Braunkohletagebau Schleenhain bei Leipzig.
Der Braunkohletagebau Schleenhain bei Leipzig. Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Braunkohleausstieg Ministerpräsident Haseloff: CO2-Debatte nicht auf Braunkohle reduzieren

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff hat angeregt, die Diskussion um den CO2-Ausstoß auf andere Lebensbereiche außer Braunkohle auszudehnen. In Deutschland würden 82 Millionen Menschen Kohlenstoffdioxyd emittieren.

Braunkohletagebau Schleenhain bei Leipzig.
Der Braunkohletagebau Schleenhain bei Leipzig. Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat eine Ausweitung der Debatte rund um Kohlenstoffdioxid angemahnt. Haseloff sagte dem MDR im Hinblick auf die Diskussionen um den Braunkohleausstieg, Klimapolitik sei sehr teuer und dürfe nicht nur von einigen Zigtausend Kohlekumpeln und Chemiearbeitern bezahlt werden.

CO2-Reduzierung durch Energieeinsparung

In Deutschland würden 82 Millionen Menschen Kohlenstoffdioxyd emittieren - "und zwar zwei Drittel nicht in der Energieerzeugung, sondern etwa auch in den Bereichen Verkehr, Heizung, Wärme, Dampf." Es sollte sich die Frage gestellt werden, ob diese Bereiche durch Energieeinsparmaßnahmen auch zur CO2-Reduzierung beitragen könnten.

Kopfschütteln über 1,5 Milliarden Euro

Gleichzeitig erneuerte Haseloff seine Forderung nach Milliarden-Kompensationen bei einem beschleunigten Ausstieg aus der Braunkohleförderung im Mitteldeutschen und im Lausitzer Kohlerevier. Die Kompensation eines einzigen Arbeitsplatzes koste heutzutage ein bis zwei Millionen Euro, sagte der Ministerpräsident.

Es gehe nicht um Abfindungen, sondern um Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Infrastruktur einer ganzen Region in den nächsten Jahrzehnten. "Dann sind 1,5 Milliarden Euro schlicht und einfach nur mit einem Kopfschütteln entgegen zu nehmen."

Haseloff fordert eine klare Reihenfolge und abgestimmte Maßnahmen. Dazu zählten auch ein Sofortprogramm in den Bereichen Straßenbau, öffentlicher Nahverkehr und Schiene.

Ergebnisse auf Februar verschoben

Aktuell arbeitet die sogenannte Kohlekommission an einem Fahrplan für den Braunkohleausstieg in Deutschland. Sie wurde im Juni von der Bundesregierung als Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung ins Leben gerufen. Die Vorstellung der Ergebnisse wurde von November 2018 auf Februar 2019 verschoben.

Dieses Thema im Programm: MDR Zeitreise | 04. Dezember 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2018, 14:05 Uhr

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25 Kommentare

05.12.2018 21:38 Eulenspiegel 25

Hallo W. Merseburger 24
Nur ganz kurz:
Also bei Nordlink geht es darum das mit bei uns überschüssigen Strom in Norwegen Wasser den Berg hinauf gepumpt wird und bei bedarf über Turbinen wider herunter fließt. Und bei"power to gas" kann ich z.Z. momentan nur schreiben das dies ein reisen Projekt ist und das es da im Internet viel zu lesen gibt.
Was mir da noch gerade einfällt in Deutschland gibt es ja auch schon die ersten Hybridkraftwerk. Darüber können sie sich ja auch mal informieren.

05.12.2018 16:20 W. Merseburger 24

An @ 23, Eulenspiegel,
Was sie zu den als Nordlink bezeichneten Stromtrassen schreiben klingt intreressant. Aber eines kommt nicht klar heraus. Hat Norwegen einen deutlichen Überschuss an elektrischem Strom, oder würde über Nordlink Stom aus deutschen Windrädern zu den Pumpspeicherkraftwerken geleitet und danach bei Bedarf entsprechend dem Prinzip Walchenseekraftwerk Strom erzeugt und nach Deutschland geleitet?
Was sie zu "power to gas" beschreiben ist leider, jedenfalls bisher, nicht realisierbar gewesen, weil die Wasserelektrolyse zu H2 und O2 einfach zu teuer war. Ich habe noch von früher im Ohr, es sei die "Reinigung" des Wasserstoffs vom Wasserdampf extrem teuer. Deswegen möchte ich darauf hinweisen, dass ihre "einfache" Umwandlung von überschüssigem Strom in Gas eben nicht ganz so einfach ist.

