Corona Leipziger Einzelhandel muss zu großen Teilen schließen

Ein gemütlicher Einkaufsbummel durch die Stadt – das ist ab Donnerstag nicht mehr möglich. Denn Läden, die nicht der täglichen Versorgung dienen, müssen zum Schutz vor dem Coronavirus schließen. Dem Handelsverband Sachsen macht das große Sorgen. Wie hart trifft die fast einmonatige Zwangspause kleine Läden? Ein Blick auf die Leipziger Karl-Liebknecht-Straße.

Ein Schild mit der Aufschrift «50% extra» ist kurz nach Ladenschluss an einem geschlossenen Geschäft zu sehen.
Außer Discountern, Drogerien und Baumärkten bleiben viele Läden ab Donnerstag zu. Bildrechte: dpa

Katja Junghanns fühlt sich manchmal wie in einem dieser Katastrophenromane, die man bei ihr kaufen kann. Ein gefährliches Virus. Besorgte Familien. Und Politiker, die das alles in den Griff kriegen wollen. Auch Junghanns muss ihr Geschäft schließen, die kleine Buchhandlung Südvorstadt.

Im Endeffekt habe man schon darauf gewartet, dass die Schließungen kommen, sagt Junghanns. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen. "Ich würde trotzdem noch Bestellungen aufnehmen und die Kunden dann morgen Früh kontaktieren, wie wir es nun machen mit der Übergabe. Ob wir es versenden oder kontaktlos liefern im Sinne von: Tüte hingestellt und klingeln. Klingt wie ein Schabernack, aber ist so", erzählt die Inhaberin.

Junghanns kann noch lachen – und die Zwangsschließung verstehen. Sie wolle sich ja auch nicht anstecken, sagt sie. Zwei Wochen käme sie über die Runden. Danach benötige sie aber Hilfe.

Spielwarenverkäuferin erwartet privat finanzielle Engpässe

Ein paar Läden weiter steht Gunhild Steinhauer hinter der Kasse ihrer "Spielerei" – einem Spielwarengeschäft. Auch sie befürchtet, dass es durch die Zwangspause finanziell eng wird. Es gebe nur klare Ansagen, dass das Finanzamt die Steuern so oder so einziehe.

"Ich muss mit dem Vermieter reden, ob ich die Miete ein bisschen später zahlen kann", sagt Steinhauer. "Also ich muss gucken. Man muss dann eventuell einen Kredit beantragen oder so. Aber das muss ja alles auch zurückgezahlt werden. Mir fehlen ja definitiv die Einnahmen." Ihre Puppen gucken unschuldig vom Regal. An der Tür dreht sich ein Windspiel. Geht man die Einkaufsmeile weiter, fällt auf, dass zwei Boutiquen schon geschlossen haben.

Haushaltswarengeschäft hofft auf Ausnahme-Regelung

An einer Tür ein Zettel: "Bleibt bitte alle gesund!" Dietmar Rauch hat sein Desinfektionsspray stets griffbereit. Seit 40 Jahren verkauft er auf der Karl-Liebknecht-Straße Haushaltswaren:

Also wir haben schon mit allem gekämpft. Mit der DDR, mit dem Westen, mit dem Euro, mit allen. Mal gucken. Jetzt kämpfen wir mit Corona.

Dietmar Rauch, Verkäufer in Leipzig

Bei Rauch gibt es Messer, Teller, Töpfe, Blumensamen, auch Honig. Hinter der Kasse: ein Paketlager für den Hermesversand. Man sei ein Geschäft des täglichen Bedarfs und verkaufe alles, sagt Rauch. Man sei Baumarkt, Poststelle, Reinigung und verkaufe Lebensmittel: "Also ich sehe uns weiterhin geöffnet. Ich bin immer optimistisch. Nur so kann man durchs Leben schreiten", meint der Verkäufer. Ob Rauchs Laden wirklich unter die Ausnahmen fällt, dürfte Auslegungssache sein.

