geben.

VW geht in Mitteldeutschland voran

Die Politik fördert E-Autos wie keine andere Technologie, vor allem durch Kaufprämien und den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur. Das hat auch zu einem Umdenken bei den Autobauern geführt.

Start der Serienproduktion des VW-E-Autos ID.3 in Zwickau
Seit November rollt der ID.3 in Zwickau vom Band. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Insbesondere VW setzt nach dem Skandal um manipulierte Dieselabgaswerte mit voller Kraft auf E-Mobilität. Das Werk in Zwickau wurde bereits komplett auf E-Autos umgestellt, seit Anfang November rollt hier der ID.3 vom Band, das erste vollelektrische Fahrzeug des Konzerns.

Für die ID.3-Produktion mussten laut VW in dem Werk keine Arbeitsplätze wegfallen. Damit sorgt VW für Hoffnungen in der Branche. Denn Experten sind sich einig, dass die Umstellung auf Elektromobilität mittelfristig viele Arbeitsplätze kosten wird. Einer Studie der Universität Duisburg-Essen zufolge fallen bis 2030 von 834.000 Stellen in der deutschen Autobranche 243.000 Jobs weg. Gleichzeitig entstehen demnach durch die neue Technologie nur rund 109.000 neue Arbeitsplätze. Macht netto mehr als 100.000 Jobs weniger.

Neue Arbeitsplätze im Osten?

Doch wo in Deutschland fallen Jobs weg, wo entstehen neue? Mit dieser Frage beschäftigt man sich vor allem in Ostdeutschland. Denn der Osten hofft, ein E-Mobilitätszentrum zu werden. Das könnte tatsächlich klappen. Beispiel Zwickau: Hier hat VW bei der Umstellung des Werks alle rund 8.000 Mitarbeiter umgeschult.

Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main (Hessen) wird am 13.09.2017 am BMW Stand ein elektrisch angetriebener BMW i3 gezeigt.
Der BMW i3 wird seit 2013 in Leipzig fertiggestellt. Bildrechte: dpa

Sollten sich batteriebetriebene E-Autos auf Dauer am Markt behaupten, hätte das Zwickauer Werk damit auch konzernintern einen Wissensvorsprung. Einen ähnlichen Wissensvorsprung gibt es auch im BMW-Werk in Leipzig – hier wird seit 2013 der erste vollelektrische BMW i3 gebaut, auch der i8 entsteht in Leipzig.

Anders dagegen ist die Situation bei Opel in Eisenach. Zwar gehört Opel inzwischen zum französischen PSA-Konzern, der vor allem im Kleinwagen-Segment sehr viel Erfahrung mit E-Antrieben hat, doch in Eisenach wird mit dem Grandland X ein SUV mit Verbrennermotor gebaut. Bis Mai wurde hier auch noch der Corsa gebaut, doch der Nachfolger, den es auch in einer Elektro-Variante mit 330 Kilometern Reichweite gibt, wird im spanischen Saragossa zusammengesetzt.

Batterietechnik ist der Schlüssel

Entsprechend euphorisch werden Meldungen begrüßt, die neue Arbeitsplätze versprechen. So hat der chinesischer Batteriehersteller CATL im Oktober mit dem Bau eines Werks am Erfurter Kreuz begonnen. Bis zu 2.000 Arbeitsplätze sollen hier entstehen.

Ähnlich positiv wird die Nachricht aufgenommen, dass Tesla sein schon seit Längerem geplantes Europawerk in Brandenburg ansiedeln will. Denn so entstehen mehr und mehr ostdeutsche Arbeitsplätze im E-Mobilitätssektor.

Sollte die sogenannte Giga-Fabrik von Tesla tatsächlich wie geplant kommen, dürfte sie auch auf weitere ostdeutsche Regionen abstrahlen. Denn Tesla will nicht nur Autos bauen, sondern auch eigene Batterien fertigen.

Deutschland ist attraktiv für E-Autobauer

Denn Batterietechnik ist der Schlüssel zur E-Mobilität. Lange Zeit hieß es, Deutschland habe die Elektromobilität verschlafen. Jens Katzek, Geschäftsführer des Automotive Cluster Ostdeutschland, widerspricht dem vehement.

