Corona-Folgen Schwierige Zeiten für Freizeitparks und Schausteller

Volksfeste sind verboten, in Freizeitparks gelten Obergrenzen und Maskenpflicht. Ist das wirtschaftlich machbar? Wir fragen nach im Freizeitpark Belantis, im Westernpark Pullman City und bei einer Schaustellerfamilie.

Protest 9 min
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Volksfeste sind die Haupteinnahmequelle von Schaustellern. "Mobile Freizeitparks" können nur eine Notlösung sein. Die Betroffenen fordern die Politik zum Handeln auf.

Umschau Di 15.09.2020 20:15Uhr 09:25 min

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Mit dem Lockdown blieben auch die Tore der Freizeitparks im März geschlossen. Seit Ende Mai dürfen dort unter Auflagen und nach Vorlage von Hygienekonzepten aber wieder Gäste empfangen werden. Dabei gilt jedoch immer die Maskenpflicht und die Wahrung des Mindestabstandes.

Bazil El Atassi, der Geschäftsführer vom Belantispark in Leipzig, weiß aus Erfahrung, dass das eine Herausforderung für alle ist, wenn der Besucherandrang groß ist. "Wenn der Park an seiner Kapazitätsgrenze war, haben wir das schon gemerkt. Da wurden die Warteschlangen doch ein bisschen enger. Da mussten wir dann eingreifen und die Leute bitten, den Mindestabstand einzuhalten", erklärt er.

Belantis
Im Vergleich zu den Vorjahren sehen die Besucherzahlen im Belantispark dieses Jahr alles andere als rosig aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Freizeitparks: Mindestabstand, Maskenbetrieb und Obergrenzen

Der Belantispark in Leipzig

Vom Normalbetrieb ist der Belantispark derzeit weit entfernt. 5.000 Besucher dürften dort derzeit hereingelassen werden. Der Veranstalter hat sich selber jedoch eine niederigere Grenze gesetzt. "Wir haben Angang der Saison mit 2.000 angefangen und haben uns dann auf 2.500 getraut", sagt der Geschäftsführer. Bei 3.000 war dann Schluss, betont er. "Damit wird das händeln können."

Bazil El Atassi – Geschäftsführer Belantis, Umschau
Bazil El Atassi, Geschäftsführer vom Belantis, erklärt, noch so eine Saison werde kritisch für das Unternehmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Durchschnitt geht es aber ruhig auf dem 27 Hektar großen Gelände zu. Bazil El Atassi führt das auch zurück auf die Verunsicherung vieler, sich in Coronazeiten unter vielen Leuten aufzuhalten. Manche würden mit der Maske gar keinen Freizeitpark besuchen wollen. "Im Juli/August lagen wir um die 30 bis 40 Prozent hinter dem, was wir uns erhofft und erwartet haben", zieht der Belantis-Geschäftsführer Bilanz.

Sollte noch so eine Saison bevorstehen, sieht er die Zukunft des Freizeitparks kritisch. Er hält es für wahrscheinlich, dass die Corona-Beschränkungen durchaus noch ein weiteres halbes Jahr zum Tragen kommen. "Der Vorteil ist vielleicht, dass man sich jetzt drauf einstellen kann, auf das, was kommt."

Pullman City im Harz

Pullman City, der Westernpark im Harz, wurde durch den Lockdown bis Ende Mai zur Geisterstadt. Da war der Bau einer neuen Unterkunft auf dem Gelände schon im Gange. Das neue Fort mit 170 Übernachtungsplätzen konnte schließlich am 22. August eingeweiht werden. Und es ist nun ein Besuchermagnet, das durch die schwierige Zeit hilft: Die Auftragsbücher sind gut gefüllt.

Pullman City
Auch in Pullman City geht es corona-bedingt ruhiger zu. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Laut Westernstadt-Chef Wolfgang Hagenberger gibt es Anfragen und Buchungen bis ins nächste Jahr hinein. "Da liegen wir ungefähr bei 20 Prozent Zuwachs im Vergleich zum letzten Jahr", sagt er. Das liege auch daran, dass viele Touristen jetzt den Harz besuchen würden, die nicht ins Ausland fahren könnten oder aufgrund der Coronalage dies bewusst nicht tun wollen würden.

