Handelsregister Sachsen hat mit 20 Prozent Frauenanteil die meisten Geschäftsinhaberinnen

Frauen als Geschäftsinhaberin – das ist eher eine Seltenheit. Nach Recherchen von MDR AKTUELL liegt der Frauenanteil in den Handelsregistern von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bei gut 19 Prozent. Immerhin liegt das schon deutlich über dem Bundesschnitt.

von André Seifert, MDR AKTUELL

Heike Senf ist seit 15 Jahren Inhaberin der Sonnen-Apotheke in der Leipziger Südvorstadt. Sie sagt, sie habe einen sehr zeitintensiven Job, mit vielen Überstunden. Als ihre Kinder noch kleiner waren, konnte sich Heike Senf auf ihren Ehemann verlassen.

Wir haben uns auch wirklich reingeteilt in die Erziehung unserer Kinder. Also das heißt, wenn ich arbeiten gegangen bin, war er da und umgedreht. Und das hat immer gut gepasst, das war immer sehr anstrengend für alle. Wir haben viel Unterstützung durch die Familie, Großeltern, die wir auch alle immer brauchten.

Heike Senf, Inhaberin Sonnen-Apotheke

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die fehlende Unterstützung bei der Erziehung der Kinder - das ist vielleicht der Hauptgrund dafür, weshalb Frauen deutlich seltener Geschäfte eröffnen und führen als Männer. Das sagt nicht nur die Apothekerin Heike Senf, sondern auch viele andere Geschäfts-Inhaberinnen im Gespräch mit MDR AKTUELL. Und auch Thomas Hofmann, der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Leipzig, beobachtet das in seinen Mitglieds-Unternehmen.

Das ist schon ein bisschen traditionell bedingt, dass natürlich ein Großteil der Frauen mehr bezüglich der Vereinbarkeit Familie und Beruf gefordert ist. Das heißt also doch ein größerer Frauenanteil für die Kindererziehung letztendlich zuständig ist. Das ist auch bei uns so, deswegen ist es ein größerer Teil Männer, die gegründet haben oder Unternehmer sind.

Thomas Hofmann, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Leipzig

In Mitteldeutschland sind nur 19,2 Prozent der Geschäfte oder Handels-Unternehmen in Frauenhand. Das zeigen Zahlen aus einer seit wenigen Tagen öffentlich einsehbaren Datenbank der Handelsregister, die der Netz-Aktivist Johannes Filter für MDR AKTUELL ausgewertet hat.

Zwar sagt ein Name im Handelsregister nicht zwangsläufig etwas darüber aus, wer in einem Unternehmen das Sagen hat. Dennoch - ein extremes Ungleichgewicht ist zu erkennen.

Frauenquote - Ja oder Nein?

In den alten Bundesländern ist das Verhältnis am krassesten: Im Raum Offenburg in Baden-Württemberg liegt der Frauenanteil in den Handelsregistern bei gerade mal neun Prozent. Sachsen ist das Bundesland mit den meisten Geschäfts-Inhaberinnen. Der Vogtlandkreis hat mit rund 22 Prozent sogar den höchsten Frauenanteil deutschlandweit. Trotzdem - der Aufholbedarf ist groß. Brauchen wir eine Frauenquote? Nein, sagt Thomas Hofmann von der IHK. Wichtiger seien Netzwerke und Fördermöglichkeiten für Frauen.

Es gibt da gute Netzwerke. Im Startercenter bspw. kann man sich diese ganzen Fördermöglichkeiten holen. Oder auch www.existenzgründerinnen.de. Es gibt bundesweite Initiativen. Da kann man sich vorstellen, dass man dann doch ein bisschen mehr fördert und diese Netzwerke ausbaut. Da kann man noch mehr machen.

Thomas Hofmann, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Leipzig

Die Leipziger Apothekerin Heike Senf dagegen befürwortet die Einführung einer Frauenquote, nicht nur in Führungsetagen von Konzernen, sondern auch in kleineren Unternehmen. In ihrer Apotheke bräuchte es übrigens eher eine Männerquote. Hier arbeiten elf Frauen und drei Männer.

Wer steht im Handelsregister und was sagt das aus? 19,2 Prozent - so hoch ist in Mitteldeutschland der Frauenanteil im Handelsregister. Das Register ist öffentlich einsehbar. Eintragen lassen müssen sich - vereinfacht gesagt - alle, die etwas mit Handel zu tun haben: also Kaufleute, aber auch KGs, GmbHs, Vereine und Aktiengesellschaften. Eintragungspflicht besteht für Inhaber und Gesellschafter - jedoch erst ab einem gewissen Umfang, also z.B. ab einigen 100.000 Euro Jahresumsatz.

Enthalten sind auch Geschäfte oder Firmen, die nicht mehr existieren, weil sie z.B. insolvent gingen. Wer mehrere Unternehmungen hat, taucht auch mehrmals auf. Möglich ist auch, dass ein Mann ins Register eingetragen ist, aber eine Frau die Geschäfte führt. Daher spiegelt die Zahl "19,2" Prozent nicht den genauen Frauenanteil wider.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Februar 2019 | 06:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2019, 06:53 Uhr

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1 Kommentar

15.02.2019 07:25 frank d 1

Was ist mit einer Diversquote?
Hatte nicht jede ach so benachteiligte Frau einen previlegierten Vater, hatte nicht jeder Mann eine benachteiligte Mutter? Was war eigentlich mit Maria Theresia, Katherina der Großen, theophano, Elisabeth 1 und 2? Kann es sein, das die quotussies dieselbe eigentlich für sich selber unbedingt benötigen, da die eigenen Fähigkeiten nicht ausreichen? Was wenn der Genderwahn falsch ist? Aber solche Gedanken quälen nicht die Hirne der Protagonisten dieses Staates. ein einziges Kriterium sollte es geben, Kompetenz. Die besten sollen es machen egal ob Mann Frau divers. sapere aude