Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
Strom tanken - das Problem mit der Abrechnung Bildrechte: dpa

Thüringen Elektro-Ladestationen nicht geeicht

In Thüringen gibt es mittlerweile 200 Ladesäulen und an jeder muss ein Pauschalpreis bezahlt werden, egal wie viel Strom geladen wird. Das Problem: Die Ladesäulen sind nicht geeicht. Wie kann das sein?

von Lily Meyer, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Thüringen

Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
Strom tanken - das Problem mit der Abrechnung Bildrechte: dpa

Einen Stromzähler hat jeder im Haus. Und zwar einen geeichten. Hier kann jederzeit abgelesen werden, wie viel Strom man verbraucht hat. So einfach ist das bei den Ladesäulen aber nicht. Hier kommt noch eine weitere Frage hinzu, erklärt Olaf Kühn, der die Abteilung für das Mess- und Eichwesen in Thüringen leitet.

Kühn fragt sich, ob der Strom, der im Auto ankommt, genauso viel ist, wie vom Zähler gezählt. Es gebe mitunter Verluste, die nach dem Zählen aufträten. Kühn fordert, dass das berücksichtigt werde. Wer wolle schon ein Elektro-Auto fahren und dabei 20 Prozent Stromverlust mitkaufen, nur weil die Säule nicht korrekt nach dem Eichrecht arbeite.

Problem Abrechnung

Ein weiteres Problem ist die Abrechnung. An einer Tankstelle zahlt der Autofahrer sofort für die Menge Diesel oder Benzin, die er getankt hat. Stimmt etwas nicht, kann er sich gleich beschweren. Das geht an den Ladesäulen nicht. Denn hier gibt es weder eine Kasse, noch bekommt der Autofahrer eine Quittung. Kühn sagt: "Und wenn es Ladesäulen mit einem derartigen Quittungsdrucker gibt, wäre das der erste Schritt."

Der nächste Schritt: In der Ladesäule muss gespeichert werden, wer wann wo wie viele Kilowattstunden geladen hat. Im Moment arbeiten die Hersteller daran, dass all das möglich wird und geeichte Ladesäulen auf Thüringens Straßen kommen, entweder ganz neue oder nachgerüstete. Im ersten Quartal 2019 soll es soweit sein. Aber warum wurden die Ladesäulen dann trotzdem schon aufgestellt?

Weil die neue Elektromobilitätstechnologie noch in der Entwicklung stecke, meint Kühn: "Man braucht natürlich erstmal Erfahrung: Wie läuft das mit den Autos, wird das angenommen oder nicht. Das heißt, man braucht natürlich Lademöglichkeiten vor Ort. Und wer den Prozess verfolgt hat, weiß auch, anfangs wurde das unentgeltlich abgegeben, zum Teil heute noch, um einfach zu sehen, wie ist das."

Kostenloses Laden in Leipzig

In Leipzig zum Beispiel können E-Autos bis heute kostenlos geladen werden. In Thüringen wird eine Pauschale fällig, die von den Ladesäulen-Betreibern festgelegt wird, erklärt Martin Schreiber, Pressesprecher beim Energieversorger TEAG: "Die beträgt bei einer Normalladung 3,50 Euro. An der Ladesäule 22 Kilowattstunden, das ist so die Standardladesäule, die wir in Thüringen haben. Die Hochleistungsladesäule, da kostet eine Ladung zwischen acht Euro und 8,50 Euro."

Die Preise werden von den Stadtwerken festgelegt und orientieren sich an dem, was die Kunden im Schnitt laden. Schreiber sagt: "Die Ladezustände sind meistens so, dass die Leute nicht mit einem völlig leeren Fahrzeug kommen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass etwa so zwei Drittel der Ladung immer noch drin ist, dass die Leute nachtanken, um die nächsten 100 Kilometer gut und sicher zu schaffen."

An der normalen Ladesäule werden im Schnitt 10 Kilowattstunden geladen und für die bezahlt man, genau wie für den Stromverbrauch zu Hause, etwa 3,50 Euro sagt Schreiber.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Dezember 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2018, 10:46 Uhr

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10 Kommentare

18.12.2018 08:48 Jakob 10

Musterbeispiel für "typisch deutsch". Wir verschlafen gerade die Verkehrs- und Energiewende, sorgen uns aber um eine hochpeinlichst genaue Abrechnung. Inklusive Quittung auf Papier. (Wenn schon Papier, dann bitte im 10-cm-Format, vierlagig).

