Leasing-Modell Dienstfahrrad statt Dienstwagen

Dienstwagen sind beliebt im Autoland Deutschland. Umweltverbände kritisieren den subventionierten Autokauf schon seit vielen Jahren. Nun bekommt der Dienstwagen vor allem in größeren Städten Konkurrenz von einem umweltfreundlichen, gesundheitsfördernden und praktischen Fortbewegungsmittel, das man genauso über den Arbeitgeber leasen kann: das Dienstrad.

von Juliane Neubauer, MDR AKTUELL

Yvonne Matthes steht neben dem Fahrradparkplatz ihrer Firma. An diesem warmen Vormittag sind scheinbar viele mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Die Metallbügel sind alle belegt. Sie zieht ihr Rad hervor. Der Rahmen ist in knalligem blau und orange. Matthes erklärt: "Das ist ein sehr sportliches Mountainbike, das ich allerdings noch ein bisschen aufgepeppt habe, damit man auch eine Fahrradtasche da hinten dranhängen kann. Und Licht ist ja normalerweise an so einem Mountainbike auch nicht dran. Es ist ein 28 Zoll, damit man auch ein bisschen schneller fahren kann."

Ihr Rad kostet rund 2.000 Euro. Den Kauf ermöglicht hat ihr der Arbeitgeber Lecos. Die IT-Firma bietet ihren Arbeitnehmern, angestoßen durch den Betriebsrat, seit 2015 das Dienstrad-Leasing an – so wie rund 500 Unternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Matthes selbst koordiniert das Leasing von der Personalabteilung aus und erklärt, wie es funktioniert: "Sie suchen sich einen Fachhändler, Sie suchen sich ein Fahrrad aus, dann bekomme ich das Angebot des Fachhändlers. Das wird dann in eine Maske eingegeben bei 'Jobrad' und dann kommt ein Leasingbetrag raus, den der Mitarbeiter jeden Monat von seinem Bruttogehalt einbüßt." Der geldwerte Vorteil werde dagegengerechnet – "also wie beim Auto diese Ein-Prozent-Regel, sodass summa summarum das Fahrrad nicht ganz so teuer ist, als wenn man es auf einmal kauft."

Dienstfahrräder als Motivation

35 der 190 Mitarbeiter haben schon ein oder sogar zwei Räder geleast und es werden immer mehr, sagt Yvonne Matthes. "Jobrad" ist der Dienstrad-Pionier im Netz. Seit 2008 vermittelt die Plattform zwischen Unternehmen und Leasingkreditgebern. Mittlerweile arbeiten sie deutschlandweit mit rund 7.500 Unternehmen zusammen. Schätzungsweise 200.000 Angestellte fahren mittlerweile auf einem geleasten Dienstrad, Pedelec oder E-Bike zur Arbeit, das sie auch privat nutzen dürfen.

Tassilo Holz von Jobrad sagt: "Ein eigenes Fahrrad oder ein eigenes E-Bike ist natürlich super für die Motivation der Mitarbeiter und damit letztlich auch für das Image für das Unternehmen als Arbeitgeber. Und das ist gerade in Regionen, wo Fachkräftemangel herrscht, ein wichtiger Punkt, so einen Mitarbeiter-Benefit anbieten zu können."

Radfahrer sind seltener krank

Junges Mädchen putzt sich die Nase.
Wer viel mit dem Fahrrad fährt, ist im Schnitt seltener krank. Bildrechte: IMAGO

Neben der Mitarbeiteraquise gibt es noch einen weiteren Vorteil für den Arbeitgeber von Radfahrern, erklärt Tassilo Holz: "Wer vom Auto auf das Fahrrad umsteigt, der ist im Schnitt pro Jahr zwei Tage weniger krank und das bedeutet für Unternehmen, dass Krankheitskosten sinken. Das heißt, man spart also Geld."

Im deutschlandweiten Vergleich ist die Zahl der ostdeutschen Arbeitgeber, die Dienstfahrräder anbieten, noch recht niedrig. Das liege auch an der noch vergleichsweise jungen Radinfrastruktur, vermutet Konrad Krause vom ADFC Sachsen: "Wir haben im Osten einfach deutlich später angefangen, unsere Radverkehrsinfrastruktur auszubauen. Das heißt, es ist hier nicht so attraktiv – mit Ausnahmen – Rad zu fahren, wie in manchen Städten im Westen. Oder gerade im ländlichen Raum im Westen ist die Radinfrastruktur schon deutlich weiter als zum Beispiel in Sachsen."

Krause wünscht sich, dass Diensträder bald Angestellten in Ämtern angeboten werden. Das würde sich nicht nur wirtschaftlich lohnen, sondern den Zustand der Radwege auch bei denen bekannter machen, die für deren Ausbau verantwortlich sind.

Lösung für Parkplatz-Probleme

Dienstradfahrerin Yvonne Matthes aus Leipzig glaubt schon, dass das Angebot eines Dienstfahrrades auch Autofahrer zum Fahrrad fahren verführen kann. Hinzu komme, dass es bei ihrem Arbeitgeber keine Parkplätze gebe – und seit ihr Unternehmen das Dienstrad anbiete, seien mittlerweile auch die Fahrradparkplätze am Haus knapp geworden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. April 2018 | 06:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 08:08 Uhr

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12 Kommentare

17.04.2018 10:52 Motorradmann 12

Der Interpretationsspielraum, den einige hier aufzeigen, ist schon erstaunlich. Kein Mensch hat hier einen Fahrradzwang für Arbeitnehmer gefordert, die auf das Auto angewiesen sind.
Es gab aber schon genügend statistische Erhebungen darüber, dass der größte Teil der mit dem Auto zurückgelegten Arbeitswege unter 5km beträgt. Betrifft also auch größere Städte, die ohnehin schon unter Stau, Lärm, Abgase etc. leiden. Die angebotene Alternative ist von daher sinnvoll. Ich fahre jeden Tag mit dem Rad 5km auf Arbeit, egal bei welchem Wetter. Na und - dafür gibts entsprechende Klamotten. Lustig ist jedoch immer anzusehen, wie erstaunt die Autofahrer sind, wenn ich kurz vorm Ziel plötzlich neben Ihnen an der Ampel stehe, obwohl sie mich doch 5 km vorher überholt hatten. Da könnte man ja durchaus mal den Sinn des eigenen Handelns hinterfragen, statt nur zu jammern.
Aber wie's eben so ist: es gibt viele Ausreden für ein Umdenken - die größte ist oft die eigene Bequemlichkeit!

