Zwei Männer stehen vor den ersten Modulen eines 5G-Masts in Schlettau
Sören Claus (links) und Gerd von der Osten (rechts) stehen vor den ersten Modulen eines 5G-Mastes in Schlettau. Bildrechte: MDR/Michael Voß

Teststrecke für führerlose Züge Erzgebirgsstadt Schlettau einer der ersten Orte mit 5G-Mobilfunk

Knapp 2.500 Einwohner hat die Kleinstadt Schlettau im Erzgebirge. Hier geht es eher geruhsam zu. Doch Schlettau gehört zu den ersten 50 Orten in Deutschland, die Vodafone mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G ausrüstet. Bisher war das mobile Netz in Schlettau sehr langsam. Jetzt sollen hier führerlose Züge getestet werden. Und auch Anwohner profitieren.

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Zwei Männer stehen vor den ersten Modulen eines 5G-Masts in Schlettau
Sören Claus (links) und Gerd von der Osten (rechts) stehen vor den ersten Modulen eines 5G-Mastes in Schlettau. Bildrechte: MDR/Michael Voß

Es ist Millimeterarbeit auf dem Bahnhofsgelände von Schlettau. Ein Kranfahrer und vier Mitarbeiter sind dabei, den Sendemast für die 5G-Signale aufzubauen. Dabei werde ein besonderes Verfahren genutzt, erläutert Gerd von der Osten, Vodafone-Technikchef für die östlichen Bundesländer. Man benutze einen mobilen Gittermast, der verhältnismäßig schnell gestellt werden könne. Der Bau des Masts dauere so nur etwa eine Woche.

Bauarbeiter installieren einen 5G-Mast
Die ersten Teile des 5G-Masts werden aufgestellt. Bildrechte: MDR/Michael Voß

Ein mobiler Gittermast hat kein Betonfundament. Der Boden wird lediglich verdichtet und dann wird der 35 Meter hohe Mast am Boden mit Gewichten festgehalten. Das System funktioniert ähnlich wie bei Baukränen, die auch ohne Fundament aufgestellt werden und trotzdem alle Sicherheitsbestimmungen erfüllen.

Dieser Aufbau habe einen gewaltigen Vorteil, sagt Gerd von der Osten: "Wenn Sie heute einen statischen Mast bauen, einen Stahlbeton-Mast beispielsweise, brauchen Sie dafür eine Baugenehmigung. Diese Verfahren laufen sehr lange und dann ist schnell ein Jahr rum, bevor Sie dann mit dem Bau anfangen." Außerdem gehe es hier um einen Versuchsbetrieb, bei dem man das Konzept eventuell auch kurzfristig wieder ändern müsse.

Bahn testet führerlose Züge

Bauarbeiter installieren einen 5G-Mast
Bis das gesamte 5G-Netz entlang der Strecke ausgebaut ist, dauert es noch einige Monate. Bildrechte: MDR/Michael Voß

Hauptkunde ist der Bahn-Campus, der hier eine 25 Kilometer lange Strecke der Erzgebirgsbahn nutzt. Auf der sollen Züge unter realen Bedingungen für den fahrerlosen Betrieb getestet werden.

Damit das funktioniert, ist für die Bahn das mobile Netz der fünften Generation wichtig, denn derzeit hängt man noch drei Generationen zurück, erklärt der technische Leiter des Bahn-Campus, Sören Claus. Im Bahnbereich werde derzeit noch mit GSM-R gesteuert. "GSM-R ist ja eigentlich 2G, wenn man so will. 5G ist der nächste Standard für die Zukunft und mit diesem Standard können wir Anwendungen fast in Echtzeit steuern," schwärmt Claus.

So könnten die fahrerlosen Züge ihre Informationen über die Strecke, über mögliche Hindernisse und über den Standort im selben Moment an den zentralen Computer übermitteln, der die Strecke überwacht. Und der Computer wiederum könne Weichen schalten, Schranken herunterlassen, den Zug stoppen oder auch weiterfahren lassen. Über das 5G-Netz würden diese Informationen weitergegeben, ohne dass ein Mensch die jeweilige Verzögerung wahrnehmen würde.

Anwohner nutzen 5G-Netz mit

Technisch sei das schon alles möglich. Doch die Feinheiten fehlten noch: So sollen die Züge beispielsweise erkennen, ob es nur ein relativ ungefährlicher Ast ist, der im Wege hängt, oder aber ein gefährliches Stahlseil. Am Bahncampus forschen Mitarbeiter der Technischen Universitäten Dresden und  Chemnitz, der Fraunhofer Gesellschaft sowie zahlreicher Forschungseinrichtungen und Bahnunternehmen. Doch wann fährt der erste wirklich fahrerlose Zug auf dieser Strecke?

Ein Mann mit Brille steht vor den ersten Modulen eines 5G-Masts in Schlettau
Sören Claus steht am mobilen 5G-Mast. Bildrechte: MDR/Michael Voß

Wir sind an der Entwicklung eines solchen Systems. Das hängt jetzt ein bisschen davon ab, wie schnell wir sind. Aber vielleicht ist es in zwei, drei Jahren soweit. Dann können wir hier unterwegs sein.

Sören Claus Technischer Leiter des Bahn-Campus

Dafür, so Sören Claus, müsse das 5G-Netz allerdings entlang der gesamten Strecke aufgebaut werden. Und davon würden dann auch die Anwohner profitierten - vorausgesetzt sie haben ein entsprechendes Handy und wohnen in der Nähe der Strecke. Für die Nachbarn des Bahnhofs Schlettau funktioniert das schon in den nächsten Tagen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 05:00 Uhr

3 Kommentare

Mirko vor 3 Wochen

Die Bürger dieser schönen Stadt tun mir leid. Man kann nur hoffen, dass es genug mutige Leute gibt, die sich nicht so entmündigen lassen. Diese Kleinstadt wird zu einem einzigen, grossen Versuchslabor mit den Menschen als Versuchskaninchen - für Wirtschaftsinteressen verraten und verkauft. Gefragt wurde, so wie ich hören musste, keiner der Betroffenen. Nun denn, ich hoffe für diese Stadt mit ihrem schönen Schloss, dass ich selbst auch schon besuchen durfte, auf viel Mut und Unterstützung.

Felix vor 3 Wochen

Da will man mit Kanonen auf Spatzen schießen. Für autonom fahrende Züge braucht man kein 5G. Man könnte den Informationsaustausch auch über andere Wege lösen. Unabhängig davon kostet diese Automatisierung Arbeitsplätze und ist teuer. Ob 5G auch Risiken für die Gesundheit hat, weiß keiner.

Mehliser vor 3 Wochen

Die Bürger von Schlettau werden ja dann bald alle "strahlen" vor Freude

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