Der Elbhafen Torgau
Am Hafen in Torgau haben seit der Sanierung vor einem Jahr vier Schiffe angelegt. Bildrechte: dpa

Ausbau von Binnenhäfen Sächsische Binnenhäfen machen seit Jahren Verlust

Vor einem Jahr feierte Torgau ein Fest: Nach umfangreicher Sanierung wurde der Elbehafen wiedereröffnet. Immerhin 18,6 Millionen Euro hatte der Freistaat Sachsen investiert. Doch seitdem haben gerade einmal vier Schiffe in Torgau angelegt. Die Sanierung des Elbhafens sei "rausgeschmissenes Geld", meinen die sächsischen Grünen. Und der Rechnungshof des Landes gibt ihnen recht.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Der Elbhafen Torgau
Am Hafen in Torgau haben seit der Sanierung vor einem Jahr vier Schiffe angelegt. Bildrechte: dpa

Der Wind weht über die Elbe. Wolfram Günther läuft am Torgauer Hafenbecken entlang. Hinter ihm dreht sich ein Kran. Doch ein Schiff kann der Fraktionschef der sächsischen Grünen nirgends entdecken.

Wolfram Günther
Wolfram Günther kritisiert den Ausbau der sächsischen Elbhäfen stark. Bildrechte: dpa

Aus unserer Sicht sind eigentlich die gesamten Investitionen in die Elbe und auch in diesen Hafen als Schifffahrtsstraße schlichtweg rausgeschmissenes Geld.

Wolfram Günther Fraktionsvorsitzender der Grünen

Die Elbe sei einfach kein Schifffahrtsweg mehr, denn ihr fehle Wasser. Daran sei auch die Infrastruktur im Umfeld schuld, meint Wolfram Günther. Es gebe einfach keine Nachfrage für einen ausgebauten Wasserweg.

Freistaat betreibt sechs Elbehäfen

Insgesamt sechs Elbehäfen betreibt der Freistaat Sachsen als Eigentümer. Doch Schiffsverkehr ist für sie nur noch ein Randgeschäft. Die Häfen wurden zu Logistikzentren ausgebaut und schlagen auch Fracht zwischen Lkw und Güterzügen um. Die Schifffahrt macht beim Umsatz keine sechs Prozent mehr aus. Ist es da überhaupt sinnvoll, die Häfen weiterhin als Häfen zu betreiben?

Gerold Böhmer, Direktor des Sächsischen Landesrechnungshofs, plädiert dafür, ihre Anzahl zu reduzieren. Denn die sächsischen Binnenhäfen haben nach seinen Worten seit 2005 fast jedes Jahr Verlust gemacht.

Häfen werden durch Steuern finanziert

Langfristig müsse der Freistaat Sachsen den Häfen mit Steuermitteln aushelfen, sagt Böhmer. Auch die Erschließung neuer Geschäftsfelder habe an dem Minusgeschäft nichts geändert.

Nach Zahlen des Landesrechnungshofs steckte Sachsen zwischen 2005 und 2013 rund 25 Millionen Euro in seine Häfen. Zwischen 2015 und 2018 waren es noch einmal 35 Millionen Euro.

Ausbau weiterer Häfen geplant

Der  Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH, Heiko Loroff
Der Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH, Heiko Loroff. Bildrechte: dpa

Heiko Loroff verteidigt die Ausgaben. Der Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe argumentiert, auch ein umweltgerechter Rückbau koste viel Geld. Denn einfach schließen könne man die öffentlichen Hafen nicht.

Da die Elbe als Bundeswasserstraße gelte, müsse an ihr ein öffentlicher Hafen betrieben werden, erklärt Loroff mit Verweis auf einen Bundestagsbeschluss. Er will als Nächstes den Hafen Riesa erweitern lassen: Für 28 Millionen Euro ist ein größeres Terminal geplant für Bahn, Lkw und Schiff.

Verkehrsministerium verteidigt Elbhäfen

Sachsens Verkehrsstaatssekretär Hartmut Mangold verteidigt das Vorhaben, auch wenn an Sachsens Häfen vergangenes Jahr nur noch 150.000 Tonnen auf Schiffe verladen wurden.

Mangold gibt jedoch zu bedenken: Würde man diese 150.000 Tonnen mit Lastwagen transportieren, so würde man 4.300 Fahrzeuge benötigen. Durch den Transport auf der Elbe würden die Autobahnen in Sachsen also enorm entlastet.

