Facebook
Facebook ist für viele Firmen wichtig für die Kundenkommunikation. Bildrechte: imago/MiS

Trotz Datenschutzskandal Mitteldeutsche Unternehmen halten an Facebook fest

Im März 2018 kam es zum bislang größten Facebook-Skandal: Eine dubiose Datenanalyse-Firma namens Cambridge Analytica war unerlaubt an Millionen persönlicher Daten gelangt. Tesla löschte daraufhin seinen Facebook-Account. Viele Unternehmen wie etwa die Commerzbank erklärten, nicht mehr auf Facebook werben zu wollen. Mitteldeutsche Unternehmen halten dagegen an Facebook fest.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

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Facebook ist für viele Firmen wichtig für die Kundenkommunikation. Bildrechte: imago/MiS

Die Leipziger Verkehrsbetriebe sind bei Facebook. Das kommunale Unternehmen teilt hier Wichtiges und Buntes mit, wie Tarifänderungen, Baustellen oder Eindrücke von der Museumsnacht. Außerdem werden Nutzerfragen beantwortet. Für den Kontakt zum Kunden sei Facebook unersetzlich, sagt LVB-Sprecher Marc Backhaus. "Denn das ist der Weg, den Kunden heute bevorzugen, wenn sie Fragen haben. Und deswegen sind wir auf sozialen Medien präsent."

LVB sieht Datenschutz auf Facebook durchaus kritisch

Servicezentrum in Leipzig
Die meisten Kundengespräche finden nicht mehr im LVB-Servicezentrum statt, sondern auf Facebook. Bildrechte: imago/Steinach

Beim Besuch der Seiten hinterlassen die Kunden nicht nur viele Kommentare, sondern unbemerkt auch Infos, zum Beispiel darüber, mit welchen Freunden sie vernetzt sind, welchen Browser sie gerade nutzen oder welche Webseite sie zuvor besucht haben.

Das sieht Marc Backhaus durchaus kritisch: "Wir sind uns der Rolle des Datenschutzes da auch bewusst, versuchen aber gemeinsam mit unseren Kunden, dann auch im Gespräch auf der Plattform, Dinge zu vermeiden, die da nicht hingehören." Ein Rückzug von Facebook aus Datenschutzgründen komme aber nicht in Frage, fasst Marc Backhaus zusammen.

Rückzug von Facebook für Firmen schwierig

Und mit dieser Einstellung sind die LVB nicht allein, beobachtet Kristian Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer Leipzig.

Ich halte komplett auszusteigen gerade für die digitalen Medien für einen falschen Weg. Wenn jemand präsent sein will, auch im stationären Einzelhandel, brauchen sie einen digitalen Fußabdruck und das geht nur über diese Medien.

Kristian Kirpal Industrie- und Handelskammer Leipzig

Eine Umfrage von MDR AKTUELL unter 25 größeren mitteldeutschen Unternehmen ergab: Zurzeit hat kein einziges Unternehmen vor, seine Facebook-Strategie zu ändern. Die Ergebnisse im Detail: Elf Firmen, die zurzeit eine Facebook-Seite betreiben, gaben an, sie auch in Zukunft weiter betreiben zu wollen. Dazu gehören zum Beispiel VW, Bosch, Rotkäppchen, Jenoptik oder Papenburg. Neun Firmen, die aktuell keine Facebook-Seite haben, teilten mit, auch vor dem größeren Datenskandal vor reichlich einem Jahr keine gehabt zu haben. Und fünf Unternehmen reagierten nicht auf die Anfrage. 

Bei Datenschutzverstößen drohen Firmen Bußgelder

Facebook sei seit Jahren bei Datenschützern in der Kritik, weil es Daten sammele, aber nicht mitteile, was es mit ihnen mache, erklärt die Leipziger Rechtsanwältin und Datenschutz-Expertin Janina Albrecht.

Es wird viel gemutmaßt, was Facebook eigentlich mit den Daten macht. Theoretisch müssen sie das offen legen, aber ob sie das wirklich hundertprozentig machen, ist eine der Fragen. Da dürfte es schon einige Baustellen geben, aber bisher ist es ein Stochern im Dunkeln.

Janina Albrecht Datenschützerin
Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt in Magdeburg stellt ihre Facebook Seite aus Datenschutzrechtlichen Gründen ein
Im Juni hat die Staatskanzlei Sachsen-Anhalt Facebook verlassen. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Facebook-Seiten-Betreiber müssten ihren Besuchern jederzeit sagen können, was mit ihren Daten passiere, urteilte der Europäische Gerichtshof. Weil das aber nicht möglich ist, stieg kürzlich die Staatskanzlei Sachsen-Anhalts aus Facebook aus.

Die Expertin Janina Albrecht rät daher: Wer eine Seite betreibt, sollte darauf zumindest einen Datenschutzhinweis einbauen, sonst drohten Konsequenzen. Wenn nicht datenschutzkonform gearbeitet werde, könnten Bußgelder verhängt werden, warnt die Datenschützerin. Ein solches Bußgeld könne bei bis zu vier Prozent des Unternehmensumsatzes liegen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 05:00 Uhr