Blumengeschäft weicht auf Homeoffice aus

Nebenan stellt sich "Blumen Richter" auf Schließung ein. Verkäuferin Franziska Beyer stellt ein Schild an die Tür. Eine Telefonnummer für Bestellungen, wenn hier zu ist. "Wenn viele Homeoffice machen, können wir ja keine Blumen an die Empfangstresen stellen, weil da ja keiner ist", sagt Beyer. "Deswegen, um uns ein bisschen zu retten, in dieser Situation, der Service: Blumen nach Hause zu schaffen."

Das Geschäft irgendwie am Laufen halten, zum Beispiel über einen Onlineshop, ist Händlertugend und Notwendigkeit. Blumen, Haushaltswaren, Bücher – gibt es vereinzelt auch bei Discountern, in Drogerien oder Baumärkten. Diese dürfen ab Donnerstag auch sonntags öffnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

kalsu vor 11 Wochen

Wenn Sie informiert wären, wüssten Sie, dass Ihre Aussage "bei Covid ist die Wahrscheinlichkeit zehn Mal höher daran zu sterben als bei der Influenza" unverantwortlicher Unsinn ist. Jeder seriöser Wissenschaftler sagt, dass man es nicht sagen kann, weil man nicht weiß wie viele Infizierte es gibt. In Südkorea liegt die Mortalität bei derzeit 0,7% ( 7 Tote auf 1.000 Infizierten). Bei der Grippewelle 2017/2018 gab es in DE 335.000 Infizierte und nach IfSG gemeldete Todesfälle von ca. 1680. Das entspricht einer Mortalitätsrate von ca. 0,5%, die international übliche Berechnungsmethode kommt sogar auf 22.500 Tote durch Grippe und den Folgen. Das kann man alles beim RKI nachlesen, wenn man wirklich noch ein Interesse an Fakten hat. Leider hat das kaum noch einer, es wird nur noch der Masse hinterher gerannt und das unter tatkräftiger Mithilfe der Medien. Man muss nur mal bei Radio eins (rbb) die Klarstellung nach einem Interview mit der renommierten Virologin Prof. Dr. Karin Mölling lesen.

JanoschausLE vor 11 Wochen

Nur, Wilkteuz, wenn Sie sich informiert haben, bei Covid ist die Wahrscheinlichkeit zehn Mal höher daran zu sterben als bei der Influenza. Die Lebenserwartung ist durch die Medizin doch sehr gestiegen. Wenn man Altmeister und Sie so liest, das klingt schon in die Richtung "lass alles laufen, natürliche Auslese, die Jungen und starken überleben, Alte und Kranke...". Haben Sie kein Schamgefühl?

Altmeister 50 vor 11 Wochen

M. E. zeigt sich eines: Eine Wirtschaftskrise wird schrittweise zu einer existenziellen Krise, und zwar für Millionen von Menschen. Da sind die Zusicherungen der Regierungen hinsichtlich eines monetären Ausgleiches allenfalls Beruhigungsmittel. Wenn die Wertschöpfung den Bach runtergeht, woher sollen die Mittel dann kommen ? Allenfalls aus der Geld- Druckerpresse, was wiederum zeitverzögert durch Inflation zur existenziellen Katastrophe werden kann.
Mir stellt sich daher mit zunehmender Dauer der restriktiven Massnahmen die Frage, ob die Erkrankungs- und Todesrate durch eine weitgehende Abschaltung der Wirtschaft nicht eventuell größer sein könnte als durch die Infektion mit Corona. Am deutlichsten wird dies bereits bei der Versorgungseinstellungen der Tafeln und bei Schließung von Obdachlosenheimen.
Dass diese Problematik zusammenhängend kaum diskutiert wird, lässt mich an der komplexen Denkweise der verantwortlichen Politiker zweifeln.