Grüne: Einsprungen durch Häfen minimal

Sachsens Grüne machen eine andere Rechnung auf: 4.300 Lastwagen im Jahr macht zwölf am Tag. Für diese Menge benötige man nicht einmal einen zusätzlichen Güterzug täglich, sagt Fraktionschef Günther. Kein privater Investor würde für so ein Volumen einen Hafen ausbauen. "Das passiert einzig und allein nur, weil es die öffentliche Hand bezahlt."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Mai 2019 | 05:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 05:00 Uhr

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10 Kommentare

22.05.2019 20:54 Kurt 10

Es ist egal ob das Schiff fährt oder nicht. Die Container werden in Häfen umgeschlagen und kommen auf LKWs. Also LKWs fahren immer. Da kann ich mir das Geld für Elbeausbau sparen und in den Schienenausbau stecken. Die Elbe ist zu unzuverlässig!

21.05.2019 12:14 Mane 9

Und deshalb müssen Sie gewählt werden! Dann geht es uns noch besser wie jetzt.

21.05.2019 11:09 nitrogen 8

Nah ja wer auf die grünen Traumtänzer hört ,dem ist nicht zu helfen diese Traumtänzerpartei hat von nichts eine Ahnung ,außer Bürger zu drangsalieren und dummes Zeug zu sabbeln

21.05.2019 10:24 Sachse 7

Die Grünen blockieren den Ausbau der Wasserstraßen und nun meckern sie wegen zu wenig Fracht auf den Wasser. Aber von der Verbots- und Bevormunderpartei kann mann nichts anders erwarten.

21.05.2019 09:55 Horst 6

Und unser unfähiger Bundesverkehrsminister - seit Jahren eine Tautologie - will Milliarden in die Wasserstraßen stecken.

21.05.2019 09:41 Michael Möller 5

nach meiner Meinung nach wäre die Investitionen kein aus werfen von Steuergelder, wenn die Politiker wirklich das tun würde was Sie seit Jahrzehnten immer mal wieder fordern die Güter auf die Schienen und den Wasserstraßen ( also Binnenschiffe) zubringen und damit die Straßen zu entlasten und die Umwelt . aber was müssen wir leider immer wieder erleben , Wortbruch auf ganzer Linie und jeder Mensch der darauf hinweist wird als Nazi oder Dumm geschmäht. denn Sie haben keine Argumente um zu belegen warum Sie ihre Ankündigungen nicht umsetzten . sonst müssten Sie ja zu geben das Sie korrupt und unfähig sind. auch zeigt dieser Artikel genau auf welche Partei man unter keinen Umständen wählen darf

21.05.2019 09:22 Stadtfreund 4

Gut dass das mal auf politischer Ebene angesprochen wird, dafür bin ich den Grünen sehr dankbar. Hier geht es wie bereits angesprochen lediglich um Aufträge für die Bauindustrie. Der langfristige Nutzen ist wie dargelegt mahr als zweifelhaft. Man braucht meiner Meinung nach eine neue Strategie für die Wasserstraßen die diese nicht nur als Verkehrsweg sondern auch als Erholungs- und Naturraum betrachtet.

21.05.2019 07:55 Bernd 3

Und ich dachte die Gruenen würen fuer die Umwelt. Na man kann sich ja auch mal taeuschen. Sicher fuehrt die Elbe Niedrigwasser koennen die Schiffe nicht fahren. Aber sie sind eine Alternative zum Strassenverkehr auf die man nicht verzichten sollte. Zumal die Zahl 12 LKW pro Tag falsch ist, haben hier doch die Gruenen das Sonn- und Feiertagsverbot unterschlagen. Gut da sind wir bei 15 aber Ziel sollte sein mehr Gueter auf Fluesse zu bekommen.

21.05.2019 07:28 Basil Disco 2

So ein Hafenausbau ist ein Riesengeschäft für die Baubranche, und der sind doch alle Verkehrsminister, Straßenbaubehörden und so weiter hörig. Wen interessieren da Lappalien wie Wirtschaftlichkeit oder was man mit 28 Millionen Euro sinnvolles tun könnte? In Wahrheit hat die Elbe in Deutschland als Wasserstraße ausgedient, aber das können die ewig gestrigen in den Wasserstraßenämtern natürlich nicht einsehen.

21.05.2019 06:44 SabineSorglos 1

Sicher, die Grünen haben einen besseren Plan. Statt Laster keine Schiffe, sondern Lasten-Fahrräder. 10.000 Lasten-Fahrräder ersetzen ein Frachtschiff. Mit der von den Grünen erzwungenen Deindustrialisierung wird es genug Menschen geben, die froh sind, so einen Billiglohn-Job zu bekommen. Notfalls gibts ja auch Facharbeiter.