Corona-Krise Einzelhandel hat nach Wiedereröffnung Startschwierigkeiten

Seit gut einem Monat haben die Läden in Sachsen wieder geöffnet. Inhaber hatten lange auf diesen Moment gewartet. Doch wirklich glücklich wirken die Einzelhändler in Leipzig nicht. Die Kunden sind derzeit sehr zurückhaltend.

Fußgängerzone Leipzig (Grimmaische Straße)
Die Grimmaische Straße ist ein beliebter Einkaufsort in Leipzig. Doch die Händler klagen derzeit über wenig Shoppinglaune. Bildrechte: IMAGO

Bummeln – das Wetter an diesem Junitag bietet sich dafür an. Die Sonne scheint, es ist warm. Tatsächlich schlendern viele Passanten durch die Grimmaische Straße in Leipzig. Meist paarweise, Einkaufstaschen bekannter Marken und Läden baumeln an Handgelenken. Wären da nicht die griffbereiten Masken, man könnte meinen, die Coronakrise sei überstanden.

Leipziger Einzelhändler, so wie Kathrin Kiosze, sehen das anders. In ihrem Laden "Backallerlei" werden Kunden fündig, die besonders kreative Torten oder Kuchen kreieren wollen. Kiosze sagt zur aktuellen Geschäftssituation: "Ja, sie kaufen schon sehr bewusst, die Leute. Das, was sie unbedingt brauchen."

Auf dem Weg zur Normalität

Nur ein paar Schritte weiter, weiß Ralf Königsberg vom gleichnamigen Laden für Keramik, Schmuck und Kleidung Ähnliches zu berichten: "Es kommen schon weniger, aber die, die kommen, kommen eben bewusster."

Ein bisschen besser sei es aber schon geworden, sagen die Händler, seitdem wieder Gäste in der Stadt seien und Restaurants und Cafés wieder geöffnet hätten. Das bestätigt auch Elke Gasch, Angestellte von "Leder-Schneider" in Specks Hof. Hauptsächlich Taschen gehen bei ihr über die Ladentheke: "Seit voriger Woche ist es wieder mehr geworden. Auch Touristen haben wir."

Masken bleiben ungewohnt

Auch Marie Pinter vom Graphikantiquariat Koenitz unter den Rathaus-Arkaden merkt, dass wieder mehr los ist. Trotzdem sei das Geschäft nicht berauschend, denn eine wichtige Kundengruppe fehle, sagt Pinter: "Die internationalen und europaweiten Gäste fehlen, die sonst immer im Frühling und Frühsommer kommen."

Die wenigsten Kunden hätten sich an die Regeln gewöhnt, betont Pinter, vor allem nicht an die Maskenpflicht: "Ich höre öfter mal am Tag: Oh, da muss ich mir mal noch was überziehen. Wo man eigentlich sagt, das müsste jetzt doch schon im Blut sein." Just spaziert ein Mann in den Laden – seine Maske bedeckt den Mund, die Nase bleibt frei. Ein wissender Blick der Mitarbeiterin, als wolle sie sagen: Sehen sie!

Kunden shoppen nur das Nötigste

Ein Gewöhnungseffekt an die Masken habe bei den Kunden tatsächlich nicht eingesetzt, sagt René Glaser, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Sachsen. Abstandsregel und Maskenpflicht ließen keine Shoppinglaune aufkommen. Glaser bestätigt die Erlebnisse der Leipziger Einzelhändler:

Wir beobachten, dass die Kunden sehr planvoll beim Einkauf vorgehen und das Geschäft nach kurzer Zeit wieder verlassen – sodass eher bedarfsorientierte Einkäufe stattfinden.

René Glaser, Handelsverband Leipzig

Und auch die Leipziger Passanten sagen in den meisten Fällen, dass sie nur das kaufen würden, was sie bräuchten und man Läden derzeit nicht besuche, um zu schauen, was es so gebe.

Handelsverband fordert Direktzahlungen für Einzelhändler in Schwierigkeiten

Die sogenannte Anschaffungsneigung sei in den letzten Tagen aber wieder leicht angestiegen, so Glaser vom Handelsverband Sachsen: "Hiervon profitieren im Non-Food-Bereich der Fahrradeinzelhandel, der Möbelhandel, aber auch die Bau- und Gartenmärkte. Sorgen bereiten uns auf der anderen Seite unter anderem der Textil-, Sport- und Schuhhandel, aber auch die Buchläden."

Glaser fordert staatliche Direktzahlungen für in Schwierigkeiten geratene Einzelhändler. Die bestehenden Hilfsprogramme müssten stetig an die aktuelle Situation angepasst werden. Darüber hinaus schlägt er unter anderem weitere verkaufsoffene Sonntage vor.  

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juni 2020 | 05:00 Uhr

106 Kommentare

Baldur von Ascanien vor 8 Wochen

"Wie man in den Wald hineinruft, ....." zu tun. Ach je, wenn Argumente fehlen kommt der Holzhammer mit dem schlechten Benimm, armselig oder?
Und ich finde es Klasse das er dazu verpflichtet ist. Aber vor allem die wahsinns günstigen Preise, kein Chinakram, falls das jetzt ihre Argumente werden sollten. Nein, Markenklamotten, von echten Shops mit provenienz. Aber jeder wie er mag, kaufen sie doch weiter bei Tante Emma XD

nie wieder cdu vor 8 Wochen

@Fakt, kritisieren ist was anderes als beleidigen. Den Unterschied sollte sie kennen. Aber das gilt für viele andere auch, einfach etwas sachlicher die ganze Sache betrachten und alles ist gut.

nie wieder cdu vor 8 Wochen

Wer anderen seine Meinung aufzwingen will ist dann in meinen Augen auch asozial.
Ich zwinge keinem meine Meinung auf und beschimpfe auch keinen.
Sie sollten bei ihrer Betrachtung mal die Zahlen aus ganz Mitteldeutschland berücksichtigen.