16.04.2018 22:59 Baldur von Ascanien 11

Jawoll, lasst die scheiss Aussendienstler endlich mit dem Rad fahren. Das macht sie extrem sympathisch wenn sie stinkend und verdreckt beim Kunden aufschlagen. Im winter gibts vllt, sogar ne warme Brühe, ohmann da menschelts aber. Und klar fahr ich gern mit der ganzen Familie per Rad zum Einkaufen. Auf dem Hinweg sitzen die Kiddys im Bollerwagen und warten dann am Pfandtomat bis ich wieder Retour komme um sie zu holen. Ich liebe die Kommentarfunktion. Früher habe ich den Eulenspiegel gelesen.......................

16.04.2018 20:12 Kritischer Bürger 10

@MD-Radler 8: Sicher am Autoverkehr was ändern = NUR WAS? Mehr Ampeln an Kreuzungen oder abbiegenden Strassen = kosten Geld.(Aufstellung, Wartung etc.) Flexible Außenspiegel an Autos sind Sache der Auto-Lobbyisten = Hersteller und die haben daran wohl kaum ein Interesse, sind ja auch Mehrkosten! Einrichten von mehr 30km/h Zonen oder noch weniger, dazu kann die heutige Lage von Stress und Eiligkeiten kaum dienlich sein!

16.04.2018 20:11 Markus 9

@8 MD-Radler - Mit Einkauf ist das so: wie wir kein PKW hatten, mussten wir dreimal in der Woche nach Aldi mit Fahrrad fahren. Seit dem wir PKW haben, reicht es nur einmal in der Woche. Somit ergibt sich sehr große Zeitersparnis mit Auto! Fahrrad ist eher für die Rentner, die sowieso wenig zu tun haben.

16.04.2018 16:54 MD-Radler 8

Das wäre echt eine super Sache. Unter der Seitenhieb mit den Ämtern ist genial. Wenn nur ein paar von den Angesprochenen dort mal das Rad nehmen würden, würde man die Rad-Infrastruktur besser pflegen.

Für alle, für die das Fahrrad keine Alternative ist: Dann bleibts halt. Es geht darum Angebote zu schaffen, das sind keine Verpflichtungen.

...man kann den Familieneinkauf sehr gut mit dem Rad erledigen! Das ist sogar deutlich entspannter als mit dem Auto. Das ist vielfach bewiesen...wie gesagt vielleicht nicht für jeden in jeder Lebenssituation.

Was ist das für ein blöder Spruch: "Radfahrer ist gefährlich wegen den Autos." Vielleicht sollten wir was am Autoverkehr ändern, wenn er Menschen verletzt und tötet?

16.04.2018 14:19 Markus 7

@ Pfingstrose - wenn Sie NUR 6 km pro Tag brauchen, können Sie ruhig auch zu Fuß. Aber ich muss dienstlich über 100 km täglich fahren, dazu bis 20-25 kg Zeug mitnehmen. Wer wird schon so eine Stelle ohne PKW übernehmen? Die Stelle bleibt einfach unbesetzt.

16.04.2018 13:50 Christine 6

Ich finde die Idee dahinter sehr gut. Es geht letztendlich darum, diejenigen zu unterstützen die sich ein Fahrrad kaufen wollen. Ob dieses Fahrrad ein Auto ersetzt ist letztendlich jedem selbst überlassen. Dies ist kein muss und auch kein zwang sondern einfach eine Möglichkeit, die die Mitarbeiter nutzen können. Daumen hoch :)

16.04.2018 13:18 Pfingstrose 5

Wer viel mit dem Fahrrad fährt, ist im Schnitt seltener krank. Ich laufe täglich hin und zurück zu meiner Arbeit 6 Kilometer oder fahre mit dem Fahrrad. Das ist gesünder als mit den Auto. Das macht den Kopf frei und mindert bei den Schreibtischtätern das Sitzfett am Bobo. Man kann auch nach der Arbeit seine Einkäufe machen und die Einkaufstüten im Gebäckträgerkorb transportieren. Der Bus mit dem auch viele Bürger fahren ist der größte Miefquierl. Frische Luft tut gut.

16.04.2018 12:47 Kritischer Bürger 4

@Markus 3: HALLO da müssten ja die kommenden zu nutzenden Fahrradwege so breit werden wie eine Autobahn denn die Personenschützer bedürfen auch Platz ihre Arbeit gerecht zu werden! Aber ich würde es auch dieser Frau gönnen soviel Fahrrad zu fahren wie die Umweltverbände es sich wünschen! Wird aber NICHT SO KOMMEN! Es gibt ja immer wieder AUSNAHMEN!

16.04.2018 12:24 Markus 3

Dienstfahrrad? Und wenn es regnet und, wie z.B. in Würzburg, stark bergauf? Ansonsten gar keine schlechte Idee, Beamten wie Merkel zu zwingen, täglich 60 bis 100 km mit Fahrrad zu machen!