18.12.2018 01:33 Ricarda 9

in Kroatien und Slovenin sind viele in Alleen nahen Paak's und Sehenswürdigkeiten und Luxus-Herbergen

16.12.2018 18:00 frank d 8

Ja das wird eine tolle Zukunft! Was sich kognitiv benachteiligte so alles ausdenken. Auf dem Individualverkehr liegt eine sehr große Steuerlast. Darauf soll komplett verzichtet werden! (Verbrenner) inklusive der Herstellungsketten. dafür sollen die neuen "0 Emissions E Autos" dann noch subventioniert werden? wie soll das denn gehen? Wollen sie Arbeit mit mehr als 100% belasten um all ihre Moralinsauren Träume von anderen finanzieren zu lassen? Auf nach Venezuela! sapere aude

16.12.2018 15:32 Neo24 7

Das ist vollkommener Schwachsinn.
Natürlich befindet sich in der Station ein geeichter Zähler. Wie an jedem Stromanschluss. Das "Problem" ist das Eichamt. An jedem Marktstand, Metzger etc. Wird das Gewicht der Verpackung abgezogen (Tara) würde man denn Verbrauch der Elektronik die bei 0,010 ~ 0,005KW liegt pauschal abziehen dürfen währe das Problem sofort nahezu kostenlos gelöst. Nur an Stationen mit mehreren Anschlüssen mussten Zähler nachgerüstet werden.

16.12.2018 14:53 Anton 6

Warum kann man diese Ladesäule nicht einfach an einer Tankstelle bauen? Dort gibt es schon ein Kassierer sowieso. Oder macht man das absichtlich, um die E-Fahrer nicht die tatsächliche Verbrauch bezahlen, sondrn "pauschal" ? Wird das akzeptiert, dann werden wir bald auch für Benzin und Diesel pauschal zahlen? Und für Strom und Wasser zu Hause auch?

16.12.2018 14:41 Werner 5

Bei den aktuellen technischen Möglichkeiten, ist ein E-Auto nur für Kurzstrecken in Kosten/Nutzen/Umwelt sinnvoll. Das hatte schon die berliner Reichspost in den 30ern. Heute wieder- sehr gute Idee. Physik/ Chemie lässt sich nicht politisch-ideologisch austricksen. Ein zum Benziner/ Diesel vergleichbares E-Auto hat bspw. 100 PS, aber einen 150 Kg schweren Tank im Fassungsvermögen vom Moped. Der ist aus dickem Silberblech, kostet schlappe 5- 8000 EUR, und man kann ihn leider nur mit einem Trinkhalm (Ladestation) befüllen! 150 Kg sind ca. 2 Personen, die man nutzlos herumfahren muss. Im Winter (<0°C) hat dann der "Moped-Tank", bei gleichem Gewicht, nur noch das Fassungsvermögen vom Mofa. Lithium wird unter schlimmsten (Sklaven)Arbeits- und Umwelt-Bedingungen abgebaut, für die Herstellung einer Batterie viele Kg CO2 in die Luft geblasen. Außer für Hersteller und Staat (Gewinn & Steuern) nicht sinnvoll. Der Strom kommt auch nicht einfach nur aus der Steckdose.

16.12.2018 13:11 Altchemnitzer 4

Da reitet der Amtsschimmel durchs Land. Einen Quittungsdrucker an einer Ladessäule... Hilfe! Hat man in den Thüringer Amtsstuben schon mal was von "Digitalisierung" gehört!? Oder hätte der feine Herr vielleicht noch einen Münzeinwurf mit Wechselgeldfunktion?
Zum Thema Zählung: prinzipiell sind die in den Ladesäulen verbauten Zähler geeicht. Wie zuhause auch. Wer was anderes behauptet hat keine Ahnung. Das eigentliche Problem ist die Eichung des Gesamtsystems "Ladesäule". Und dabei im wesentlichen die beschriebene Nachweisbarkeit der getankten Menge Strom zum Preis x. Dabei sind die lieben Eichämter aber auch selber schuld. Die haben es nämlich völlig verpennt hier Kriterien vorzugeben und nun, wo das Kind im Brunnen liegt angedackelt zu kommen. Dieses Problem gibt es in der Form übrigens nur in Deutschland...

16.12.2018 11:24 Baldur von Ascanien 3

In meinem Wohngebiet gibt es 2 Säulen, für je 2 Fahrzeuge. Die leuchten herrlich grün wenn sie frei sind. Seit fast 3 Jahren habe ich diese nie rot, besetzt, geleuchtet. Außer 4 Parkplätze zu blockieren werden sei nicht genutzt. Egal ob für 3,50 oder 8 Euro, will irgendwie keiner. Aber das Grün leuchte angenehm in der Nacht.

16.12.2018 10:19 winfried 2

Ladestationen für E-Mobilität gibt es seit Jahren,
E-Stationen auf Campingplätzen und für Wohnmobil-Stellplätze seit Jahrzehnten.
Und JETZT SCHON bemerkt man das Problem ?!
Warum überrascht mich das nicht ?! ... Ich behalt's besser für mich.

16.12.2018 10:14 kleinerfrontkämpfer 1

Ladestromverluste, unterschiedliche Anschluß- systeme, Stromhandelsvorschriften, Batteriemiete + Stromkosten, ....... so ein richtiges praktikables Bild kann sich niemand machen. Nur das man kaufen soll gleich und unbedarft. Dabei ist die Dieselsache noch frisch und am kochen. Da kommt schon die nächste Kaufoffensive daher. Eine Strategie haben nur die Hersteller. Und da jeder für sich.