Wolfgang Hagenberger Geschäftsführer Pullman City, Umschau
Wolfgang Hagenberger, Geschäftsführer von Pullman City, sagt: "Wir werden das Ding überstehen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch die Einnahmeausfälle der letzten Monate kompensiere dies bei Weitem nicht. "Sie können ein Bett nicht zweimal vermieten, das geht einfach nicht, deswegen ist es nicht aufzuholen", betont Hagenberger. Er hoffe "unter siebenstellig" mit den Verlusten davonzukommen. Pullman City sei jedoch ein gesunder Geschäftsbetrieb und habe "gut gewirtschaftet". "Wir werden das Ding überstehen", sagt Hagenberger.

Sie können ein Bett nicht zweimal vermieten, das geht einfach nicht, deswegen ist es nicht aufzuholen.

Wolfgang Hagenberger, Geschäftsführer Pullman City

Not macht Schausteller erfinderisch: der "mobile Freizeitpark"

Unter den Schaustellern hierzulande gibt es rund 5.000 Familienunternehmen. Bettina Jacobi ist auch Teil einer großen Schaustellerfamilie. Doch Volksfeste als Einnahmequelle fallen wegen Corona seit Monaten aus. Bis zum 31. Dezember dürfen diese aufgrund der geltenden Schutzmaßnahmen nicht stattfinden.

So haben Bettina Jacobi und ihr Mann Nico nach einem Ausweg gesucht. "Wenn wir keine Volksfeste haben, wo wir hinfahren können, alles ist abgesagt, dann machen wir halt einen Freizeitpark", habe ihr Mann zu ihr gesagt, erklärt Bettina Jacob.

Messe
Die "mobilen Freizeitparks" werden genutzt - aber von Ansturm kann auch keine Rede sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Jacobis reichten ein Konzept ein - und bekamen eine behördliche Genehmigung. Nun veranstalten sie einen kleinen Rummel in Delitzsch. Dieser ist eingezäunt und gilt als "mobiler Freizeitpark". Bis zu 350 Leute dürfen sich hier pro Tag vergnügen. Zuvor jedoch ist eine Registrierung erforderlich.

Es ist ein Anfang, aber die bisher aufgelaufenen Kosten werden damit nicht aufgefangen. "Die Banken haben gestundet, Versicherungen haben gestundet. Die sind uns schon sehr entgegen gekommen, aber das kommt ja irgendwann", weiß Bettina Jacobi.

Hoffen auf Weihnachtsmärkte

Ob die Schaustellerbranche die finanziellen Ausfälle der letzten Monate übersteht, wird sich bei den meisten im Winter entscheiden. Ob und wie sich das bis zum Jahresende verlängerte Verbot von Großveranstaltungen auch auf die Weihnachtsmärkte auswirkt, ist noch nicht ganz klar. Einzelne Märkte, darunter der große Kölner Weihnachtsmarkt, wurden bereits abgesagt.

Bettina Jacobi
Bettina Jacobi hofft auf die Weihnachtsmarktsaison, um dieses Jahr über die Runden zu kommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Striezelmarkt in Dresden oder die Weihnachtsmärkte in Halle und Erfurt sollen nach derzeitigem Stand stattfinden. Doch kann niemand vorhersagen, wie sich die Coronalage die nächsten Monate entwickeln wird. "Ohne Weihnachtsmarkt gehen die Lichter aus", befürchtet auch Bettina Jacobi. Denn Schausteller generieren 30 bis 40 Prozent ihres Jahresumsatzes auf den Weihnachtsmärkten.

Ohne Weihnachtsmarkt gehen die Lichter aus.

Bettina Jacobi, Schaustellerin

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 15. September 2020 | 20:15 Uhr