EU-Ausschreibung Airport Leipzig/Halle will humanitäres Drehkreuz werden

Der Flughafen Leipzig/Halle ist Deutschlands zweitgrößtes Cargo-Drehkreuz und das macht ihn auch als Flughafen für Hilfslieferungen interessant. Der Flughafen will nun ein Drehkreuz für humanitäre Einsätze werden und sich dafür bei der EU bewerben.

Ein Cargo-Flugzeug landet am Flughafen Leipzig/Halle in Schkeuditz
Der Flughafen Leipzig/Halle will ein Drehkreuz für humanitäre Einsätze werden und möchte sich dafür bei der EU bewerben. Bildrechte: imago images/photothek

Viele Flughäfen leiden unter der Coronakrise – der Flughafen Leipzig/Halle dagegen wächst. Zwar ist auch hier die Zahl der Fluggäste zuletzt eingebrochen, doch das Frachtaufkommen stieg allein im Juli um knapp 18 Prozent.

Und hinzu kamen in den vergangenen Monaten auch Hilfslieferungen: Über 50 Flugzeuge mit medizinischer Ausrüstung, meist Masken aus China, kamen in der Coronakrise bislang am Flughafen Leipzig/Halle an.

Nun könne der Flughafen noch intensiver als Drehkreuz für humanitäre Logistik genutzt werden, erklärt Lars Wertmann, der Krisenmanager beim Deutschen Roten Kreuz in Sachsen.

Bei Katastrophen Zeit wichtiger Faktor

So ein Drehkreuz für humanitäre Logistik sei ein Ort, von dem aus man benötigte Materialien nach Katastrophen oder Krisen an möglichst viele Orte transportiere, beschreibt Wertmann die Funktion eines solchen Drehkreuzes.

Zeit sei dabei ein entscheidender Faktor: "Sie können sich das vorstellen nach einem Erdbeben oder nach einer Explosion, wie beispielsweise aktuell in Beirut, werden Hilfsgüter schnell benötigt, um Menschenleben dort zu retten." Und für solche Situationen brauche man ein Drehkreuz, um schnell über verschiedene Transportwege – egal, ob Land, Luft, Straße – Materialien zu versenden.

Nicht nur außerhalb der EU, auch innerhalb sollen über das Drehkreuz nach Informationen von MDR AKTUELL Hilfsgüter verteilt werden. Denn der Auslöser für die Drehkreuz-Pläne war die Coronakrise.

EU-Ausschreibung für Bevorratungsstandorte

Da in Europa Masken und andere medizinische Güter fehlten, beschloss die EU vor Monaten Lagerkapazitäten für medizinische Vorräte aufzubauen und hat daher die Mitgliedsstaaten aufgerufen, Bewerbungen einzureichen.

Vier bis sieben solcher Lager (sogenannte Bevorratungsstandorte) sollen EU-weit entstehen. Das Bundesinnenministerium muss der EU nun bis Ende September vorlegen, welche Standorte in Deutschland in Frage kommen.

Auch Frankfurt und Hannover im Gespräch

Das Ministerium teilte schriftlich mit: "Im Gespräch ist auch ein Bevorratungsstandort am Flughafen Leipzig/Halle, der vom Deutschen Roten Kreuz unterhalten würde. Da das Projektkonzept gegenwärtig noch entwickelt wird, können noch keine endgültigen Angaben gemacht werden."

In Deutschland wollen sich auch die Flughäfen in Frankfurt am Main und Hannover bewerben. Eine Sprecherin des sächsischen Innenministeriums sagte MDR AKTUELL, der Flughafen in Leipzig/Halle biete die besten Voraussetzungen.

Standort Leipzig/Halle gut geeignet

Und das meint auch Lars Wertmann vom Deutschen Roten Kreuz, der daher mit einem Zuschlag rechnet. Ob Atemschutzmasken für Italien oder Zelte für Erdbebengebiete zum Beispiel in Asien – vom Flughafen Leipzig/Halle aus könnten Hilfsgüter sehr schnell überall hingebracht werden.

Gemeinsam mit dem Flughafen und dem Freistaat Sachsen bewerbe man sich nun auf die Ausschreibung, berichtet Wertmann. Denn gerade in Leipzig gebe es ideale Bedingungen dafür: "Leipzig ist zentral gelegen, hat eine 24-Stunden-Betriebserlaubnis, also da können Tag und Nacht Flieger starten und wir haben eine Anbindung an sämtliche Autobahnen."

Erst vergangenes Wochenende habe man gute Erfahrungen mit der Versendung von Hilfsgütern nach Griechenland gemacht, sagt Wertmann weiter. "Es spricht eine ganze Menge für Leipzig und wir hoffen, dass wir mit dieser Bewerbung Erfolg haben."

Flughafen: Voraussetzungen seien erfüllt

Der Flughafen selbst wollte sich nicht zu den Plänen äußern. Ein Sprecher sagte MDR AKTUELL nur so viel: Alle infrastrukturellen Voraussetzungen seien da, von der Lagerhalle bis hin zu den Flugverbindungen mehrerer Cargo-Airlines.

Tatsächlich stehen schon jetzt am Flughafen mehrere Antonov-Flugzeuge bereit, die größten Frachtmaschinen der Welt, die zum Beispiel Hygienekits, Zelte oder Geräte für die Wasseraufbereitung in Krisengebiete fliegen könnten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2020 | 06:05 Uhr

13 Kommentare

Gruen_unsere_Zukunft vor 1 Wochen

Der LEJ ist Glücksfall Mitteldeutschlands, sonst wären weder Amazon noch die Nobelkarossen und natürlich der Magdeburger Sonderweg in den Aufbaujahren bis 1998 sich von Kommunisten (SED/PDS) tolerieren zu lassen und Investoren abzuschrecken. Sonst hätten wir CSO Drehkreuz nahe Magdeburg. Ein Flughafen-Drehkreuz dort würde Hase und Igel aber keine Menschen mit Lärm belästigen. Platz für Lagerhallen usw. sind massig vorhanden.

Generation 55 vor 1 Wochen

Der Flughafen Leipzig/Halle ist im Zusammenhang mit von der EU geplanten Bevorratungsstandorten als Drehkreuz für humanitäre Einsätze im Gespräch.
Quelle MZ 18.9.20 Seite 1

Gerd Mueller vor 1 Wochen

alle Sachwerte ersetzen nicht die von Deutschen in Russland gemeuchelten 20 Millionen Menschen - das wenige was entschädigend wirken sollte hier zu Rechtfertigen ist demaskierend zum fremdschämen - Kriegsvetteranen die wirklich dort waren, sprachen wenig aber sagten immer: "Gott steh uns bei was wir dort angerichtet haben"!