04.12.2018 22:13 Eulenspiegel 23

Hallo konstanze 21
Ist ja recht lustig was sie da schreiben aber mit der Realität hat das wenig zu tun. Als Beispiel sollten sie sich mal mit „Nordlink“ Beschäftigen. Das zwei, im Bau befindlichen Unterseekabel die Deutschland mit Norwegen verbinden. Norwegen ist ein Land das sein Strom zu 95 % aus Wasserkraft erzeugt. Also kein Kohlestrom und kein Atomstrom. Mit diesen zwei Unterseekabeln stellt uns Norwegen eine riesige Speicherkapazität an Wasserspeicherkraftwerken zur Verfügung. Damit ist es möglich mitten in der Nacht Sonnenstrom zu nutzen und bei Windstille Windenergie einzusetzen.
Und dann gibt es das Projekt „Power to Gas“ Damit kann man z.B. Strom den man z.Z. nicht nutzen kann einfach in Gas umwandeln, lagern und bei bedarf wieder verstromen.
Hier nur zwei Beispiele die zeigen das wir dabei sind in einer ganz neuen Energietechnologie einzusteigen.

04.12.2018 21:29 Wo ist das Lobbyregister? 22

@04.12.2018 20:45 W. Merseburger

(Nun frage ich den Kommentator in @18, worüber wird hier diskutiert? Und über was polemisiert er in den anderen Beiträgen. Es gibt auch Leute, die sagen, um auch einmal vulgär zu werden, mit der Braunkohle haben Millionen Menschen im Winter einen warmen Arsch hier in Mitteldeutschland gehabt!)

Ich polemisiere nicht - das ist garnicht notwendig: Das Carbon-Zeitalter ist VORBEI. Sonst es es ganz schlicht und historisch schnell mit uns vorbei. Die Täteräää hat die BK-Technologie weiterbetrieben, weil da sonst nichts war. Wer "einen warmen Arsch" davon und daran hatte, ist vollkommen nebensächlich, weil auch das vorbei ist - unter Hintanlassung von Quadratkilometern toter Flächen und zerstörter Wasserhaushalte.

Und: Technologische Paradigmenwechsel dauern lange - nicht korrupte und der Reflexion fähige Politiker wissen das und fördern frühzeitig die Alternativen. Die anderen behindern sie.

04.12.2018 21:10 konstanze 21

Erst wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint und große Tele unserer Industrie sich wegen Dauergängelung aus dem Staub gemacht haben, werden sie sehen, dass man mit Genderwissenschaften und Namentanzen kein Land versorgen kann. Und wenn der letzte Strom aus der Steckdose geplumpst ist, werden sie feststellen, dass der grüne Leiter im Netz keinen Ökostrom speichert.

04.12.2018 20:45 W. Merseburger 20

Obiger Artikel hat die Überschrift und damit das Thema "CO2 Debatte nicht nur auf Braunkohle reduzieren". Nun frage ich den Kommentator in @18, worüber wird hier diskutiert? Und über was polemisiert er in den anderen Beiträgen. Es gibt auch Leute, die sagen, um auch einmal vulgär zu werden, mit der Braunkohle haben Millionen Menschen im Winter einen warmen Arsch hier in Mitteldeutschland gehabt! Und weiterhin ist es nicht amüsant, Haseloff Hirnlosigkeit zu attestieren. Übrigens ist Haseloff promovierter Physiker und kein Studienabbrecher wie so einige in Parteifunktionen im Bundestag! Wo ist das Lobbyregister sollte erst mal versuchen sich zu mäßigen und seine ideologische Verbortheit zu überdenken. Ich freue mich immer, auch im Falle der CO2 Problematik, wenn Kommentatoren etwas zu sagen haben und das Wissen der Anderen zusätzlich erweitern!

