Laubbäume mit roter und grüner Färbung stehen am 11.05.2015 in Herschdorf im Ilmkreis (Thüringen).
Wenige Einwohner, aber viel Grün: So schön ist es im thüringischen Herschdorf, wo junge Gründer jetzt Apfelsaft auf traditionelle Art pressen. Bildrechte: dpa

Initiative gegen Landflucht Gründen im Grünen

Junge Menschen wandern ab, Betriebe und Geschäfte schließen, zurück bleiben die Alten und leerstehende Wohnungen – viele Regionen in Mitteldeutschland haben mit Landflucht und ihren Folgen zu kämpfen. Eine neue Initiative stemmt sich dagegen. Das Projekt „Lokalhelden“ lockt junge Menschen mit Gründerstipendien zurück in die Provinz.

Laubbäume mit roter und grüner Färbung stehen am 11.05.2015 in Herschdorf im Ilmkreis (Thüringen).
Wenige Einwohner, aber viel Grün: So schön ist es im thüringischen Herschdorf, wo junge Gründer jetzt Apfelsaft auf traditionelle Art pressen. Bildrechte: dpa

Viele Gemeinden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen leiden unter Abwanderung, Überalterung und Leerstand. Die Folge ist ein Verfall von Dörfern und Kleinstädten. In vielen Orten gibt bereits keine Gaststätten, keine Einkaufsmöglichkeiten und keine Sparkasse mehr. Allein in Sachsen leben laut einer Studie 48 Prozent der Menschen in sogenannten Schrumpfungsregionen. Mehr als 391 Gemeinden sind dort betroffen.

"Viele scheuen sich einfach nur deshalb davor, in ihre Regionen zurückzugehen, weil sie dort keine guten beruflichen Perspektiven für sich sehen", sagt Martin Kuder. Der Unternehmensberater ist Vorstandsvorsitzender des Vereins "Wertewandel", der sich vorgenommen hat, genau diese Perspektiven zu schaffen. Im Rahmen der Initiative "Lokalhelden" fördert der Verein junge Menschen, die im ländlichen Raum in Ostdeutschland ein Unternehmen gründen wollen.

Zusammenhalt in Gemeinden fördern

Das Projekt richtet sich an Gründer, die zwischen 18 und 33 Jahren alt sind, eine Geschäftsidee haben und Wert auf ökologische Nachhaltigkeit und sozialen Zusammenhalt legen. Weitere Voraussetzungen gibt es nicht. Das Bewerbungsformular ist nur eineinhalb Seiten lang.

16 sogenannte Lokalhelden gibt es bereits. Ein Projekt ist zum Beispiel im thüringischen Herschdorf angesiedelt. Georg Lesser und Johannes Leeder bewirtschaften dort Streuobstwiesen und pressen Apfelsaft – auf traditionelle Weise und ohne Elektrik. Zusätzlich engagieren sich die beiden gemeinsam mit weiteren Mitstreitern auf vierfältige Weise für den Umweltschutz. Sie geben Workshops an Schulen, sammeln bei gemeinsamen Aktionen Müll oder pflanzen neue Bäume. "Uns liegt der ländliche Raum sehr am Herzen", sagt Johannes Leeder. "Wir lieben die Ruhe, die man hier hat. Und am Herzen liegt uns auch das Miteinander der Menschen hier im ländlichen Bereich."

Weiterbildungen im Wert von 15.000 Euro

Als geförderte "Lokalhelden" können Lesser und Leeder an einer Gründerwerkstatt teilnehmen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren werden sie unternehmerisch ausgebildet sowie im Anschluss noch ein weiteres Jahr gecoacht und beraten. Die Stipendiaten lernen dabei betriebswirtschaftliche Grundlagen, entwickeln ihre Geschäftsideen weiter und schreiben Businesspläne. Auf dem Lehrplan stehen außerdem Themen wie regionale Wirtschaftsentwicklung, Nachhaltigkeit oder Fertigkeiten von Führungskräften. Laut Angaben der Organisatoren hat die Ausbildung einen Wert von 15.000 Euro. Für weitere Kosten der Gründung, etwa die Produktion von Prototypen, stellt die Initiative bis zu 2.000 Euro pro Gründung bereit.

Das Projekt, das auch von der Schweizer Drosos-Stiftung finanziert wird, konzentriert sich zunächst ausschließlich auf Ostdeutschland und läuft noch bis 2020.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 04.11.2017 | ab 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2017, 17:55 Uhr