"Es kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass Ostdeutschland ein Zentrum der Elektromobilität wird", sagt Katzek MDR AKTUELL mit Verweis aus VW, BMW und den Batteriehersteller CATL, der ein Werk in Erfurt errichtet. Da sei eine unglaubliche Bewegung in der Region.

Doch Katzek warnt auch. Der Umbruch, der auf die Automobilindustrie zukomme, sei vergleichbar mit dem Strukturwandel in der Kohleindustrie – allerdings seien in Mitteldeutschland viel mehr Arbeitnehmer betroffen. Vor allem auf die Zulieferbetriebe kämen harte Zeiten zu. Da sei es ein tolles Signal, wenn ein amerikanisches Unternehmen wie Tesla einen Standort in die Region verlege.

Wichtig sei jedoch, dass Deutschland jetzt bei der Ladeinfrastruktur liefere. "Wenn wir es jetzt noch hinbekommen, auch eine vernünftige Lade-Infrastruktur aufzubauen, sind wir hier einfach topp", blickt Katzek positiv in die Zukunft.

Schub für die Elektromobilität in Deutschland

Auch Klaus Ernst von der Linken begrüßt die Ansiedlung von Tesla in Brandenburg. "Dass die Bedingungen, die wir hier haben, so spannend sind, dass Elon Musk einen Standort bei uns auswählt, ist mit Sicherheit ein ganz erfreuliches Signal", sagte Ernst MDR AKTUELL. Das führt der Linken-Politiker vor allem auf die Qualifikationen der Arbeitskräfte und die Infrastruktur zurück.

Die amerikanische E-Auto-Konkurrenz bewertet Ernst positiv für den Standort Ostdeutschland. "Das wird einen weiteren Schub für die Elektromobilität in Deutschland und Europa geben. Ich hoffe, dass das dazu führt, dass die Anstrengungen hierzulande, insbesondere im Bereich der Zellen- und Batteriefertigung, verstärkt werden."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. November 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2019, 16:16 Uhr

47 Kommentare

Chrisbob vor 10 Wochen

Die Systematik der Vergütung hat sich beim EEG 2017 geändert:
Der Bieter muss einen Gebotswert in Cent pro Kilowattstunde angeben. Die Bundesnetzagentur öffnet nach dem Gebotstermin die bei ihr eingegangenen Gebote und prüft die materiellen und finanziellen Voraussetzungen und weiteren Formalien. Unter den zulässigen Geboten erteilt sie grundsätzlich den niedrigsten Geboten den Zuschlag. Bei Windenergie an Land entspricht der Zuschlagswert dem Gebotswert, sodass jeder Bieter den Preis erhält, den er bietet.

Die aktuelle Vergütungshöhe (Auszahlung) in der Windenergie-Ausschreibung Okt. 2019 beträgt 6,2 ct/kWh!
Bei der Photovoltaik lag der durchschnittliche Zuschlagswert in der Oktober-Runde bei 4,9 ct/kWh!

Der AKW-Neubau im franz. Flamanville startete 2007, eine Inbetriebnahme wird für 2020 erwartet. Die Kosten haben sich gegenüber dem Plan mehr als verdreifacht, die Stromgestehungskosten werden über 10 ct/kWh liegen.

Fazit: Wnd und Solar sind billiger!

Sapere Aude vor 10 Wochen

am Klinikum läd täglich unser Arzt sein S75D eMobil und ... hat nebenher ständig sicheren + kostenlosen Parkplatz direkt im Haupteingangsbereich
wenn RUN losgeht müssen deutlich mehr Schnellladestationen her 😊😊

C.T. vor 10 Wochen

"Windstrom an Land sowie Solarstrom aus großen Freiflächenanlagen werden mittlerweile genauso günstig produziert wie Kohle-/Atomstrom"

Aber nur weil deren Ausbau und Betrieb durch die EEG-Umlage und anderen Subventionen durch den Verbraucher mitfinanziert wird. Rein technisch und ohne jegliche Form der Bevorteilung betrachtet ist kein Strom günstiger in der Produktion wie Atomstrom.