04.12.2018 18:35 Wo ist das Lobbyregister? 19

@04.12.2018 17:28 Klartext

(Herrn Haseloff halte ich für den hinterhältigsten Politiker überhaupt,für die Solarindustrie die jetzt die Lösung für die bald auf der Straße stehenden Kumpel wäre,hat er nicht den kleinen Finger gerührt,für die dreckige Johle macht er Riesenforderungen auf,obwohl dort die Besitzer und Kapitalscheffler der Aktien als erstes gefragt sind,denn solange die Dividende floss,wurden keine Maßnahmen für einen möglichen Strukturwandel getroffen.)

So ist es. Die einzig interessante Frage ist: Wie muss ein Wahlvolk mental und intellektuell ausgestattet sein, um derartige Politikerdarsteller mehrfach wiederzuwählen? Denn für seine brilliante Politik wird ein H. nicht gewählt und für seine verlautbarten "Texte" ganz sicher erst recht nicht - das dürfte so eindeutig sein, wieder der Zustand des Landes.

04.12.2018 18:31 Wo ist das Lobbyregister? 18

@04.12.2018 17:52 W. Merseburger

(Zusätzlich ist hier Beitrag @ 10,
ich vermute mal ganz stark, es handelt sich bei diesem Beitrag um Satire oder "schwarzen Humor". Sollte es aber ihr Ernst sein, was sie da fordern so, wäre es doch billig, dass sie mal Zahlen der dadurch erzielten CO2 Reduktion angeben.)

Selbst wenn es Zahlen gäbe: Was könnten die mit dem BK-Ausstieg zu tun haben? Weil Kühe wiederkäuen, baggern wir auch weiter ab? Ist der Mann noch zu retten? Jemand mit funktionierendem Neokortex hätte sich eher die Zunge abgebissen, als derlei irrsinniges Zeugs in die Öffentlichkeit zu entlassen. Nicht so Parteifreund Haseloff - das muss Ursachen haben.

Vergessen wir nicht: Noch vor drei Jahren wollte der Vorsitzende Haseloff den Raum Lützen der Mibrag zum Frasse vorwerfen lassen. Ich hätte gerne Detailinformationen über Haseloffs Verbindungen in die BK-Industrie...

04.12.2018 18:26 Wo ist das Lobbyregister? 17

@04.12.2018 10:57 Horst

(Das ist ja wirklich zum Fremdschämen!
Aber wenn man sich die Äußerungen durchliest verwundert es einen nun überhaupt nicht, dass (auch) in Sachsen-Anhalt der bevorstehende Kohleausstieg - der auch ohne das Thema "Klima" in wenigen Jahren ansteht - und der dadurch notwendige Strukturwandel bisher gänzlich ignoriert wurde. Inkompetenz pur!)

In der Tat, das ist so peinlich und verrät ein solches Ausmaß an Inkompetenz, dass es mit Schämen schon nicht mehr getan ist. Nichts, wirklich überhaupt nichts hat dieser famose ehemalige Blockparteifunktionär in die Wege geleitet, um Sachsen-Anhalt auf den BK-Ausstieg vorzubereiten.
Und schwätzt dem Bürger jetzt die Jacke voll, um genau davon abzulenken. Der Mann ist im Wortsinne von gestern und das Gestern ist schon längst das Vorgestern. Ein Sachwalter des politischen Mangels, selbstzufrieden mit dem regelmässigen "Ausfüllen der Formulare" und ökonomischen Konzepten von 1895.

04.12.2018 18:20 Max W. - Nicht zu fassen, wie in der Eck-Stampe... 16

(In Deutschland würden 82 Millionen Menschen Kohlenstoffdioxyd emittieren - "und zwar zwei Drittel nicht in der Energieerzeugung, sondern etwa auch in den Bereichen Verkehr, Heizung, Wärme, Dampf.")

Und? Bestreitet das irgendjemand, Parteifreund und Ex-Blockfunktionär Haseloff? Wohl nicht. Und mit dem Ende der Braunkohle hat das auch nur am Rande zu tun - die ist nämlich so oder so eines der Oberdreckschw... in der Gesamtproblematik und muss auslaufen. Am besten vorgestern.

Fragen wir mal anders: Was GENAU hat Sachen-Anhalt bislang getan, um den BK-Ausstieg VORZUBEREITEN? Ich sag's ihnen: NICHTS - absolut garnichts. Wir sollten mal umfassend über das Problem Haseloff und dessen Kontext reden...